Kleinteilig wurden die Abhängigkeitsverhältnisse aufgezeigt und konsequent die Entmenschlichungsmechanismen nachgezeichnet, an der auch die Freier ihren Anteil haben, wenn sie sich in bestimmte Bereiche des Rotlichtmilieus begeben. In einer verstörenden Sequenz gaben Freier Auskunft, weshalb sie zu Prostituierten gehen. Einer sagte: »Selbst in der perfekten Welt gibt es immer Nutten, weil der Mensch vom Tier abstammt.«

In unserer Kritik schrieben wir: »Wie hier die Schicksale junger osteuropäischen Sexarbeiterinnen mit den komplexen Ermittlerinnenbiografien verknüpft werden, wühlt auf. Drehbuchautor Florian Oeller hatte bereits die vorletzte Rostocker ›Polizeiruf‹-Folge geschrieben; sein neuer Krimi (Regie: Franziska Schlotterer) ist extrem hart in der Ausleuchtung der Rotlichtszene, verbindet aber niemals spekulativ die dortige Gewalt mit den tragischen Schicksalen der Beamtinnen. Ein Problem bleibt: Die tadellos verknüpften Handlungsfäden kann in Gänze nur verstehen, wer alle Folgen der vergangenen Jahre gesehen und hat und erinnern kann. Ein Fest für Rostock-Aficionados, eine Herausforderung für alle anderen.«

Der Mordfall war am Ende dieses »Polizeirufs« geklärt, aber die Verstrickungen im Beamtenmilieu wurden nicht komplett aufgelöst. Sie werden also wohl auch in der nächsten Folgen, die erneut von Autor Oeller geschrieben wurde, eine Rolle spielen. Der Titel dieses bereits abgedrehten »Polizeirufs« lautet »Schwarzer Sommer«. Es geht darin um Anschlag, den eine linke Gruppierung auf einen Multimilliardär plant.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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