»Als ich Jugger das erste Mal gesehen habe, dachte ich nur: Woaaaah! Es sah so cool aus, wie die Spieler mit den Stäben gefochten haben. Ich wusste damals noch gar nicht, was das alles soll, weil ich bloß einen Freund zum Training begleitet hatte. Aber mir war gleich klar: Ich will das auch spielen.
Das war vor sechs Jahren. Seitdem bin ich im VfL Rethwisch. Rethwisch ist ein Dorf in Schleswig-Holstein. Da wohne ich mit meiner Familie.
Der VfL hat drei Jugger-Teams: eins für 8- bis 14-Jährige, eins für 14- bis 18-Jährige und eins für Erwachsene. Ich spiele noch in der Kindermannschaft, komme aber bald ins ältere Team. Mit der Kindermannschaft haben wir in den vergangenen Jahren viel gewonnen: Wir sind dreimal deutscher Meister geworden.
Jugger sieht kompliziert aus, aber die Regeln sind ganz einfach. Das Ziel ist es, den Jugg in das Mal zu stecken. Der Jugg ist der Spielball. Er ist länglich und besteht aus Schaumstoff. Das Mal ist ein Behälter, in den der Jugg genau reinpasst. Ein Jugger-Team besteht aus fünf Spielern: einem Läufer und vier Pompfern. Nur die Läufer dürfen den Jugg tragen. Die Pompfer schützen die Läufer dabei und machen ihnen mit ihren Pompfen den Weg frei.
Während einer Runde geht es hektisch zu, aber dahinter steckt Taktik. Wer getroffen wurde, muss sich hinknien und einige Sekunden lang aussetzen.
Foto: Maria Feck / DEIN SPIEGELPompfen sind so etwas wie Polsterwaffen. Mit denen versucht man, die Gegner irgendwo am Körper zu treffen. Nur Schläge auf den Kopf oder auf die Hände sind verboten. Wenn man getroffen wurde, muss man sich hinknien und einige Sekunden aussetzen. Erst danach darf man wieder mitmachen.
Am Anfang jeder Runde stehen beide Teams an ihren Grundlinien. Der Jugg liegt genau in der Mitte des Spielfelds. Auf das Kommando »3 – 2 – 1 – Jugger!« rennen beide Teams los. Die Läufer versuchen, sich den Jugg zu schnappen und zum Mal zu kommen. Die Pompfer kämpfen gegeneinander und versuchen, die Läufer zu treffen.
Eine Runde endet, wenn der Jugg ins Mal gesteckt worden ist. Manchmal ist nach wenigen Sekunden alles vorbei. Und manchmal ist alles so festgefahren, dass der Schiedsrichter die Runde auflösen muss. Das Spiel endet, wenn ein Team zehn Runden gewonnen hat.
Marie hat sich den Jugg geschnappt und ihn ins Mal des gegnerischen Teams gesteckt. Die Runde ist damit gewonnen, die Partie aber noch nicht.
Foto: Maria Feck / DEIN SPIEGELVon den Pompfen gibt es verschiedene Arten, zum Beispiel die Langpompfe, die Kette oder den Stab. Ich spiele am liebsten den Schild mit der Kurzpompfe. Ich kann mich schnell hinter den Schild ducken, weil ich klein und beweglich bin. Die Kette macht mir auch Spaß. Man muss sie aber die ganze Zeit schwingen, davon bekomme ich immer Muskelkater.
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Die Kette ist die stärkste Pompfe von allen. Sie hat die größte Reichweite, und wenn man von ihr getroffen wird, muss man etwas länger knien als bei allen anderen Pompfen. Deswegen ist pro Team nur eine Kette erlaubt.
Ich bin in meinem Team die Schnellste. Daher spiele ich meistens nicht als Pompfer, sondern als Läuferin. Ich habe verschiedene Taktiken. Wenn ich schneller als der gegnerische Läufer bin, versuche ich, direkt den Jugg zu schnappen und einfach in der Mitte durchzurennen. Die Pompfer dort passen oft nicht auf.
Der VFL Rethwisch hat ein Jugend- und ein Kinderteam.
Foto: Maria Feck / DEIN SPIEGELNach jeder Runde kann man seine Position oder seine Pompfe tauschen. Man muss sich nicht festlegen. Unser Trainer Liam will aber, dass wir unsere beste Pompfe spielen, vor allem gegen stärkere Gegner. Ich kann das verstehen: Ein Stürmer stellt sich ja auch nicht auf einmal ins Tor.
Beim VfL Rethwisch trainieren wir zweimal die Woche. Im Jugger gibt es keine Ligen, sondern nur Turniere. Sie finden in ganz Deutschland statt. Wir nehmen so an fünf bis sieben Turnieren im Jahr teil.
Im Frühling habe ich mir bei einem Turnier in Berlin das Schlüsselbein gebrochen. Die Kette vom Gegnerteam hat sich um meine Beine gewickelt. Der Junge, der sie gespielt hat, hat daran gezogen – und ich bin voll auf meine Schulter geflogen. Danach war ich acht Wochen raus. Das ging gar nicht! Ich habe viele Hobbys: Jugger, Reiten, Triathlon, Klavierspielen. Als ich verletzt war, konnte ich nichts davon machen.
Zum Glück bin ich kurz vor der deutschen Meisterschaft wieder fit geworden. Die fand auch in Berlin statt. Wir haben klar gewonnen. Die meisten Spiele gingen 10:0 für uns aus. Ich glaube, wir sind so gut, weil wir schon so lange zusammenspielen. Und weil wir den Sport so richtig feiern.
Bald steige ich in die Jugendmannschaft auf. Ich freue mich total darauf. Viele meiner Freunde und mein Bruder Jonas spielen dort. Ich werde mich erst beweisen müssen. Gerade die Jungs in dieser Altersklasse sind viel größer und kräftiger. Aber ich glaube, ich kann mir irgendwann einen Stammplatz erspielen.«
Liebe Eltern,
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Source: Der Spiegel · Pelle Kohrs
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