Die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern setzt im Kampf gegen Cyber- und Internetkriminelle auf eine Art digitale „Waffengleichheit“ mit den Tätern. Die Gegenseite arbeite völlig losgelöst von Gesetzen und Restriktionen und kümmere sich weder um Datenschutz noch um gesetzliche Vorgaben. „Um Waffengleichheit herzustellen, braucht die Polizei die besten Köpfe und die beste Technik“, sagte Neubrandenburgs Polizeipräsident Heiko Tesch der dpa. Die digitale Kompetenz müsse bei allen Polizeibeamten weiter ausgebaut werden. Und das werde auch gemacht.
Das große Thema bei den Ermittlungen sei der Umgang mit sogenannten Massendaten. Bewusst oder unbewusst werde eine Vielzahl digitaler Spuren hinterlassen. „Ein Tatort ist längst zu einem Smartort geworden“, sagte Tesch. Mobilfunkdaten, Kameraaufnahmen und Routerdaten lieferten massenhaft digitale Informationen, die analysiert werden müssten. Selbst ein per App gesteuerter Staubsauger oder andere Smart-Home-Geräte könnten Hinweise geben.
Mehr potenzielle Beweismittel
„Die Dichte an potenziellen Beweismitteln ist deutlich größer geworden“, so Tesch, der sein neues Amt in Neubrandenburg im August dieses Jahres antrat. Für die Auswertungen brauche es die richtigen Tools und die richtigen Experten. Die Polizei befinde sich in einer digitalen Transformation und auf dem Fachkräftemarkt in Konkurrenz mit der freien Wirtschaft.
Tesch will auf Studierende zugehen, ihnen etwa Hospitanzen und Praktika bei der Polizei ermöglichen. Für junge externe IT-Fachkräfte stehe die Absicherung durch den Beamtenstatus nicht im Vordergrund. „Das ist zwar ein Benefit, den wir anbieten können. Die Kandidatinnen und Kandidaten sind sich aber durchaus ihres Marktwertes bewusst und sagen, wenn sich woanders eine vielversprechende Möglichkeit bietet, dann gehe ich dort hin. Ich muss kein Beamter sein.“
Sensibler Umgang mit digitalen Daten
Darauf müsse auch die Polizei als Arbeitgeber reagieren. Man könne darüber nachdenken, Bachelor- und Masterarbeiten zu begleiten und so eine Bindung an die Polizei zu schaffen. Dabei müsse damit gerechnet werden, dass sich die jungen Fachkräfte nach fünf Jahren entscheiden, etwas Neues auszuprobieren. „Das ist eine Kultur, die es bei der Polizei so nicht gab“, so Tesch, der zuvor Leiter des Referats für Kriminalitätsbekämpfung, internationale polizeiliche Zusammenarbeit und polizeiliche und gesamtgesellschaftliche Prävention im Schweriner Innenministerium war.
Zentrale Bausteine im Kampf gegen Cyberkriminalität sind aus Sicht der Polizei auch die Aufklärung der Nutzer und ein sensibler Umgang mit eigenen Daten. „Mittlerweile wird durch Künstliche Intelligenz mit einer sehr hohen Genauigkeit Seriosität vorgetäuscht, sodass es für den einzelnen Menschen zunehmend schwierig ist, zu unterscheiden, was richtig und was falsch ist“, betonte der Polizeipräsident.
Tesch ging auch auf die ausstehende Neuausrüstung der Landespolizei mit Dienst-Smartphones ein, die sich nach einem Hacker-Angriff vor über einem Jahr weiter verzögert. Der Angriff habe die Polizei hart getroffen. Auch in der Streifenpolizei gebe es ganz junge Beamte, die als „Digital Natives“ aufgewachsen seien und das Smartphone als wichtiges Arbeitsmittel vermissten.
Das Landesamt für zentrale Aufgaben und Technik der Polizei, Brand- und Katastrophenschutz (LPBK M-V) arbeite aber mit Hochdruck daran, eine entsprechende Lösung zu finden. Die Absicherung der Systeme habe dabei Vorrang. „Das Thema IT-Sicherheit ist komplex und zeitintensiv. Da müssen wir jetzt die Zähne zusammenbeißen. Die Diensthandys werden wiederkommen.“
In Mecklenburg-Vorpommern gibt es zwei Polizeipräsidien: eines in Rostock und eines in Neubrandenburg. Letzteres ist mit etwa 2000 Mitarbeitern für den östlichen Landesteil in den Landkreisen Mecklenburgische Seenplatte, Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen zuständig. Das Einzugsgebiet umfasst rund 700.000 Einwohnerinnen und Einwohner.
(mho)
Source: Heise · dpa
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