In Caracas versammelten sich am Donnerstag rund 2000 Demonstrierende auf der Plaza Venezuela und hielten Plakate in die Höhe, auf denen sie die Abhaltung von Wahlen verlangten. Auch im Bundesstaat Táchira an der Grenze zu Kolumbien fand eine Kundgebung statt. Die Demonstranten forderten zudem die ⁠Freilassung von ⁠mehr als 320 Menschen, die nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Foro Penal weiterhin aus politischen Gründen inhaftiert sind.

Hintergrund der Proteste ist die unklare ‌politische Zukunft des Landes. Das US-Militär hatte den linksnationalistischen Langzeit-Präsidenten Maduro Anfang Januar in Caracas gefangen genommen und in die USA gebracht, wo ihm und seiner Frau der Prozess wegen »Drogenterrorismus« und Foltervorwürfen gemacht werden soll. Die von Maduros früherer Stellvertreterin Delcy Rodríguez geführte Übergangsregierung arbeitet seither eng mit den USA zusammen. US-Präsident Donald Trump hatte nach Maduros Sturz gesagt, Venezuela stehe nun unter der Kontrolle der USA.

Verhandlungen ohne Oppositionsführerin

Sowohl Rodriguez als auch Trump haben ‌Wahlen in Aussicht gestellt, bislang jedoch keinen Termin genannt. Vor gut einer Woche starteten ohne Oppositionsführerin Machado Verhandlungen zwischen Vertretern der Regierung von Übergangspräsidentin Rodríguez und der Opposition. Dabei bekräftigten beide Seiten ihren Willen, Präsidentschaftswahlen in Venezuela abzuhalten. Das Außenministerium in Washington begrüßte die Gespräche. Diese legten die Grundlage für freie und glaubwürdige Wahlen, erklärte ein Sprecher.

Trump selbst lobte zuletzt die wirtschaftliche Öffnung unter Rodriguez, erklärte ‌im vergangenen Monat jedoch, für Wahlen ​sei es noch ‌zu früh. Oppositionsführerin Machado, die nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl ‌2024 ​untergetaucht war und das Land verlassen hatte, fordert hingegen eine Abstimmung bis spätestens Juli 2027. ​

Machados Wunsch, in ihre ⁠Heimat zurückzukehren, hat in Washington ​für Unstimmigkeiten ​gesorgt. Die Oppositionspolitikerin lebt im Exil in Panama, nachdem sie Venezuela heimlich verlassen hatte, um vor einem Jahr in Oslo den Friedensnobelpreis entgegenzunehmen. Nach Angaben ihrer Partei »Vente Venezuela« wurde sie bereits mehrfach an einer Rückkehr in ihr Heimatland gehindert.

Lesen Sie hier ein Interview mit Venezuelas Oppositionsführerin María Corina Machado:  »Ich habe an 14 verschiedenen Orten gewohnt, völlig allein, komplett isoliert«

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

At a glance

Topic
Politics
Country
🇩🇪 DE
Publisher language
DE
Added to Allnira