Tarifstreit der Metall- und Elektroindustrie IG Metall lehnt Angebot ab - Warnstreiks drohen
Stand: 27.10.2026 • 17:12 Uhr
Die Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie haben in der laufenden Tarifrunde ein erstes Angebot vorgelegt. Die IG Metall weist es als unzureichend zurück. Ab Sonntag sind Warnstreiks möglich.
Bei den regionalen Tarifverhandlungen für die gut 3,7 Millionen Beschäftigten der deutschen Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall ein erstes Angebot der Arbeitgeber abgelehnt.
"Dieses Angebot setzt zu spät ein, ist zu niedrig, die Laufzeit ist zu lang und es steckt wenig Zukunft drin. Es bleibt deutlich hinter den Erwartungen und Bedürfnissen der Beschäftigten zurück", erklärte der NRW-Bezirksleiter Knut Giesler. Man weise es "entschieden" zurück.
De facto ein Reallohnverlust?
Nach Ansicht der IG Metall gleicht das Angebot nicht einmal ansatzweise die aktuelle Preissteigerung aus. Statt die Kaufkraft der Beschäftigten zu stärken, würde es zu weiteren Reallohnverlusten führen, so der Vorwurf.
"Das Arbeitgeberangebot ist faktisch eine Minus-Runde und schwächt die wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich", so Giesler. Die Konjunktur könne nur über den Konsum belebt werden.
Damit zeichnen sich nach zwei Verhandlungsrunden Warnstreiks ab, die nach dem Ende der Friedenspflicht bereits ab diesem Sonntag (1. November) möglich sind. In Nordrhein-Westfalen soll darüber am Samstag die Tarifkommission entscheiden.
Ohne Annäherung gingen die Tarifparteien auch in Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg auseinander. "Die Arbeitgeber haben sich bewegt, allerdings in Trippelschritten", sagte Niedersachsens Bezirksleiter Thorsten Gröger. "Ab dem 1. November sind Warnstreiks unausweichlich", erklärte die IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.
Was die Arbeitgeber anbieten
Erstmals in der Tarifgeschichte hatten die Arbeitgeberverbände in fünf Tarifbezirken gleichzeitig ein abgestimmtes Angebot auf den Tisch gelegt. Es sieht nach acht Monaten Leerlauf für Juli 2027 eine Einmalzahlung von einem Prozent des Jahresbruttoentgelts sowie im Juli 2028 eine dauerhafte Tariferhöhung von 1,3 Prozent vor, wie der Dachverband Gesamtmetall mitteilte. Die Einmalzahlung entspreche in Baden-Württemberg etwa 700 Euro. Der Tarifvertrag soll eine Laufzeit bis Ende 2028 haben.
"Wir müssen die fortschreitende Deindustrialisierung und den inzwischen dramatischen Verlust von Arbeitsplätzen stoppen", sagte Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter. Der Verhandlungsführer von Südwestmetall, Peter Sebastian Krause, sprach von einem "fairen und sehr fein austarierten Vorschlag", der "in der größten Strukturkrise seit Gründung der Bundesrepublik eine Lohnerhöhung ermöglicht".
Mehr Ausnahmen für Betriebe in wirtschaftlicher Not?
Die Arbeitgeber knüpften ihr Angebot an Bedingungen: Neben der Ausweitung von Sonderregelungen für wirtschaftlich schwächere Betriebe fordern sie Gespräche über Maßnahmen gegen hohe Krankenstände und zur beschleunigten Einführung Künstlicher Intelligenz (KI).
Die Einmalzahlung soll dem Vorschlag zufolge bei Unternehmen ausgesetzt werden können, die kaum noch Geld verdienen. Die Arbeitgeber fordern eine Ausweitung der automatischen Differenzierung - ein Instrument, mit dem Unternehmen in wirtschaftlich schwieriger Lage bestimmte tarifliche Zahlungen verschieben oder ausfallen lassen können.
Nach Angaben von Südwestmetall müssten in Baden-Württemberg die knappe Hälfte (45 Prozent) der Betriebe nicht zahlen, weil sie derzeit Verluste machten oder unterhalb der Grenze verdienten.
Die Arbeitgeber wollen zudem eine neue Verhandlungsmöglichkeit auf betrieblicher Ebene einführen, wenn Investitionen, Innovationen, Standorte und Beschäftigung gesichert werden müssten. Für solche Verhandlungen wären dann die Betriebsräte und nicht mehr wie bislang die Gewerkschaft zuständig.
Gewerkschafter kritisieren Vorschläge
Gewerkschafter Gröger sagte, was als Notausgang für Betriebe in der Klemme heute möglich sei, wollten die Arbeitgeber zum Hauptportal machen. "Das höhlt den Flächentarifvertrag von innen aus."
Auch NRW-Bezirkschef Giesler kritisierte den Vorschlag: "Wer Leistung, Wandel und Zukunft einfordert, muss bereit sein, in die Menschen zu investieren, die diesen Wandel Tag für Tag tragen und sollte sie nicht zu Sündenböcken der aktuellen wirtschaftlichen Situation machen."
IG Metall fordert fünf Prozent
Die IG Metall hat für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld ab November bei einer deutlich kürzeren Laufzeit von zwölf Monaten verlangt. Zudem will sie Vereinbarungen zur Sicherung von Betrieben und Arbeitsplätzen treffen.
Der sehr unterschiedlichen Lage der Unternehmen will die Gewerkschaft durch tarifliche Zuschläge in gut laufenden Branchen Rechnung tragen. Darauf gingen die Arbeitgeber nicht ein.
Wie es weiter geht
Die Arbeitgeber legten ihre Offerte zum Auftakt der zweiten Verhandlungsrunde in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und im Norden vor. Die übrigen Tarifgebiete sollen folgen.
Am Mittwoch steht die zweite Verhandlungsrunde für die Metall- und Elektroindustrie in Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland sowie Thüringen an. Am Donnerstag geht es in Berlin und Brandenburg sowie Sachsen-Anhalt weiter. Das Tarifgebiet Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim ist am Freitag an der Reihe.
Source: Tagesschau · tagesschau.de
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