Der italienische Filmregisseur Tinto Brass ist tot. Er starb im Alter von 93 Jahren in Rom, wie die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf seine Familie meldete. Brass ist unter anderem für seine Erotikfilme bekannt, deren Veröffentlichung von Skandalen und Eingriffen in den Schnitt begleitet wurden. Sein Film »Der Schrei« lief 1970 bei der Berlinale, in deren Jury er 1972 saß. Weitere bekannte Filme waren »Salon Kitty« (1976) und »Caligula« (1979).
Geboren wurde Brass am 26. März 1933 als Giovanni Brass in der norditalienischen Metropole Mailand. Sein Spitzname Tinto geht auf den venezianischen Maler Jacopo Tintoretto (1518 bis 1594) zurück, den ihm sein Großvater Italico Brass, selbst ein angesehener Maler, gab. Er widmete sich früh dem Film und studierte und arbeitete Ende der Fünfzigerjahre an der Cinémathèque française in Paris.
Sein Debüt »Wer arbeitet, ist verloren« (1964) lief bei den Filmfestspielen in Venedig. Dort gewann er für »La Vacanza« mit Franco Nero und Vanessa Redgrave 1971 den Preis der Filmkritik. »Salon Kitty« mit Helmut Berger und Ingrid Thulin handelte von einem geheimnisumwitterten Nazi-Bordell. Später wurden seine Filme zunehmend erotischer, wie etwa »Paprika – Ein Leben für die Liebe« (1991), »Eine unmoralische Frau« (1992) und »Frivole Lola« (1998).
Insbesondere »Caligula« gilt als Skandalfilm. Das Epos mit Malcolm McDowell, Helen Mirren, Peter O'Toole basiert auf einem Buch von Gore Vidal. Finanziert wurde der Film vom Erotikmagazin »Penthouse«. Die Produzenten um Magazingründer Bob Guccione schlossen Regisseur Tinto Brass vom Filmschnitt aus, fügten Hardcore-Pornoszenen ein.
»Ich habe viele erotische Filme gedreht, weil ich Erotik für einen grundlegenden Schlüssel zum menschlichen Ausdruck hielt und vor allem für den Schlüssel, um Frauen zu erzählen«, zitierte ihn die Tageszeitung »La Repubblica«.
1995 sorgte Brass für Aufsehen, als er bei den Festspielen in Venedig mit mehreren nackten Schauspielerinnen auftrat, um für einen seiner Filme zu werben. Mit seinem Auftritt befasste sich im Anschluss sogar Italiens Oberstes Gericht. Dabei ging es darum, ob Sex für Werbezwecke eingesetzt werden darf.
Noch in diesem September hatten ihm die Filmfestspiele in Venedig eine Hommage gewidmet und seinen Film »Ich bin wie ich bin« (1967) gezeigt. Brass hatte jedoch aufgrund seines angeschlagenen Gesundheitszustands nicht an der Vorführung teilnehmen können. Bis zu seinem Tod lebte er mit seiner Ehefrau Caterina Varzi zusammen. Zuvor war er bis zu deren Tod mit Carla Cipriani verheiratet.
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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