Anthropic ist inzwischen der größte einzelne Kunde des Raumfahrt- und KI-Unternehmens SpaceX, bei dem die Abkehr von der US-Weltraumagentur NASA damit an Fahrt aufnimmt. Das geht aus einem Bericht von Bloomberg hervor, laut dem eine anonyme Quelle bestätigt hat, dass es sich bei „Kunde B“ in dem jüngsten Geschäftsbericht von SpaceX um die KI-Firma handelt. Auf den entfallen demnach etwa ein Drittel des Umsatzes. Anthropic war im Frühjahr eine milliardenschwere Partnerschaft mit SpaceX eingegangen und hatte sich dabei einen Großteil der KI-Rechenkapazitäten der in SpaceX aufgegangenen Firma xAI gesichert. Auch deshalb konnte SpaceX von Elon Musk nach dem Rekordbörsengang erstmals einen Milliardengewinn erzielen.

SpaceX braucht die NASA nicht mehr, die NASA aber SpaceX

Die Geschäftszahlen von SpaceX untermauern damit eine Entwicklung, die das US-Magazin Ars Technica in einem umfangreichen Artikel beleuchtet hat: Nach mehr als einem Jahrzehnt, in dem Musks Weltraumfirma stark vom Geld der US-Regierung abhängig war, hat sich das Verhältnis jetzt umgekehrt. Die US-Weltraumagentur ist nicht nur für den Transport von Menschen ins All komplett auf SpaceX angewiesen, das Unternehmen wendet sich aber immer weiter von ihr ab. So soll die Raumkapsel Crew Dragon nur noch bis 2030 Menschen ins All befördern, die Rakete Falcon 9 soll möglicherweise schon 2028 eingemottet werden. Für lukrative Aufträge der US-Regierung bietet SpaceX demnach schon nicht mehr immer mit.

Beide Berichte weisen darauf hin, dass SpaceX sein Geld künftig vorwiegend mit KI verdienen will. Das an Anthropic vermietete riesige Rechenzentrum in Memphis stellt in dieser Strategie nur den ersten Baustein dar. Elon Musk will KI-Rechenzentren umfangreich ins Weltall verlagern, auch wenn es an der Umsetzbarkeit Zweifel gibt. In Bezug auf die Raumfahrt setzt SpaceX derweil alles auf die Riesenrakete Starship, die einmal viel mehr Nutzlast ins All befördern soll als bisherige Alternativen. Ars Technica weist darauf hin, dass es kaum Belege dafür gibt, dass die Firma noch an einem Aussetzmechanismus für große Nutzlasten arbeitet, wie ihn die NASA bräuchte. Der bislang genutzte eignet sich für Starlink- und Rechenzentrumssatelliten, aber nicht etwa für große Weltraumteleskope.

(mho)

Source: Heise · Martin Holland

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