Wohnen auf einem alten Rittergut, gemeinsam mit 51 Menschen, jung und alt? Das klingt erst mal ungewöhnlich. Für Inka Engler und Brigitte Reich ist das Lebensrealität. Seit 25 Jahren wohnen die beiden Frauen auf dem Gut Jahnishausen in ihrem alternativen Wohnprojekt. Meine Kollegin Linn Bertelsmeier hat sie dort besucht .

Die Freundinnen Inka Engler (r.) und Brigitte Reich

Die Freundinnen Inka Engler (r.) und Brigitte Reich

Foto:

Stella Weiß / DER SPIEGEL

»Meine Mutter wurde 92. In den letzten zehn Jahren ihres Lebens starben ihre Freundinnen, und ich habe gesehen, wie einsam sie wurde. Das wollte ich für mich nicht. Ich wollte nicht alt werden, dann ganz alt und irgendwann ins Heim gehen. Ich wollte mit meinen Freunden zusammenleben«, sagt Engler, 85. Also schloss sie sich mit einigen anderen Frauen zusammen, gemeinsam kauften sie das alte Rittergut.

Die Burg war einst eines der kleinsten Schlösser Sachsens, an Gebäuden rund ums Anwesen musste einiges getan werden. Die Sanierung ist noch lange nicht fertig, doch die Arbeit am Gut ist eine der Sachen, die den Frauen so viel Freude bereiten.

Ein beachtliches Anwesen: Jahnishausen in Sachsen

Ein beachtliches Anwesen: Jahnishausen in Sachsen

Foto: Stella Weiß / DER SPIEGEL

»Es gibt in einer Gemeinschaft viel zu tun: Grünflächen pflegen, sich um die Photovoltaikanlage kümmern oder Gemeinschaftsräume sanieren. Aufgaben zu erledigen, die über das eigene Zimmer hinausgehen, hält jung«, sagt Engler.

Bis heute erwirbt jeder, der ins Gut zieht, Genossenschaftsanteile und darf mitentscheiden. Fast alle Wohnungen sind WGs. Engler sagt: »Dass jemand nebenan seinen eigenen Kram macht, vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit. Ich bin oft allein, aber nie einsam.«

Die Arbeit im Wohnprojekt und am Gut hält sie jung: Inka Engler

Die Arbeit im Wohnprojekt und am Gut hält sie jung: Inka Engler

Foto: Stella Weiß / DER SPIEGEL

Nicht alle in der Gemeinschaft seien Freunde für Engler, Brigitte Reich aber schon. »Ich habe mir als junge Frau geschworen, dass ich niemals heirate. Ich wollte nicht in einer Stadtrandsiedlung darauf warten, dass mein Mann nach Hause kommt. Und da bin ich mir treu geblieben«, sagt die 78-jährige Reich.

Deshalb wohnt sie in einer WG mit vier Frauen und kommt dabei zur Ruhe, wenn sie ihrer Freundin beim Unkrautjäten zuschaut. Lesen Sie die ganze Reportage hier. 

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Was diese Woche noch gut war – für die Welt:

Londons berühmte Oxford Street wird zur Fußgängerzone
Die Oxford Street in London soll ihren alten Glanz wiederfinden. Um den Bummel dort attraktiver zu machen, werden Autos, Busse, Taxen und Fahrräder verbannt. Erst mal auf einem Teilstück, später soll die Fußgängerzone verlängert werden. In der neuen Zone sollen laut BBC bis zum Frühjahr 2027 mehr als 50 Bäume eingepflanzt sowie Stühle und Bänke aufgestellt werden. So will die Stadt wieder mehr Besucher in die weltbekannte Shoppingmeile locken und Arbeitsplätze schaffen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Keine Busse, keine Autos, keine Taxen und keine Radfahrer: Die Oxford Street ist nun Fußgängerzone

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Foto: Justin Ng / Avalon / Avalon.red / IMAGO

Himmelsforscher – vom Wohnzimmer aus
Der ungarische Forscher Krisztián Sárneczky ist in der Astroszene eine lebende Legende. Zu Recht, denn er hat bereits zahlreiche kleinere Himmelskörper entdeckt, darunter auch mehrere Asteroiden im Anflug auf die Erde. Und nun ist er auf einen schwachen Lichtpunkt am Rand des von ihm beobachteten Bereichs gestoßen. Was dort am Himmel seine Bahnen zieht, haben die Forscher noch nicht herausgefunden. Die wahrscheinlichsten Theorien: ein bisher unbekannter Minimond der Erde – oder aber ein Stück jahrzehntealter Weltraumschrott. Das Beste an der Entdeckung? Sárneczky hat sie von seinem Wohnzimmer aus gemacht. Sein Teleskop am Piszkéstető-Observatorium steuert er von seiner Wohnung in Budapest. Lesen Sie die ganze Geschichte hier. 

E-Auto-Markt in Europa boomt
Weltweit kaufen die Menschen immer mehr Elektroautos. Und der entscheidende Wachstumstreiber ist Europa. Dort wurden seit Jahresbeginn 2,5 Millionen Elektroautos verkauft – ein Plus von 42 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Weltweit wurden in den ersten neun Monaten dieses Jahres rund elf Millionen E-Autos neu zugelassen: eine Rekordzahl, wie eine Analyse der wichtigsten Märkte durch das Beratungsunternehmen PwC zeigt. Die ganze Meldung lesen Sie hier.

