Dürre, Überschwemmung, Hitze: Der aktuelle El Niño droht sämtliche Skalen zu sprengen. Fachleute rechnen mit einem Schock für die Weltwirtschaft.

21.10.2026, 16.48 Uhr

Überschwemmung in Indonesien Mitte Oktober: Das Wetterphänomen macht Extremwetter wahrscheinlicher Überschwemmung in Indonesien Mitte Oktober: Das Wetterphänomen macht Extremwetter wahrscheinlicher

Überschwemmung in Indonesien Mitte Oktober: Das Wetterphänomen macht Extremwetter wahrscheinlicher

Foto: Ulet Ifansasti / Getty Images

Die Welt muss sich nach Uno-Angaben auf einen El Niño von beispielloser Stärke und womöglich verheerende Folgen einstellen. Die Wassertemperaturen im tropischen Pazifik seien in den vergangenen 40 Jahren noch nie so hoch gewesen, sagte die Generalsekretärin der Weltwetterorganisation (WMO), Celeste Saulo, in Genf. Damals hatten die systematischen Messungen begonnen.

El Niño ist ein wiederkehrendes Wetterphänomen, das alle paar Jahre auftritt und mehrere Monate lang anhält. Es verändert mächtige Meeresströmungen, die sich global auf das Wetter auswirken. In diesem Jahr begann die Saison besonders früh und heftig. Fachleute erwarten deshalb einen sogenannten Super-El-Niño, möglicherweise den stärksten seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen. Der Höhepunkt wird für den Herbst und Winter erwartet.

Generalsekretärin der Weltwetterorganisation (WMO), Celeste Saulo: »Wortwörtlich die Messskalen überschreiten«

Generalsekretärin der Weltwetterorganisation (WMO), Celeste Saulo: »Wortwörtlich die Messskalen überschreiten«

Foto: Martial Trezzini / EPA

Je nach Weltregion ist einerseits mit starken Dürren und andererseits heftigen Regenfällen und Überschwemmungen und besonders starker Hitze zu rechnen, sagte Saulo. Auf das Wetter in Europa hat El Niño nur indirekt Einfluss. Dennoch werden die Auswirkungen wahrscheinlich auch hierzulande spürbar sein, etwa durch steigende Preise bei Importen aus stärker betroffenen Ländern.

Schocks für Weltwirtschaft und Migrationsdruck

»Die Schäden werden nicht auf die Länder beschränkt bleiben, die unmittelbar von diesem El Niño betroffen sind«, warnte der Uno-Nothilfekoordinator Tom Fletcher. »Sie werden wirtschaftliche Schocks für die Weltwirtschaft auslösen und zu weiteren Konflikten, Vertreibungen und Migration führen.«

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Laut Modellrechnungen könnte die Meerestemperatur im Pazifik von November bis Januar 3,8 Grad Celsisus über dem langjährigen Mittel liegen, sagte WMO-Chefin Saulo. Die bislang höchste Abweichung habe bei etwa drei Grad gelegen. Saulo sprach von einer nie da gewesenen Intensität, der aktuelle El Niño könne »wortwörtlich die Messskalen überschreiten, die wir seit vier Jahrzehnten verwenden«. Zum Vergleich: Von einem El Niño wird bereits ab 0,5 Grad Celsius über normal gesprochen.

Dürren und Überschwemmungen

Nach Angaben der WMO drohen unter anderem in Ostafrika und Teilen Zentralamerikas Dürren. Dagegen müssen das südliche Afrika, Teile Südostasiens und der Nordwesten Nordamerikas sowie die westliche Seite Südamerikas mit heftigeren Regenfällen rechnen.

Saulo und Fletcher forderten dringend Vorbereitungen, damit den Betroffenen, die in vielen Weltregionen bereits durch Konflikte und Armut schwer getroffen sind, schnell geholfen werden kann. Staaten, Entwicklungsbanken und internationale Finanzinstitute könnten etwa bereits jetzt Gelder freigeben. »Wir können El Niño nicht verhindern«, sagte Fletcher. »Aber wir können die vor uns liegenden Herausforderungen ernst nehmen.«

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koe/dpa/AFP

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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