Zuletzt hatten die USA diplomatische Fortschritte im Krieg mit Iran signalisiert. Doch nun hat das US-Militär laut Medienberichten einen Tag vor den Kongresswahlen die iranische Insel Qeschm angegriffen. Das »Wall Street Journal« berichtete unter Berufung auf namentlich nicht genannte US-Regierungsvertreter, dass dem Angriff am Montag auf die größte Insel in der Straße von Hormus bereits mehrere begrenzte Attacken vorausgegangen seien. Diese habe Washington in den vergangenen Wochen heimlich gegen Iran ausgeführt.
Ein US-Regierungsvertreter hat die Militärschläge gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters bestätigt. Es handle sich um begrenzte Angriffe und nicht um die Wiederaufnahme größerer Kampfhandlungen, sagte er. Ein weiterer Insider sagte, es habe sich um Abwehrmaßnahmen gegen den Einsatz von Boden-Luft-Raketen auf US-Ziele gehandelt. Der Sender Fox News berichtete, die Angriffe seien eine Reaktion auf den Beschuss eines US-Flugzeugs durch Iran.
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Qeschm liegt in der Straße von Hormus. Die Meerenge steht im Mittelpunkt des Konflikts zwischen den USA und Iran. Sie ist enorm wichtig für den weltweiten Handel mit Öl und Gas. Seit dem Beginn des Irankrieges Ende Februar hat Teheran die Straße von Hormus weitgehend blockiert und greift dort regelmäßig Schiffe an. Die USA verhängten im Gegenzug eine Seeblockade iranischer Häfen.
Heimliche Angriffe über Wochen
Die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna meldete, dass auf der Insel fünf Explosionen kurz hintereinander zu hören gewesen seien. Einige Bewohner berichteten zudem, zwei Flugzeuge am Himmel gesehen zu haben.
Dem »Wall Street Journal« zufolge führen die USA bereits seit einigen Wochen Angriffe in kleinerem Umfang gegen Iran aus. Einige Regierungsvertreter bezeichneten die Aktionen demnach als defensiv; sie dienten dazu, Iran daran zu hindern, weiterhin ungehindert Handelsschiffe in der Straße von Hormus anzugreifen. Wie die Zeitung weiter berichtete, haben die USA die Angriffe nicht öffentlich bekannt gegeben – wohl um nicht den Eindruck zu erwecken, wieder umfangreiche Kampfhandlungen aufnehmen zu wollen.
US-Präsident Donald Trump und Vizepräsident JD Vance gaben sich am Vorabend der Wahlen optimistisch, nach gut acht Monaten Krieg mit Iran ein baldiges Friedensabkommen erzielen zu können. »Es könnte passieren!«, schrieb Trump in seinem Onlinedienst Truth Social.
Trump gibt sich friedlich
Auf die Frage von Reportern, ob er einen Angriff auf Iran nach den Zwischenwahlen in Betracht ziehe, antwortete Trump zudem am Montag in Washington mit »Nein«. Er glaube zudem, dass Iran eine Einigung erzielen wolle und eine solche Vereinbarung auch »zustande kommen könnte«. Zugleich prahlte Trump, die Ölpreise fielen »wie ein Stein«.
Die Ölpreise, die durch die iranische De-Facto-Blockade der Straße von Hormus in die Höhe geschossen waren, sind am Montag um mehr als sieben Prozent gefallen. Grund dafür war der Optimismus hinsichtlich eines möglichen Endes des Konflikts.
Tatsächlich ist dieses Ende alles andere als gewiss. Auch Großbritannien meldete einen neuen Angriff in der Straße von Hormus. Ein Schiff sei in der Meerenge von »einem unbekannten Geschoss« getroffen worden, teilte die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO am Montagabend mit. Der Vorfall ereignete sich demnach tags zuvor vor der Küste der omanischen Hafenstadt Lima.
Der Einschlag habe ein Loch in die Steuerbordseite gerissen, erklärte die Behörde unter Berufung auf den Kapitän weiter. Die Besatzung wurde demnach in Sicherheit gebracht, Umweltschäden seien nicht gemeldet worden.
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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