Steve Wittkoff und Kirill Dmitriev

Nach Gesprächen in Oslo US-Vermittler Witkoff berät mit Putin über Ukraine

Stand: 21.10.2026 • 11:37 Uhr

Nach Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj in Oslo ist US-Unterhändler Witkoff zu Verhandlungen mit der russischen Führung in St. Petersburg zusammengekommen. US-Präsident Trump hatte Selenskyj zuvor zu einem "Deal" aufgefordert.

Der US-Sondergesandte Steve Witkoff ist in St. Petersburg vom russischen Präsidenten Wladimir Putin zu Gesprächen über den Ukraine-Krieg empfangen worden. Basis sind Witkoffs Gespräche gestern in der norwegischen Hauptstadt Oslo, an denen der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sowie Vertreter von NATO und EU teilgenommen hatten.

US-Außenminister Marco Rubio bewertete das Treffen in Oslo zwar als "positiv", "Unerwartetes oder Überraschendes" sei dabei aber nicht herausgekommen. Nun werde Witkoff die Ideen "mit der russischen Seite teilen". "Dann werden wir sehen, ob wir Fortschritte machen können", so Rubio.

Basis für Dreier-Gespräche?

Zentrale Punkte der Beratungen in Oslo waren unter anderem Sicherheitsgarantien für die Ukraine, territoriale Fragen, Sanktionen sowie die europäische Sicherheit nach dem Krieg. Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre zeigte sich nach Abschluss des Treffens überzeugt, dass eine Basis geschaffen worden sei, um an einer Lösung für ein Kriegsende weiterzuarbeiten. Støre äußerte zudem die Hoffnung, Witkoff könne in Moskau den Weg für trilaterale Beratungen ebnen - mit den USA, Russland und der Ukraine an einem Tisch. Bislang hatte der Kreml direkte Verhandlungen mit der Ukraine aber stets abgelehnt - oder dafür Vorbedingungen genannt, die für die Ukraine unakzeptabel sind.

Trump auf Annäherungskurs zu Moskau

Trotz der neuen Versuche, eine diplomatische Lösung für Frieden in der Ukraine zu finden, ließen vor allem jüngste Äußerungen von US-Präsident Donald Trump erneute Zweifel aufkommen, wie stark der Rückhalt der USA für die Ukraine noch ist. Kurz nach den Gesprächen in Oslo behauptete Trump zum wiederholten Mal, Russland sei bereit zu einer Beendigung des Krieges. Er forderte Selenskyj auf, den Krieg mithilfe eines "Deals" zu beenden. Zudem behauptete Trump erneut, die USA hätten der Ukraine "viel gegeben", aber "absolut nichts zurückbekommen".

Erst vor knapp anderthalb Wochen hatte Trump verkündet, Russland werde den USA Hunderttausende Tonnen Diesel liefern. Wenige Tage später setzte der US-Präsident ein erst kürzlich verabschiedetes Sanktionspaket gegen Russland wieder aus - aus "nationalem Interesse".

Angesichts der aktuellen Gespräche über ein mögliches Ende des Ukraine-Krieges und Trumps jüngsten Äußerungen betonte Bundeskanzler Friedrich Merz, dass eine Kapitulation der Ukraine keine Option sei. Denn das käme einer "Kapitulation von uns allen" gleich. Deshalb werde man die Ukraine im eigenen Interesse weiter unterstützen.

Ukraine drängt auf Beteiligung an möglichem Gipfeltreffen

In der Ukraine stieß Trumps Vorgehen auf Unverständnis und scharfe Kritik. Der ukrainische Präsident Selenskyj warf den USA vor, damit in Kauf zu nehmen, dass Russland seinen Krieg ungehindert fortsetze. Immer wieder hatte Selenskyj des Weiteren fehlende Lieferungen von Rüstungsgütern beklagt. Vor allem an Abwehrraketen fehle es dem eigenen Militär. Zuletzt hatte die Ukraine zudem eine Drosselung der Satelliten-Kommunikationsdienste Starlink und Starshield beklagt, die eine wichtige Rolle bei der Abstimmung der ukrainischen Armee, dem Einsatz von Drohnen und deren Abwehr spielen.

Eine weitere Befürchtung der Ukraine: Dass über einen möglichen Frieden über ihren Kopf hinweg verhandelt werden könnte. Zuletzt wurden diese Befürchtungen von Berichten neu angefacht, Russland Präsident Wladimir Putin strebe am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) im November ein Treffen mit Trump und Chinas Staatchef Xi Jinping an. Der ukrainische Präsident Selenskyj drängte auf die Teilnahme an einem solchen möglichen Gipfeltreffen. Es dürfe keine Gespräche über die Ukraine ohne die Ukraine geben.

Ukraine und Russland melden neue Angriffe

Trotz der laufenden Vermittlungsbemühungen für ein Ende des Krieges, attackierte das russische Militär in der Nacht mehrere Regionen in der Ukraine. Der ukrainische Ministerpräsident Serhij Korezkyj teilte bei Telegram mit, durch die Angriffe seien mindestens vier Menschen getötet worden. Zwei Menschen starben demnach beim Einschlag einer Drohne in ein mehrstöckiges Gebäude in der Hauptstadt Kiew, zwei weitere in der nordöstlichen Region Charkiw.

Russland habe seit Dienstagabend "unaufhörlich" Energieanlagen, Bahnanlagen, Einkaufszentren und Wohngebäude angegriffen, so Korezkyj. Betroffen waren demnach die Regionen Kiew, Wolhynien, Odessa und Mykolajiw. Weitere Attacken zielten ukrainischen Behörden zufolge auf eine Universität in Krementschuk in der Region Poltawa ab. Dort wurden demnach mindestens zwei Menschen verletzt.

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte die Angriffe auf Poltawa und Kiew, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. In Poltawa sei ein Lager für Drohnen attackiert worden, in Kiew ein Umspannwerk, das den ukrainischen Verteidigungs- und Industriesektor sowie Logistikzentren mit Strom versorge.

Von russischer Seite wurden wiederum Drohnenangriffe Russland auf die Region Leningrad gemeldet. Das teilte Regionalgouverneur Alexander Drosdenko mit. Die Region im Nordwesten Russlands umschließt die Stadt St. Petersburg, wo das Treffen zwischen Putin und Witkoff stattfinden soll. Auch die Region Brjansk wurde Angaben des dortigen Regionalgouverneurs Jegor Kowaltschuk Ziel von Drohnenangriffen. Er sprach bei Telegram von mindestens einem Todesopfer und zwei Verletzten.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben der Konfliktparteien oder von Beobachtern zum Kriegsgeschehen können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Source: Tagesschau · tagesschau.de

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