Was gut ist – für Sie:

Sie müssen Ihre Kollegen nicht mögen …
… Sie müssen bloß mit ihnen viben. Das sagt der Organisationspsychologe Adam Grant im SPIEGEL-Interview. Man kann sich die Kollegen eben nur sehr selten aussuchen, verbringt viel Zeit mit ihnen und sollte am selben Strang ziehen. Letzteres sei der Weg zum Erfolg, sagt Grant. Man solle Kollegen als Verbündete sehen, die dasselbe Ziel vor Augen haben. Bei Freunden sei die emotionale Bindung wichtig, bei Kollegen die gemeinsame Vision. Wer sich das immer wieder vor Augen führt, geht entspannter durch den Arbeitsalltag. Was noch helfen kann? Sich im Team die Dinge zu verraten, die einen am meisten nerven. Dann können andere darauf besser Rücksicht nehmen. Hier lesen Sie das vollständige Interview. 

Mehr Geld für Eltern
Das Elterngeld in Deutschland soll erhöht werden, erstmals seit der Einführung 2007. Der Mindestsatz soll nach Plänen des Bundesfamilienministeriums von 300 auf 330 Euro steigen, der Höchstsatz von 1800 auf 1900 Euro. Beschlossen ist das zwar noch nicht endgültig, aber der Gesetzentwurf steht und die Bundesregierung ist sich einig, dass eine Reform des Elterngelds nötig ist. »Wir senden bewusst ein Zeichen an junge Familien: Wir unterstützen euch«, sagte Familienministerin Karin Prien (CDU). Lesen Sie die ganze Meldung hier.

Grund zur Freude für Eltern: Das Elterngeld soll steigen

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Foto: Vyacheslav Chistyakov / Westend61 / picture alliance

Frauenanteil in deutschen Vorständen wächst
Eine Studie der deutsch-schwedischen Allbright-Stiftung hat die Vorstände der 160 deutschen Unternehmen, die in den Börsenindizes Dax, MDax und SDax gelistet sind, untersucht. Nach zwei Jahren Stagnation ist der Frauenanteil in den Vorständen der Firmen um 0,9 Prozentpunkte auf 20,6 Prozent gestiegen, im Dax sogar um 2,8 Punkte auf 28,5 Prozent. Hielte der Dax das Tempo des vergangenen Jahres, wäre in acht Jahren Geschlechterparität erreicht. Eine Branche, die die Vielfalt in Vorstandsgremien noch bremst, ist die Autoindustrie. Doch die gute Nachricht: Über alle Branchen hinweg ist die Entwicklung positiv. Lesen Sie dazu hier mehr.

Und sonst?

Muss ich zugeben, dass ich zu den Jellycat-Konsumopfern dieser Welt gehöre. Zwar habe ich mir selbst noch keins dieser Kuscheltiere gekauft, sie aber bereits öfter verschenkt. Allerdings nicht an Kinder, sondern an erwachsene Freunde. Mit großer Erleichterung habe ich daher diese Woche den Beitrag von meiner Kollegin Anja Rützel über den Jellycat-Kaufrausch  von Erwachsenen gelesen.

Zur Erklärung: Jellycat produziert neben normalen Kuscheltieren wie Teddys auch die sogenannten Amuseables, auf niedlich gemachte Alltagsgegenstände in Plüsch. Es gibt ein Croissant-Kuscheltier, ein Saure-Gurken-Kuscheltier, ein Handschuhkuscheltier, sogar ein Kieselstein-Kuscheltier. Und wenn Sie skeptisch sind – vertrauen Sie mir, die kleinen Ärmchen, Beinchen und Kulleraugen, die Gurke, Handschuh und Co. von Jellycat verpasst bekommen, werden sämtliche Niedlichkeitsrezeptoren in Ihrem Hirn anknipsen.

Sauerteigbrot, Kaffeetasse, Parmesankäse und Baguette gehören zu den Jellycat-Amuseables

Sauerteigbrot, Kaffeetasse, Parmesankäse und Baguette gehören zu den Jellycat-Amuseables

Foto: Kobe Li / ZUMA Press / IMAGO

Als Erwachsener einen Kuscheltier-Teebeutel zu kaufen, ist schon im ersten Moment etwas peinlich. Eigentlich aber auch nicht, schreibt Anja: »Vielleicht sind Jellycats die konsequenteste Form des ›little treat‹, jener kleinen Konsumfreuden, mit denen man sich den Alltag ein wenig erträglicher macht.« Nur, dass das Jellycat-Croissant eben länger hält als ein verzehrbares Exemplar vom Bäcker bis nach Hause.

Wenn Sie wissen wollen, warum sogar Karl Marx die Jellycats interessant finden würde, lege ich Ihnen Anjas  Text ans Herz . Ich schließe derweil den Jellycat-Onlineshop schnell wieder, bevor ich mir noch die Amuseable-Erdnuss bestelle.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Und wenn Sie sich bisher nicht für unseren wöchentlichen Newsletter angemeldet haben, können Sie ihn hier gratis bestellen.

Herzliche Grüße

Ihre Charlotte Lüder, Redakteurin im Nachrichtenressort des SPIEGEL

Source: Der Spiegel · Charlotte Lüder

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