Der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat Medienberichten zufolge seinen ranghöchsten Strategen entlassen. Der im Generalstab für Planungs- und Politikfragen zuständige Generalleutnant Brett Sylvia sei in dieser Woche überraschend von seinem Posten abberufen worden, berichtet das US-Magazin »The Atlantic« . Ein Nachfolger für Sylvia sei vorerst nicht bestimmt worden.

Ein Pentagon-Beamter sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass gegen Sylvia ermittelt werde, weil er unter anderem geheime Informationen über den Irankrieg und den Ukrainekrieg weitergegeben haben soll. Er sei wegen schwerwiegenden Fehlverhaltens entlassen worden.

Zuvor hatten bereits die US-Medien CBS und Fox News berichtet, dass der Generalleutnant entlassen worden sei, weil er Geheiminformationen durchgestochen haben soll. CBS berief sich dabei auf einen Pentagon-Beamten, demzufolge Sylvia drei Lügendetektortests zu der Frage nicht bestanden haben soll, ob er geheime Informationen an Medien weitergegeben habe.

Ein Sprecher des Generalstabs veröffentlichte zunächst eine Erklärung, die offenbar Sylvias Ausscheiden bestätigte. Der Sprecher zog diese später jedoch zurück und erklärte: »Nach weiterer Prüfung haben wir festgestellt, dass die Erklärung die Umstände nicht angemessen in ihrer Gesamtheit widerspiegelt.«

Pentagon-Sprecher Sean Parnell erklärte daraufhin bei X, das US-Verteidigungsministerium verfolge »eine Nulltoleranzpolitik gegenüber der absichtlichen, unautorisierten Offenlegung von Verschlusssachen«. Das Pentagon habe »notwendige Personalmaßnahmen« ergriffen, »um sensible Informationen zu schützen«.

Parnell nannte Sylvia nicht namentlich. Er fügte hinzu, »weitere Kommentare zu der betroffenen Person oder den Umständen dieser Maßnahme wird es nicht geben«.

Spekulationen über neue Angriffe nach den Midterms

Sylvias Abgang überrascht, weil derzeit über einen möglichen neuen US-Angriff auf Iran spekuliert wird. US-Präsident Donald Trump hatte am vergangenen Freitag unter Bezug auf den Namen des im Februar begonnenen US-israelischen Einsatzes gesagt, Washington könnte »einen weiteren kleinen Epischen Zorn machen«.

Angaben zu einem möglichen Zeitpunkt für neue Angriffe machte Trump nicht. Es wird aber spekuliert, dass sie frühestens nach den Midterms am 3. November starten. Seit Anfang September haben weder die US-Armee noch die iranische Seite größere Angriffe auf Landziele ausgeführt. Im Fokus standen zuletzt Angriffe auf Handelsschiffe.

Verteidigungsminister Pete Hegseth hat seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 im Auftrag von Präsident Trump zahlreiche ranghohe Militärvertreter ausgetauscht. Ende September gab der Republikaner vor der Militärspitze an, er habe die Zahl der ranghöchsten Offiziere und der Planstellen »um 20 Prozent« verringert – das wäre doppelt so viel wie bisher angekündigt.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

At a glance

Topic
World
Country
🇩🇪 DE
Publisher language
DE
Added to Allnira