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Schon die Reiseroute ist ein schlechtes Zeichen für Donald Trump: Wenige Tage vor den Midtermwahlen am Dienstag muss der US-Präsident seine Partei in Bundesstaaten unterstützen, die er selbst bei der Präsidentschaftswahl 2024 klar gewonnen hat.

Er selbst versuchte zunächst, das herunterzuspielen: Eigentlich müsse er gar nicht nach Kansas, erklärte er am Donnerstag. Der republikanische Senator Roger Marshall stehe dort sehr gut da. Als ein Reporter ihn fragte, ob er womöglich das viele Reisen satthabe, »sick of traveling«, beschimpfte Trump ihn: »Sie sind krank (»sick«), wenn Sie diese Frage stellen. Sie sind krank.« Später nannte er den Reporter außerdem »ekelhaft«.

Donald Trump mit Ehefrau Melania bei einem Halloween-Event im Weißen Haus

Donald Trump mit Ehefrau Melania bei einem Halloween-Event im Weißen Haus

Foto: Saul Loeb / AFP

Am Freitag sah Trumps Reiseplan schon wieder anders aus. Am Sonntag soll Trump nun sowohl in Kansas als auch in Iowa auftreten. Beide Veranstaltungen waren zunächst geplant gewesen, dann aber abgesagt worden. Stattdessen hieß es, der Präsident werde seine Anhänger per Telefon mobilisieren. Jetzt tritt er doch persönlich auf.

Das Hin und Her zeigt, in welchen Staaten die Republikaner so kurz vor den Kongresswahlen um ihre Mehrheit kämpfen müssen. In Kansas steht Senator Roger Marshall unter Druck, sein demokratischer Herausforderer ist der Methodistenpastor Adam Hamilton. In Iowa kämpft die Republikanerin Ashley Hinson um den Einzug in den Senat. Beide Staaten hat Trump bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen klar gewonnen – und er hat beide in diesem Monat schon einmal besucht.

Selbst die Republikanerhochburg Texas bietet der Partei keine Sicherheit mehr. Der Demokrat James Talarico liegt in Umfragedurchschnitten konstant rund zweieinhalb Prozentpunkte vor seinem republikanischen Gegner Ken Paxton. Das ist ein Abstand, der sich schon bei einem kleinen Fehler in den Umfragen als nichtig herausstellen kann. Und doch: In einem Staat, in dem seit 1988 kein Demokrat mehr eine Senatswahl gewonnen hat, ist das bemerkenswert.

Vor allem die hohen Lebenshaltungskosten im Land verstärken Trumps Unbeliebtheit – und das weitverbreitete Gefühl, es herrsche Korruption an der Staatsspitze. Nur knapp ein Drittel der erwachsenen Amerikaner billigt laut mehreren Umfragen seine Amtsführung. Die Aussichten für die Demokraten, eine Mehrheit im Repräsentantenhaus mit seinen 435 Sitzen zu erringen, sind günstig – sie dürfen sich sogar Hoffnungen auf eine Mehrheit im Senat machen, die allerdings ungleich schwieriger zu erreichen ist.

Schon mit einer Mehrheit im Repräsentantenhaus könnten die Demokraten künftig Gesetzesvorhaben blockieren und Trumps Regierung mit Untersuchungen und öffentlichen Anhörungen unter Druck setzen. Mit einer Mehrheit im Senat könnten sie zudem seine Kandidaten für Richterämter und wichtige Regierungsposten zurückweisen.

Wie Trump auf eine Niederlage reagieren würde, ist eine andere Frage – es ist zu befürchten, dass er sie nicht akzeptieren würde (mehr hier ). Fast sicher ist, dass er sich erbitterte Kämpfe mit einer möglichen demokratischen Parlamentsmehrheit liefern dürfte. Selbst falls seine Republikaner in diesen Wahlen besser abschneiden als erwartet: Die zweite Hälfte seiner zweiten Amtszeit bricht an, seine Ära könnte enden – und die Frage nach Trumps Nachfolge wird in allen Parteien lauter.

