Zu welcher Uhrzeit schauen sich 40-Jährige den Film „Toy Story“ an? Welcher „Star Wars“-Film schneidet bei 30-Jährigen am besten ab? Künftig könnten auch gestreamte Serien und Filme aus dem Disney-Universum von der AGF-Videoforschung erfasst werden, die in Deutschland unter anderem die Einschaltquoten misst. Wie die AGF am Mittwoch in einer Pressemitteilung schrieb, prüfen beide Unternehmen, ob das Streamingportal Disney+ künftig in die Quoten einfließen kann. Ein konkreter Zeitpunkt steht demnach noch nicht fest.

Disney hält unter anderem die Rechte an Pixar-Filmen wie „Alles steht Kopf“ und Superhelden-Streifen mit den „Avengers“. Das Streamingportal sei „ein wichtiger Bestandteil des deutschen Bewegtbildmarkts“, sagt AGF-Chefin Kerstin Niederauer-Kopf. Die AGF will erreichen, dass neben linearem Fernsehen und Mediatheken deutscher Sender auch die Angebote der US-Streamingdienste mehr ins Gewicht fallen. Dafür hat die AGF vor gut einem Jahr auch Amazon Prime Video mit ins Boot geholt. YouTube lässt seine Clips schon seit knapp zehn Jahren analysieren. Netflix nimmt allerdings noch nicht aktiv an der Messung teil, wird aber per Smart Meter passiv ausgewiesen. Seit 2025 prüfen AGF und Netflix eine Integration.

Die Daten sind vor allem für die Werbebranche interessant, um gezielt Anzeigen auszuspielen. Denn die Streamingportale sehen zwar, wann ein Film geschaut wird. Doch die Zielgruppe bleibt den US-Konzernen ohne AGF-Daten anonym. An den TV-Daten der AGF kann man beispielsweise ablesen, für welche Disney-Filme sich Männer aus Nordrhein-Westfalen im Alter zwischen 20 und 29 am Freitagabend oft entscheiden – und darauf dann die Werbung abstimmen. Im Gegenzug kann die AGF einheitlich die Reichweite von Filmen und Serien bei Disney+ messen, ähnlich wie die Zuschauerzahlen der ARD-Krimireihe „Tatort“, die regelmäßig nach der Ausstrahlung veröffentlicht werden. Diese Zahlen bleiben ansonsten bei den US-Konzernen verborgen.

TV-Daten auch vom Notebook und Smartphone

Der Fokus auf das heimische TV-Programm war in den vergangenen Jahren immer wieder kritisiert worden. Senderchefs und Wissenschaftler bezeichneten das Erfassungssystem als überholt. Darauf hat die AGF reagiert und trackt nun auch Sehverhalten auf Handy und Notebook, überwiegend noch für Sendungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und der Privatsender. Lineare TV-Sender von Disney, wie der Disney Channel und National Geographic, werden schon jetzt erfasst.

Die AGF misst seit 1988 die Fernsehnutzung in Deutschland. Berücksichtigt werden dabei eigenen Angaben zufolge rund 280 Sender. Zu den Gesellschaftern der AGF gehören die öffentlich-rechtlichen Sender von ARD und ZDF und die großen Privatsendergruppen RTL und ProSiebenSat.1. Das sogenannte AGF-Panel erhebt das TV- und Streamingverhalten in 5400 Haushalten mit rund 11.000 Personen.

(mho)

Source: Heise · Jörg Breithut

At a glance

Topic
Technology
Country
🇩🇪 DE
Publisher language
DE
Added to Allnira