Die US-Behörden haben vor einer anhaltenden Cyberbedrohung für industrielle Kühlsysteme gewarnt. Unbekannte Hacker hätten es auf Schwachstellen ​in mit dem Internet verbundenen Temperaturreglern von Lebensmitteleinzelhändlern und Kühlhäusern abgesehen, hieß es in einer ‌am Donnerstag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung der Bundespolizei FBI, der Cybersicherheitsbehörde CISA sowie der Ministerien für Gesundheit, Verkehr und Landwirtschaft. Jedes Unternehmen mit solchen Systemen müsse davon ausgehen, ins Fadenkreuz der Angreifer zu geraten, erklärte der amtierende CISA-Direktor für Cybersicherheit, ​Chris Butera.

Gelinge den Tätern der Zugriff, könnten sie die Temperatur verändern, hieß es ⁠in der ⁠Mitteilung weiter. Dadurch drohten Brände, verdorbene Waren und eine kürzere Lebensdauer der Anlagen. Diese Systeme würden weltweit in verschiedenen Sektoren der kritischen Infrastruktur angegriffen, ‌erklärte der FBI-Direktor für Cyber-Operationen, Brett Leatherman. Die Behörden ​riefen die ‌Betreiber dazu auf, ihre Steuerungssysteme vom öffentlichen Internet zu trennen, sie von den Unternehmensnetzwerken zu isolieren und umgehend Softwareupdates zu installieren.

Drei Angriffswellen

Der Warnung ging eine Reihe von Cyberattacken auf gewerbliche Kühlanlagen in den ‌USA und Europa voraus. In den vergangenen Monaten gab es mindestens drei solcher Wellen. Ermittler des US-Verteidigungsministeriums prüfen etwa, ob eine Serie ‌ungeklärter Störungen im August ​an Kühlgeräten in Supermärkten auf ‌US-Militärstützpunkten auf einen Cyberangriff zurückgeht.

Die EU-Kommission hatte am Dienstag zwei Krisentreffen einberufen. Dabei ging es primär darum, Informationen auszutauschen und das weitere Vorgehen abzustimmen, wie ein Sprecher der Kommission in Brüssel sagte. An den Runden nahmen demnach unter anderem die EU-Cybersicherheitsagentur Enisa, die Polizeibehörde Europol und die zuständigen Experten der Kommission teil.

Auch das europäische Netzwerk für Cyberkrisen sei aktiviert worden. Dort habe die EU-Kommission sich mit Vertretern der Mitgliedstaaten und nationalen Behörden ausgetauscht. EU-Agrarkommissar Christophe Hansen sprach von einem gezielten Versuch, die Lebensmittelversorgung zu stören und das Vertrauen der Verbraucher zu untergraben. Die Versorgungssicherheit sei derzeit aber nicht gefährdet.

Im Oktober verursachte eine groß angelegte Attacke auf französische Kühlanlagen Schäden in zweistelliger Millionenhöhe. Am Montag ​waren zudem mehr als ⁠100 Geschäfte in ganz Europa von ​einem ​weiteren Vorfall betroffen.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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