Bevor heute Abend die Halloweenpartys beginnen, wollen in ganz Deutschland junge Menschen demonstrieren. Unter dem Motto »Gen Z regelt« sind friedliche Proteste angekündigt: für bessere Bildung, Gesundheit, Klimaschutz und ein bezahlbares Leben. Die Initiative richtet sich zudem gegen die Wehrpflicht und gegen einen Sparkurs zulasten der jungen Generation. Aus Angst vor gewaltsamen Ausschreitungen haben sich viele Luxusboutiquen in deutschen Innenstädten vorsorglich mit Brettern verbarrikadiert.

Auch in Frankreich sind heute wieder landesweit Demonstrationen geplant: gegen hohe Lebenshaltungskosten und für besser ausgestattete Schulen. Nachdem es am 17. Oktober am Rande von Kundgebungen im ganzen Land zu schweren Gewalttaten gekommen war (mehr hier ), gelten nun strenge Sicherheitsauflagen. Die Forderungen der jungen Menschen auf beiden Seiten des Rheins ähneln sich jedoch: Es geht um die Frage, was für eine Zukunft die nächste Generation auf einem alternden Kontinent hat.

Verbarrikadierter Juwelierladen in Berlin vor den angekündigten Protesten

Verbarrikadierter Juwelierladen in Berlin vor den angekündigten Protesten

Foto: Annegret Hilse / REUTERS

Die Bilder der Gewalt in Frankreich, die hierzulande teils so behandelt wurden, als repräsentierten sie die ganze Protestbewegung (und nicht nur einen relativ kleinen Teil), prägen noch immer die Debatte: Noch bevor die deutschen Demonstrationen begonnen haben, forderte die Junge Union Berlin-Mitte vorsorglich den Einsatz der Bundeswehr. Die CDU im Stuttgarter Gemeinderat brachte ein Demonstrationsverbot ins Spiel.

Meine Kollegin Paula Haase bezeichnet diese Reaktionen in ihrem Kommentar als unverhältnismäßig. »Glaubt die politische Mitte ernsthaft, damit gewinne man Jugendliche, die sich zunehmend den Extremen zugeneigt fühlen?«, fragt sie. Und sie verweist darauf, dass sich die Initiative ausdrücklich gegen Gewalt ausspricht. Sie schreibt: »Die demokratischen Parteien sollten ihnen zuhören und ihre Sorgen ernst nehmen.« Heute werden junge Menschen gemeinsam Banner hochhalten und vielleicht erleben, dass sie etwas verändern können. »Diesen Moment sollte man den Jungen lassen.«

»Gen Z regelt« ist eine lose Gruppe, manche Beteiligte haben noch nie eine Demonstration organisiert. Die vielen Anliegen der Demonstrierenden gehen weit auseinander. Ob daraus eine dauerhafte Bewegung entstehen kann, ist offen.

Busse, Krankentransporter und Lastwagen rollen über frisch entminte Straßen in eine zerstörte ukrainische Stadt. Sie bringen Lebensmittel und Medikamente. Bis zu 750 Menschen bekommen die Möglichkeit, die Stadt zu verlassen – und durften selbst entscheiden, ob sie in die Ukraine oder nach Russland gebracht werden wollen.

Was am Freitag im russisch besetzten Oleschky möglich wurde, ist in diesem Krieg eine Seltenheit: Russland und die Ukraine organisieren gemeinsam eine Hilfsaktion für Zivilisten. Vermittelt hatte die amerikanische First Lady Melania Trump. Auch Papst Leo XIV. hatte Wladimir Putin zuvor zu einer Waffenruhe für die Stadt aufgerufen.

Menschenrechtsbeauftragter Lubinez in Oleschky

Menschenrechtsbeauftragter Lubinez in Oleschky

Foto: The Ukrainian Parliament Commissioner for Human Rights Office / REUTERS

Meine Kollegen Ann-Dorit Boy und Oliver Imhof beschreiben in ihrem Text, wie der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez gemeinsam mit seiner russischen Amtskollegin nach Oleschky reist. In Videos war zu sehen, wie ältere Frauen den Ukrainer umarmen und ihn wie einen langersehnten Retter willkommen heißen. Von ursprünglich 24.000 Einwohnern leben nach Schätzungen von Aktivisten noch 1500 bis 1700 in Oleschky. Monatelang waren sie von Versorgungslieferungen abgeschnitten.

