Nach einem tödlichen Schuss eines Soldaten der US-Nationalgarde auf einen 20-Jährigen in Memphis sind Aufnahmen von Bodycams veröffentlicht worden. Sie zeigen, wie mehrere Nationalgardisten ihre Pistolen auf den am Boden liegenden Mann richten – obwohl dieser bereits im Sterben liegt.
Die Aufnahmen wurden am Montag von der Staatsanwaltschaft des Bezirks Shelby County veröffentlicht , zusammen mit den Videos von stationären Überwachungskameras und dem Mobiltelefon eines Augenzeugen. Der Vorfall ereignete sich am 5. Juli in Memphis im Bundesstaat Tennessee.
Das Opfer, Tyrin Johnson, war nach Angaben der Ermittler bewaffnet. Er starb noch am Tatort. Ein von seiner Familie in Auftrag gegebener Autopsiebericht kommt zu dem Ergebnis, dass Johnson in den Rücken getroffen wurde. Das widerspricht den Darstellungen von Polizei und Nationalgarde, wonach der 20-Jährige den Soldaten mit einer Waffe gegenübergestanden habe, als diese das Feuer eröffneten.
Mindestens sechs Mitglieder der Nationalgarde waren unmittelbar nach den Schüssen vor Ort
Die nun veröffentlichten Videos zeigen weder die erste Begegnung zwischen Johnson und den Soldaten noch den Moment der Schüsse. Auf den Aufnahmen einer Polizeikamera ist zu sehen, wie Nationalgardisten ihre Pistolen auf den auf dem Gehweg liegenden Mann richten. Sie rufen »Hände!« und »Dreh dich um!«. Ein Polizist fordert einen Krankenwagen an und fragt die Soldaten anschließend: »Habt ihr ein medizinisches Set oder irgendetwas?« Mindestens sechs Mitglieder der Nationalgarde waren unmittelbar nach den Schüssen vor Ort. Einer der Soldaten ist zu sehen, wie er eine am Boden liegende Pistole bewegt. Erst ein Polizist fordert ihn auf, die Waffe liegen zu lassen.
Nach Angaben der Behörden waren die Soldaten gemeinsam mit der örtlichen Polizei gegen vier Uhr morgens wegen gemeldeter Schüsse ausgerückt. Sie verfolgten einen bewaffneten Mann, der zu Fuß geflüchtet war.
Die Nationalgardisten gehörten einer bundesweiten Einsatzgruppe an, die US-Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr eingerichtet hatte. Trump hatte Soldaten und Bundesbeamte in mehrere von Demokraten regierte Städte entsandt, die er als »von Kriminalität überrannt« bezeichnete.
Der zuständige Bezirksstaatsanwalt erklärte, er habe noch nicht entschieden, ob Anklage im Zusammenhang mit Johnsons Tod erhoben werde. Der Anwalt der Familie mahnte, die Ermittlungen müssten sich auf den Moment konzentrieren, in dem der Soldat den tödlichen Schuss abgegeben habe, und darauf, ob sein Handeln gerechtfertigt gewesen sei. Die jetzt veröffentlichten Aufnahmen zeigten diesen entscheidenden Moment nicht.
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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