Zwischenwahlen in den USA Warum es diesmal auf Alaska ankommen könnte
Stand: 02.11.2026 • 09:04 Uhr
Obwohl Alaska traditionell republikanisch wählt, liegt die Demokratin Peltola in Umfragen vorn. Der Ausgang im nördlichsten Bundesstaat könnte die Midterms entscheidend beeinflussen. Den Wahlkampf bestimmen auch hier die hohen Preise.
Wer mit dem Flugzeug nach Alaska fliegt, blickt durch das Fenster auf Schnee und Berge, soweit das Auge reicht. Kein US-Bundesstaat ist größer. In keinem wohnen weniger Menschen. Ausgerechnet hier könnte sich die künftige Mehrheit im US-Senat entscheiden. "Alaska ist eines der drei, vier wichtigsten Rennen", sagt Ian Hartman von der Universität Alaska Anchorage. "Wenn nicht sogar das Wichtigste."
Eine der wichtigsten Wählergruppen in Alaska sind die rund 230 indigenen Gemeinschaften des nördlichsten US-Bundesstaats - die allerdings Mühe mit der Mobilisierung haben - obwohl die Kandidatin der Demokraten selbst Indigene ist und zum Volk der Yup’ik gehört. "Wir machen 25 Prozent der Wahlberechtigten in Alaska aus, allerdings gehen nur elf Prozent unserer Bevölkerung zur Wahl", sagt Sharon Hildebrand, Vorsitzende der Tanana Chiefs Conference. "Das wollen wir ändern."
Wahlen werden auch an der Zapfsäule entschieden
Die Winter in Alaska sind lang und hart, die Wege zu Arbeit, Schule oder Supermarkt weit. Die landesweit gestiegenen Preise für Lebensmittel oder Kraftstoff machen sich hier besonders stark bemerkbar. "Ich habe das Gefühl, dass mein Gehalt nicht mehr so weit reicht wie früher", erzählt Brooke Wright, eine sechsfache Mutter aus der indigenen Gemeinschaft der Koyukon Athabaskan, die traditionell auf Selbstversorgung durch Jagd und Fischfang angewiesen sind.
Die gestiegenen Preise bekommt die sechsfache Mutter Brooke Wright besonders stark zu spüren.
Wahlen werden in den USA gerne mal an der Zapfsäule entschieden - ein Ort, den Brooke mittlerweile fürchtet. Der Iran-Krieg hat die Preise für Benzin und Diesel durch die Decke gehen lassen. "Man würde eigentlich nicht glauben, dass dieser internationale Krieg so große Auswirkungen auf ein Dorf mit 100 oder 500 Einwohnern haben könnte", sagt sie. "Aber ehrlich gesagt habe ich das Gefühl, dass wir die Folgen wahrscheinlich am stärksten zu spüren bekommen."
Zölle treffen die Einwohner Alaskas hart
So geht es auch den Bewohnern von Kodiak. Die Fischerinsel im Süden von Alaska ist eigentlich fest in republikanischer Hand - doch das könnte sich jetzt ändern. Kapitän Jake Everich leidet vor allem unter der Handelspolitik von Donald Trump. Ob Ersatzteile für den Maschinenraum oder Computersysteme auf der Brücke - viele Produkte kommen aus dem Ausland und wurden unter Trump mit Zöllen belegt. "Dinge, die letztes Jahr noch 500 Dollar gekostet haben, kosten jetzt 1.000 Dollar. Es ist eine äußerst unbeständige Situation, in der wir nicht planen können, was wieviel kosten wird."
Teure Ersatzteile, teurer Sprit - Fischer Jake Everich denkt darüber nach, diesmal die Demokraten zu wählen.
Bislang war Jake überzeugter Republikaner und hat Trump gewählt. Jetzt wendet er sich von ihm ab. So wie viele Fischer in Kodiak. "Die Zölle treffen die Einwohner Alaskas hart, weil wir alles importieren. Am meisten macht uns jedoch der Dieselpreis zu schaffen.", sagt Terry Haines, der Bürgermeister von Kodiak. "Als er noch bei vier Dollar pro Gallone lag, schien das schon ziemlich schlimm. Aber bei den heutigen Preisen fragen sich manche Fischer, ob sie sich überhaupt noch leisten können, den Hafen zu verlassen."
Der doppelte Sullivan könnte Stimmen kosten
Freie Bahn also für Mary Peltola? Eigentlich schon. Wenn da nicht die Sache mit dem "doppelten Dan Sullivan" wäre. Recherchen der New York Times zufolge haben die Demokraten in ganz Alaska nach Menschen gesucht, die genauso heißen wie der republikanische Amtsinhaber - um für Verwirrung auf dem Wahlzettel zu sorgen.
Fündig geworden sind bei einem pensionierten Lehrer namens Dan Sullivan. Der kandidierte - ohne nachweisbare Ambitionen, das Amt wirklich anzustreben. Ein schmutziger Taschenspielertrick, der nicht neu ist. Strohmänner haben beide Parteien in der Vergangenheit schon mal aufgestellt. "Ist das verwerflich? Ja. Ist es vielleicht sogar unethisch? Auch. Ist es illegal? Wahrscheinlich nicht", sagt Ian Hartman. Trotzdem könnten die Enthüllungen der Demokratin einige Stimmen kosten. "Ist das der entscheidende Faktor bei der Wahl? Das liegt zumindest im Bereich des Möglichen."
Source: Tagesschau · Torben Börgers
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