1. Tesla stellt Cybertruck-Produktion in Texas ein

Der Cybertruck, Teslas erfolgloses Ungetüm eines elektrischen Pick-up-Trucks, soll ab Mitte nächsten Jahres nicht mehr im Werk in Austin, Texas, gebaut werden. Das kündigte Tesla-CEO Elon Musk in einem Beitrag auf seinem Social-Media-Portal X an. Die frei werdenden Kapazitäten der Fabrik will Tesla künftig für die Produktion weiterer zweisitziger Cybercab-Robotaxis nutzen.

Flop

Die Entscheidung, die Produktion des edelstählernen Elektrofahrzeugs in Texas einzustellen, fällt damit nur drei Jahre nach dem Verkauf des ersten Modells. Musk erhoffte sich von dem Fahrzeug weit mehr: Der Tesla-Chef prognostizierte 2023, dass der Fahrzeughersteller ab 2025 jährlich rund 250.000 Cybertrucks bauen würde. Statt eines Riesenerfolgs mit Rekordabsätzen hat Tesla in den vergangenen drei Jahren nur einige Zehntausend verkauft.

Konkrete Zahlen für den Absatz des Cybertrucks gibt Tesla nicht aus, stattdessen fasst das Unternehmen die mit dem Model S, Model X und dem Semi unter „Sonstige Modelle“ zusammen. Doch das spricht schon für sich, denn den Daten zufolge lieferte Tesla im dritten Quartal 2026 lediglich 8295 „Sonstige Modelle“ aus. Da die Produktion des Model S und des Model X seit April eingestellt ist, schätzt das US-Portal Electrek, dass 7000 bis 8000 dieser Fahrzeuge Cybertrucks sein könnten. Das wären damit grob 30.000 Cybertrucks pro Jahr – also eine Menge, die weit unter der derzeit möglichen Produktionskapazität von mehr als 125.000 Fahrzeugen liegt.

Noch schlechter fallen die Schätzungen von Cox Automotive für den US-Markt aus: Das Marktforschungsunternehmen beziffert die Cybertruck-Verkäufe im ersten Quartal 2026 auf 3519 und im zweiten Quartal auf 3744, nach 14.416 Modellen im dritten Quartal 2024. Im dritten Quartal 2026 kamen laut Cox 4323 Cybertrucks hinzu. Cox geht von einem gesamten Absatz seit 2023 von nur 70.000 Einheiten aus.

„Folgerichtig“

Das Werk in Austin gilt als die einzige Produktionsstätte, in der der Cybertruck gefertigt wird, und die über die notwendigen Anlagen für den Bau der Fahrzeuge verfügt. Musk hat sich zwar nicht dazu geäußert, ob die Produktion des Cybertrucks an einen anderen Standort verlegt werden soll. Dies wäre aber mit großem Aufwand verbunden, insbesondere bei einem Fahrzeug, das sich nie gut verkauft hat.

Die Einstellung der Produktion sei angesichts der schwachen Verkaufszahlen folgerichtig, sagte Andy Palmer, der frühere Chef des Sportwagenbauers Aston Martin, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Jeder vernünftige Autoliebhaber würde das Gleiche sagen“, ergänzte er. Für Teslas Bilanz würde das Aus des Cybertrucks „nur ein Rundungsfehler sein, aber die Zahlen sprechen für sich“, sagte er weiter.

Für die USA gebaut

Ein weiteres Problem für den Cybertruck war, dass er aufgrund seiner Konstruktionsweise nur auf wenigen Märkten verkauft werden konnte. Für den europäischen Markt ist er nicht konstruiert, wie Elon Musk 2024 sagte. Der Cybertruck sei an die Vorgaben in Nordamerika angepasst worden, betonte er damals. Die internationalen Anforderungen zu beachten, hätte zusätzliche Einschränkungen mit sich gebracht – „und das hätte das Produkt, ehrlich gesagt, schlechter gemacht“.

Eine reguläre Zulassung des Cybertruck für Deutschland ist in der US-Variante ausgeschlossen, denn eine EU-Typgenehmigung nach Verordnung (EU) 2018/858 hat der Cybertruck nicht. Als Knackpunkte gelten etwa die starre, kantige Edelstahlkarosserie mit Blick auf die UN-Regelung Nr. 26 zu Außenkanten und -vorsprüngen sowie der Fußgängerschutz nach UN-Regelung Nr. 127 und Verordnung (EU) 2019/2144. Außerdem fehlt dem Cybertruck der für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen vorgeschriebene Geschwindigkeitsbegrenzer.

Cybertruck in Berlin (12 Bilder)

Fast 5,7 Meter

Außenansicht des Cybertruck: Länge und vergleichsweise kleine Knautschzone werden gut sichtbar.
(Bild: Ben Schwan)

Derweil versucht ein Schweizer Unternehmen, den Cybertruck fit für Europa zu machen. Das Unternehmen will das Fahrzeug technisch so anpassen, dass es die Schweizer Zulassung erhält, und den Cybertruck ab 2027 als freier Importeur vermarkten. Ob diese Pläne nach dem angekündigten Produktions-Aus beibehalten werden, ist ungewiss.

(afl)

Source: Heise · Andreas Floemer

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