Bei der US-Präsidentschaftswahl vor fast zwei Jahren stimmten noch zahlreiche Latinos für Donald Trump. Doch vor den Kongresswahlen am 3. November wenden sich viele Menschen mit lateinamerikanischen Wurzeln von dem 80-Jährigen und seiner republikanischen Partei ab. Ein Hauptgrund sind die Massenabschiebungen.

»Ich bin traurig und enttäuscht«, sagt Maria Fernanda Perez, die aus Venezuela in die USA eingewandert ist und in der Stadt Doral im Bundesstaat Florida ein Restaurant betreibt – in Laufweite eines Trump-Golfclubs. »Ich hatte geglaubt, die Wirtschaft würde sich verbessern«, erklärt die 32-Jährige, die dem Immobilienmogul im November 2024 noch ihre Stimme gegeben hatte.

Doch die Realität sei ernüchternd, berichtet sie. Drei ihrer Beschäftigten kämen aus Angst vor einer Abschiebung nicht mehr zur Arbeit. Ihr Umsatz sei um 40 Prozent eingebrochen, weil die Menschen nicht mehr ausgingen. »Meine ganze Familie, alle meine Freunde haben laufende Einwanderungsverfahren, und sie arbeiten nicht mehr, sie gehen ihrem Alltag nicht mehr nach«, sagt Perez.

Kongress: Drei von vier wollen, dass die Demokraten übernehmen

Die Restaurantchefin ist kein Einzelfall: Eine Umfrage der »New York Times« und des Siena College  ergab, dass 66 Prozent der hispanischen Befragten Trumps Amtsführung kritisch sehen. Rund 78 Prozent würden es vorziehen, wenn die Demokraten die Kontrolle über den Kongress von den Republikanern übernähmen.

Vor allem durch Trumps Abschiebeoffensive fühlen sich viele Latinos getäuscht. Er hatte im Wahlkampf Maßnahmen gegen »Mörder« und »Vergewaltiger« angekündigt. Doch nun werden täglich mehr als tausend Menschen in Abschiebehaft genommen.

Zudem häufen sich Schreckensmeldungen über die Einwanderungsbehörde ICE. Anfang Oktober schossen ICE-Mitarbeiter in New York einen Mann aus der Dominikanischen Republik in seinem Auto an, während sein fünfjähriger Sohn auf dem Rücksitz zusehen musste. Im Juli erschossen ICE-Beamte einen Mexikaner und einen Kolumbianer in ihren Autos.

»Es herrscht Unsicherheit, es herrscht Angst«

Der Anwalt Carlos Bermudez erhält täglich Anrufe von verzweifelten Menschen, die Einwanderungsverfahren durchlaufen. »Sie gehen nicht mehr raus, sie können nicht zur Arbeit gehen. Es ist ein ständiger psychischer Druck«, berichtet der 47-Jährige.

Bermudez bezeichnet sich selbst als Republikaner. Er komme »aus einem Land, in dem der Kommunismus, der Sozialismus Fuß gefasst hat«, sagt der gebürtige Venezolaner. Diese Ideologien verurteile er. »Aber ich bin nicht einverstanden mit dem, was der extreme Flügel der Partei derzeit tut«, sagt er über Trump und seine Gefolgsleute.

Auch der Vize-Bürgermeister von Doral, der Stadt im Bundesstaat Florida, ist Republikaner. »Es herrscht Unsicherheit, es herrscht Angst«, klagt Rafael Pineyro. Trumps Politik drohe die Zustimmung zunichtemachen, die die Partei in den vergangenen Jahren bei kubanischen, venezolanischen und anderen Latinowählern in Florida gewonnen habe. Besonders in der Wirtschafts- und Einwanderungspolitik habe es »schlechte Entscheidungen« gegeben, sagt Pineyro, ohne Trump namentlich zu nennen.

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Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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