Die Tennessee Titans haben sich von ihrem Spieler Jordan Elliott getrennt, weil er auf dem Clubgelände eine Schusswaffe gezogen haben soll. Verletzt wurde dabei niemand. Nun wirbt sein ehemaliger Coach für Verständnis.
22.10.2026, 12.32 Uhr
Defensive Tackle Elliott
Foto: Stew Milne / APCheftrainer Robert Saleh vom American-Football-Team Tennessee Titans hat einen Zwischenfall bestätigt, bei dem einer seiner Spieler auf dem Gelände der NFL-Franchise zu einer Schusswaffe gegriffen haben soll – und den Schuldigen zugleich in Schutz genommen. Der inzwischen entlassene Defensive Tackle Jordan Elliott habe demnach infolge eines Konflikts mit Teamkollege J.C. Latham eine Waffe aus seinem Auto geholt, aber niemanden verletzt. Saleh sprach nun von einem »Hilferuf« des 28-Jährigen.
Der Zwischenfall ereignete sich vergangenen Donnerstag auf einem Parkplatz der NFL-Franchise. Saleh stellte in einem Statement die persönliche Situation Elliotts in den Vordergrund. »Er ist ein guter Mensch, hatte einen furchtbaren Aussetzer, den ich eher als einen Hilferuf denn als eine kriminelle Handlung sehe«, sagte er. Es sei »bedauerlich, wie es abgelaufen ist, aber was Jordan betrifft, sehen es die Leute in der Umkleidekabine und hier alle anders als die reflexartige Reaktion der Welt«.
Der Vorfall soll sich bereits am 15. Oktober zugetragen haben. Die Titans hatten am Dienstag zunächst mitgeteilt, dass Elliott nach seiner Verwicklung in einen nicht näher bezeichneten Vorfall fünf Tage zuvor entlassen worden sei.
Titans-Coach Saleh
Foto: John Mersits / ZUMA Press / IMAGODie NFL verbietet Mitarbeitern der Liga, Schusswaffen in die Einrichtungen der Vereine, in Stadien und Teamhotels sowie in Mannschaftsflugzeuge oder -busse mitzunehmen. Die Titans informierten der Nachrichtenagentur AP zufolge die Liga umgehend über den Vorfall, der derzeit geprüft werde.
Elliotts Agent war für eine AP-Anfrage zunächst nicht erreichbar.
Teamkollege Latham, der in die Auseinandersetzung mit Elliott verwickelt war, bezeichnete den Vorfall als unglückliche Situation. Er habe dazu nicht viel zu sagen, sagte der Right Tackle. »Wir hatten im Vorfeld tatsächlich noch nie einen Streit.«
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»Diese Kids machen viel durch«
Coach Saleh deutete nun an, dass hinter dem Vorfall möglicherweise tiefer liegende persönliche Probleme stehen könnten. Elliott sei ein Mann, der in seinem ganzen Leben nie ein Verbrechen begangen habe, gab der Coach an. »Warum ist er aus der Spur geraten und hat eine Waffe geholt? Für mich sind das kleine Anzeichen eines Hilferufs. Offensichtlich passiert etwas Größeres«, hieß es weiter.
Saleh hob die Reaktion der Franchise und der Liga positiv hervor. Sie hätten »innegehalten, diese Fragen gestellt und jeden Punkt abgehakt, um ihm die Hilfe zu besorgen, die er benötigt«, sagte der Coach und bezog sich auch auf zwei vergangene Suizide von NFL-Spielern.
»Sie könnten um Hilfe gerufen haben, und alle haben es ignoriert. Ich sage nicht, dass er so weit war, aber diese Kids machen viel durch«, sagte er und hielt auch ein Plädoyer für Elliotts Charakter: »Meine Botschaft an die 31 anderen Teams lautet: Wenn ihr einen verdammt guten Defensive Tackle benötigt, der den Laufangriff stoppt und euch bei einem Playoff-Lauf helfen kann, dann ruft mich an.«
Elliott wurde im Draft 2020 in der dritten Runde von den Cleveland Browns ausgewählt. Er verbrachte seine ersten vier Spielzeiten in Cleveland, bevor er einen Zweijahresvertrag über sieben Millionen Dollar bei den San Francisco 49ers unterschrieb. In der Offseason holte ihn Tennessee als Free Agent mit einem Zweijahresvertrag über acht Millionen Dollar.
ngo/sid/AP/Reuters
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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