Hintergrund
Parlamentswahl in Israel Auf diese arabischen Parteien kommt es jetzt an
Stand: 28.10.2026 • 17:08 Uhr
Die arabischen Parteien haben bei der Wahl in Israel wahrscheinlich so stark abgeschnitten wie noch nie. Ihre Unterstützung könnte der Opposition den Weg an die Macht ebnen. Was sind ihre Themen, was sind ihre Ziele? Ein Überblick.
Raam-Partei
Die Ausrichtung der Raam-Partei ist konservativ-islamisch, sie gilt dennoch als pragmatisch. Sie war bereits 2021 als erste eigenständige arabische Partei einer israelischen Regierungskoalition beigetreten. Ihre Beteiligung an der Regierung unter Ministerpräsident Naftali Bennett galt damals als historischer Schritt zur politischen Integration der arabischen Minderheit, die rund 20 Prozent der israelischen Bevölkerung ausmacht. Bennetts Koalition zerbrach aber letztlich an Meinungsverschiedenheiten.
Raam konzentriert sich auf Themen wie die Bekämpfung der Kriminalität in der arabischen Gesellschaft und die Gleichstellung israelischer Araber. Für Überraschung sorgte die Partei schon vor der Wahl: Auf der Liste von Raam ist auf Platz zwei ein jüdischer Israeli.
Vereinte Liste
Zur Parlamentswahl haben sich die drei Parteien Chadasch, Taal und Balad zu einer Vereinten Liste zusammengeschlossen. Der Zentrale Wahlausschuss hatte das Bündnis im September 2026 von der Wahl ausgeschlossen. Der oberste Gerichtshof hob diese Entscheidung am 2. Oktober auf.
Die Vereinte Liste ist ein Bündnis von drei Parteien mit unterschiedlichen politischen Strömungen und Ideologien, aber weitgehend gemeinsamen Zielen in der israelisch-palästinensischen Frage. Alle drei Parteien sind säkular. Gemeinsam fordern sie die Gleichberechtigung der arabischen Bevölkerung Israels, ein Ende der israelischen Besatzung der palästinensischen Gebiete sowie die Gründung eines palästinensischen Staates.
Ihre Unterschiede betreffen vor allem die nationale Identität Israels, die Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik sowie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit jüdisch-israelischen Parteien.
Chadasch
Chadasch unterscheidet sich von den anderen beiden Parteien, weil sie als gemeinsame politische Bewegung von Juden und Arabern auftritt. Sie ist ein breiteres linkes Wahl- und Parteienbündnis.
Taal
Taal ist eng mit ihrem Gründer Ahmed Tibi verbunden, einem Berater des früheren palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat. Die Partei gilt als pragmatisch. Taal fordert unter anderem gleiche Bürgerrechte, bessere staatliche Dienstleistungen, eine gerechtere Verteilung öffentlicher Mittel und Maßnahmen gegen die Benachteiligung arabischer Gemeinden.
Balad
Balad stellt die jüdisch-zionistische Staatsdefinition Israels grundsätzlicher infrage als die beiden anderen Bündnispartner. Die Partei lehnt damit nicht die Existenz des Staates Israel ab, sondern fordert, dass alle Bürger unabhängig von ihrer ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit gleichberechtigt sind. Arabische Staatsbürger in Israel sollen als palästinensische nationale Minderheit anerkannt werden und entsprechende kulturelle und kollektive Rechte erhalten.
Hintergrund
Etwa ein Fünftel der israelischen Bevölkerung ist arabischer Herkunft. Die meisten sind Nachkommen der Palästinenser, die nach der Staatsgründung Israels und dem Krieg von 1948 im Land geblieben sind. Als israelische Staatsbürger haben sie auch das Wahlrecht. Familiäre und kulturelle Verbindungen zu den Palästinensern im Gazastreifen und im Westjordanland sorgen jedoch bei Teilen der jüdischen Bevölkerung für Misstrauen. Auch diesmal haben die rechten jüdischen Parteien eine Zusammenarbeit ausgeschlossen, obwohl die arabischen Parteien das Zünglein an der Waage sein könnten. Teilergebnissen zufolge dürften sie so viele Parlamentssitze erreichen wie noch nie. Wohl auch wegen der hohen Wahlbeteiligung: In einigen arabisch-israelischen Gemeinden lag die Wahlbeteiligung nahezu bei 100 Prozent.
Source: Tagesschau · tagesschau.de
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