Außenansicht eines „ROFU-Geschäfts.

Hintergrund

Stand: 03.11.2026 • 16:47 Uhr

Weihnachtszeit ist Umsatzzeit: Trotz Krisenstimmung zeigt sich der Einzelhandel zuversichtlich. Doch wo Kinder ins Träumen geraten, ist die Stimmung der Händler angespannt.

Juri Sonnenholzner

Liebe geht durch den Geldbeutel. Zumindest legt das der Blick auf die Zahlen des deutschen Einzelhandels nahe: Weihnachten spült den Geschäften über das Jahr hinweg am meisten Geld in die Kassen, die Monate November und Dezember allein bringen bis zu 20 Prozent des gesamten Jahresumsatzes. In den Chefetagen herrscht deshalb Anspannung - entscheidet doch spätestens die Adventszeit darüber, ob das Geschäftsjahr von Gewinn gekrönt oder mit Verlust abgeschrieben werden muss.

Dass daran das Schicksal von Unternehmen hängen kann, bekam der Spielwarenhändler ROFU Kinderland aus dem rheinland-pfälzischen Hoppstädten-Weiersbach zu spüren. Seit mehr als 40 Jahren verkauft die Firma Spielwaren. Mit Filialen in sechs Bundesländern hatte sich ROFU nach eigenen Angaben zu einem der führenden Spielwarenhändler im Südwesten Deutschlands hochgearbeitet.

Neustart nach Insolvenz

Im Januar dann beantragte ROFU Insolvenz. Dazu führten dem Unternehmen zufolge neben gestiegenen Kosten und Kaufzurückhaltung der Kundschaft eben auch ein schwaches Weihnachtsgeschäft. Zwar wurde ein Investor gefunden; dennoch schlossen 27 Filialen, und mehr als 600 Mitarbeitende verloren ihre Stelle.

Nachdem das Unternehmen im Juli seine Sanierung in Eigenverwaltung abgeschlossen und alle Gläubiger dem Insolvenzplan zugestimmt haben, hat ROFU in diesen Tagen bereits wieder bisherige Filialen eröffnet - mit überarbeitetem Konzept und Angebot. Ausverkauf, Umbau und Neueröffnung rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft etwa in Heilbronn, Neunkirchen oder Heppenheim.

Wieviel Geld bleibt für Geschenke übrig?

Dieser Neustart muss sitzen. Dass das gelingt, dafür spricht die neue Geschäftsleitung: Mit Achim Weniger ist ein Branchenkenner an Bord. Er war 40 Jahre lang in der Spielwarenhandels-Organisation VEDES, zuletzt in deren Vorstand, lenkte Einkauf, Logistik, Marketing und Vertrieb für die Einkaufsgenossenschaft der etwa 800 Spielwaren-Einzelhändler.

"Unser Fokus liegt auf der Zukunft und dem Neustart. Wir verändern interne Prozesse und stellen das Unternehmen neu auf, um langfristig erfolgreich zu sein", sagt Weniger. "Natürlich hoffen wir, dass in diesem Jahr wieder etwas mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgegeben wird."

Einzelhandel mit gemischten Gefühlen

Auch wenn Weniger die Spielwarenbranche besser nicht kennen könnte - gegen äußere Umständen ist auch er nicht gefeit. "Viele Handelsunternehmen sehen sich vor Beginn des Weihnachtsgeschäfts mit steigenden Kosten für Energie, Personal und ausufernder Bürokratie konfrontiert. Das trägt nicht zu einer optimistischen Einschätzung der Geschäftslage bei", sagt Alexander von Preen, Präsident des Spitzenverband des deutschen Einzelhandels HDE.

Dennoch sehe er Anzeichen dafür, dass Weihnachten der Krise trotzen könne, und bezieht sich dabei auf Umfragen im Auftrag seines Verbands. Danach plant dieses Jahr im Schnitt jeder Befragte 262 Euro auszugeben, das entspricht nahezu dem Wert des vorigen Jahres. Damit schicken sich die Handelsunternehmen an, in den letzten beiden Monaten des Jahres insgesamt rund 130 Milliarden Euro umzusetzen.

So zeigten sich unter den 300 befragten Handelsunternehmen nicht wenige zuversichtlich: Fast ein Drittel gehe davon aus, dass sich die Kunden auch in schwierigeren Zeiten nicht die Freude am Weihnachtseinkauf nehmen lassen. Und immerhin beinahe ein Viertel sei sich sicher, dass der Kauf von Geschenken nicht unter schlechter wirtschaftlicher Stimmung leiden werde. Doch gerade im Nicht-Lebensmittelhandel, zu dem auch ROFU gehört, sehen sich laut der Umfrage Händler zu 56 Prozent vor einem schlechteren oder deutlich schlechteren Weihnachtsgeschäft als im Vorjahr.

Wachstum kommt aus dem Onlinegeschäft

Die Welt der Spielwarenbranche erscheint derzeit keinesfalls so rosafarben wie ihre Barbie-Puppen: Billigere Spielwaren aus Fernost, der Gebrauchtmarkt im Internet, Preisdruck durch Preisvergleichsportale, das Preisdiktat von Markführern, aber auch digitale Unterhaltung wie Smartphones, Tablets, Spielkonsolen und Streaming-Plattformen lassen viele Traditionsunternehmen straucheln. Schleich, Playmobil, Haba, Rolly Toys sind Traditionsmarken, von denen es zuletzt mit schlechte Nachrichten gab. Gleichzeitig ist die Geburtenrate nochmals gesunken: weniger Kinder, weniger Kunden.

Der Onlinehandel wird der HDE-Prognose zufolge zum Jahresschluss der Wachstumstreiber: Er werde seine Weihnachtsumsätze um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigern, hier liegt der Umsatz dann bei 23 Milliarden Euro. Doch das ist ein Markt, bei dem viele klassische, inhabergeführte Spielwarengeschäfte selten mithalten können. Mehr als 150 von ihnen schlossen im vergangenen Jahr ihre Türen.

Trotz allem - ein Fest für die Branche?

Mit einem Online-Shop will auch ROFU seine Filialen sichern. In diesen Tagen soll eine überarbeitete Version online gehen - kostensenkend durch Kooperationen, vor allem in der Logistik, um Lagerkosten zu verhindern.

"Wir blicken optimistisch auf die kommenden Wochen. Unser gesamtes Team ist hochmotiviert und freut sich auf das Weihnachtsgeschäft", sagt ROFU-Chef Weniger. Und ähnlich zuversichtlich äußert sich HDE-Präsident von Preen: "Das Weihnachtsgeschäft bleibt trotz eines schwierigen Umfelds und vieler Ungewissheiten stabil. Weihnachten zeigt sich krisenfest."

Source: Tagesschau · Juri Sonnenholzner

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