Admins, die die Mesh-VPN-Software von Tailscale einsetzen, müssen zügig aktiv werden. Am Wochenende wurden Sicherheitslücken in den Komponenten bekannt, durch die Angreifer etwa ihre Rechte ausweiten und sich im Netzwerk einnisten können. Aktualisierte Software steht bereit.
Tailscale hat am Mittwoch eine Übersicht zu Befunden und Korrekturen für die „Tailworm“ genannten Schwachstellen veröffentlicht. Der Hersteller schreibt dort, dass die Entwickler- und Sicherheitsteams in den vergangenen Tagen Probleme angegangen sind, die dringender Aufmerksamkeit bedurften, den zugehörigen Code untersucht sowie Korrekturen entwickelt und getestet haben. Neben dem Schließen der einzelnen Lücken haben die Programmierer auch neue Sicherheitsleitplanken in die Architektur eingezogen, die vor den Angriffsarten bei ähnlich gelagerten Fehlern schützen sollen. Admins sollten zügig die Version 1.104.4 oder neuer von Tailscale herunterladen und installieren, das Unternehmen gibt an, darin die Sicherheitslecks geschlossen zu haben.
Tailscale-Besonderheiten
Basis von Tailscale ist das sogenannte „tailnet“, ein Mesh-VPN. Darin kommunizieren die verwalteten Geräte verschlüsselt Peer-to-Peer mit dem WireGuard-Protokoll. Geräte bleiben dadurch auch erreichbar, wenn sie das Netzwerk wechseln, etwa vom WLAN ins Mobilfunknetz. Tailscale SSH soll verschlüsselte Zugriffe ohne klassische Schlüsselverwaltung ermöglichen und bietet dazu Zugriffskontrollen (ACL), die Authentifizierung erledigt WireGuard. Das verdeutlicht die Tragweite der Sicherheitslücken – Angreifer können dadurch potenziell sensible Netzwerkbereiche kompromittieren.
Die SSH-Server, beispielsweise OpenSSH oder Tailscale SSH, benötigen erhöhte Rechte für bestimmte Aufgaben, etwa das Starten von Sitzungen der unterschiedlichen Unix-Benutzerkonten. Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine authentifizierte SSH-Session Operationen jenseits der Rechte des angemeldeten Nutzers ausführen, auch bei SSH-Forwarding. Die Rechteeinhaltung wurde nicht korrekt erzwungen. Dafür müssen bösartige Akteure jedoch bereits Zugriff auf ein autorisiertes Gerät im Tailnet erlangt haben, dem die Tailnet-Richtlinie SSH erlaubt – etwa durch andere Schwachstellen im Netz. Tailscale weist darauf hin, dass der Schwachstellenname „Tailworm“ eine wurmartige Weiterverbreitung impliziert. Die Beschreibung erfasst jedoch lediglich klassische laterale Weiterbewegung im Netzwerk. Laut „Tailworm“-Meldung betreffen fünf Schwachstellen die Komponenten Tailscale Serve und Funnel. Drei davon stellten sich als Bugs heraus, die Version 1.104.4 ausbessert. Zwei beschreiben jedoch erwartete Verhaltensweisen.
Die Schwachstellenmelderin von „Tailworm“ ist der Seite zufolge Erica Windisch. Sie hat dem Unternehmen nicht viel Zeit zur Fehlerkorrektur gegeben. Tailscale merkt an, dass am vergangenen Freitag Bedenken über Tailscale SSH in sozialen Medien auftauchten und der Forschungsbericht am Samstagmorgen bei dem Unternehmen eintraf. Die Entwickler untersuchten die Probleme bereits, als die „Tailworm“-Meldung zwei Stunden nach Eingang beim Unternehmen veröffentlicht wurde. Die „Tailworm“-Analyse umfasst auch eine Schwachstelle in dem App-Connector Conn25, der jedoch noch in der Entwicklung ist und gar nicht veröffentlicht wurde. Auf der Sicherheitsseite von Tailscale finden sich vier neue Sicherheitsmitteilungen (TS-2026-014 bis TS-2026-017) zu den verwundbaren Komponenten und den Schwachstellen darin. Admins sollten sie gegebenenfalls einmal lesen und die aktualisierte Software rasch installieren.
(dmk)
Source: Heise · Dirk Knop
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