Der ständig fortschreitende Bau von neuen Rechenzentren für Künstliche Intelligenz und der damit einhergehende Bedarf nach Halbleitern aller Art, insbesondere Arbeitsspeicher (DRAM), hat seit über einem Jahr zu einer Vervielfachung der Preise am Markt für Endkunden geführt. Die Chiphersteller eilen von einem Rekordgewinn zum anderen, und das soll auch mindestens im kommenden Jahr noch anhalten.

Als einer der Hauptverantwortlichen dafür gilt OpenAI mit seinem Mitgründer Sam Altman, der schon 2023 Chiphersteller und Investoren abklapperte, um sieben Billionen US-Dollar für 36 neue Rechenzentren einzusammeln. Das klappte nicht, und inzwischen kommt der Bau der Anlagen zunehmend ins Stocken. Die Speicherkrise jedoch nicht.

Dass sich manche Nutzer inzwischen auf lokale KI-Modelle, statt die Lösungen in der Cloud verlassen, trägt nach Altmans Meinung zur Verschärfung der Situation bei. Das sagte er in dieser Woche im Podcast „Cheeky Pint“, in dem der Mitbegründer des Zahlungsdienstleisters Stripe, John Collison, sich mit Größen aus der Finanz- und Tech-Branche unterhält. Altman kam darin nach einer Diskussion um hohe Chippreise von selbst auf lokale KI mit Open-Source-Modellen zu sprechen und sagte:

„Doch aus der Perspektive der globalen Ressourcenallokation ist es eigentlich ziemlich schrecklich, dass jeder einen Teil des weltweit begrenzten DRAM-Angebots in seinem eigenen Rechner stecken hat – wo es dann nur 5 Prozent der Zeit tatsächlich genutzt wird.“

Lesen Sie auch

Altmann: Chiphersteller trifft keine Schuld

Auch, dass es sich um einen normalen Effekt von Angebot und Nachfrage handle, bestritt der OpenAI-Mitbegründer. Die Rede ist dabei oft von der „unsichtbaren Hand des Marktes“, die Preise entsprechend austariert. Aber, so Altman, „die unsichtbare Hand versagt gerade“. Den Speicherherstellern macht er in dem Gespräch keinen Vorwurf, denn die würden zum ersten Mal so richtig Geld verdienen. Dass sie ihre Chipfabriken nicht so schnell ausbauen würden, wie sie dank der Einnahmen eigentlich könnten, hält er für verständlich, denn Speicherchips zu bauen sei bisher noch „nie ein langfristig tolles Geschäft“ gewesen.

In der Tat unterliegt der DRAM-Markt dem, was auch „Schweinezyklus“ (kein Altman-Zitat) genannt wird: Bei hoher Nachfrage wurden oft neue Fabriken gebaut, deren Ausstoß dann zu extrem günstigen Preisen verkauft werden musste, wenn die Nachfrage nachließ. Heute ist das jedoch anders, weil die Firmen sich von dem gewöhnlichen DDR5-Speicher für PCs und dem GDDR-DRAM für Grafikkarten auf Spezialbausteine wie HBM und LPDDR für Rechenzentren verlegt haben. Dazu kommt noch, dass beispielsweise LPDDR auch für mobile Geräte wie Smartphones, und DDR5 auch für Server benötigt wird – ein sich selbst verstärkender Regelkreis für die Preise von Geräten von Verbrauchern. Gleiches gilt für SSDs. In der Folge brach der PC-Markt im dritten Quartal 2026 massiv ein.

OpenAI-Roboter sollen noch mehr Rechenzentren bauen

Altman hält dennoch am Bau von immer mehr Rechenzentren fest. Dabei sind nicht nur die Chips knapp. Auch „Generatoren, Akkus, Zement, Stahl“ nannte er im Podcast als Dinge, die immer weiter im Preis steigen würden. Bei den Materialien kann sich OpenAI wohl kaum selbst helfen, aber nach Altmans Meinung beim Bau der Rechenzentren selbst. Dafür entwickelt das Unternehmen ihm zufolge eigene Roboter, die dann „sich selbst vervielfältigende Rechenzentren“ errichten sollen. Das sei „in Reichweite“, so Altmann.

(nie)

Source: Heise · Nico Ernst

At a glance

Topic
Technology
Country
🇩🇪 DE
Publisher language
DE
Added to Allnira