Schon die gemeinsame Rettungsaktion sei bemerkenswert, schreiben meine Kollegen. »Noch erstaunlicher war es, dass sich beide Seiten – ausdrücklich auch Russland – seit Dienstag an den lokal begrenzten Waffenstillstand im Gebiet Oleschky und Cherson hielten.«

Auch das ukrainisch kontrollierte Cherson auf der anderen Seite des Dnipro, das unter sonst ständigem russischem Beschuss steht, konnte aufatmen. Reporter bewegten sich durch Stadtteile, die wegen der russischen Angriffe gewöhnlich als Todeszone gelten. In der Nacht zum Montag soll die Waffenruhe auslaufen. Ukrainische Militärblogger und Angehörige der Streitkräfte warnen, Russland könnte die Pause zur Vorbereitung neuer Angriffe genutzt haben. Auch die ukrainische Seite dürfte sie militärisch genutzt haben.

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Verlierer des Tages…

Ex-Prinz Mountbatten-Windsor

Ex-Prinz Mountbatten-Windsor

Foto: Phil Noble / REUTERS

… ist Andrew Mountbatten-Windsor, 66. Seinen Prinzentitel hat der Bruder von König Charles III. längst verloren. Die Aufarbeitung seiner Freundschaft zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein geht allerdings trotzdem weiter – nun auch auf Schloss Balmoral, dem schottischen Landsitz der britischen Königsfamilie.

Die schottische Polizei bestätigte am Freitag, dass sie Aufenthalte Andrews mit Epstein und dessen Komplizin Ghislaine Maxwell auf dem Schloss untersuche. Die Ermittlungen befänden sich in einem sehr frühen Stadium. Die Polizei machte auch nicht öffentlich, welche möglichen Straftaten geprüft werden. Andrew hat stets bestritten, dass er sich im Zusammenhang mit Epstein etwas zuschulden habe kommen lassen.

Schloss Balmoral war lange der Rückzugsort von Queen Elizabeth II. Nun müssen Ermittler klären, was sich dort im Umfeld ihres Sohnes abgespielt hat. Es geht offenbar um Vorwürfe, dass Frauen in das Anwesen verschleppt worden sein könnten. Die Königsfamilie hat sich von Andrew bereits so stark distanziert wie es nur geht. Wie tief der ehemalige Lieblingssohn der Queen in die Epstein-Saga verstrickt ist – das ist für die britischen Royals allerdings weit mehr als nur eine Peinlichkeit.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • US-Ministerium bestätigt strafrechtliche Ermittlungen zu Alaska-Wahl: Das Senatsrennen in Alaska könnte für die Mehrheit im Kongress entscheidend sein. Dort treten zwei Kandidaten mit dem Namen Sullivan an. Nun schaltet sich die US-Justiz ein.

  • Lawrow stänkert gegen Polen und kritisiert Ukraine: Sein Auftreten sei »ziemlich provokant«, er verbreite »Lügen«: Aussagen des russischen Außenministers Sergej Lawrow beim G20-Gipfel in Atlanta sorgen für Unmut. Er nutzt das Treffen, um gleich gegen zwei osteuropäische Länder auszuteilen.

  • Mehr als 5000 Ebola-Tote in Demokratischer Republik Kongo: Beim Ebolaausbruch in Zentralafrika steigen die Opferzahlen weiter. In der Demokratischen Republik Kongo sind inzwischen mehr als 5000 Menschen gestorben. Auch Nigeria, Kenia und Uganda sind betroffen.

Heute bei SPIEGEL Extra: Glücklich in Rente – Rezepte für die große Freiheit

Foto: Amelie Niederbuchner / DER SPIEGEL

Plötzlich steht der Wecker still. Endlich nicht mehr arbeiten. Doch was kommt dann? Wie sechs Menschen die neue Freiheit genießen ‒ und was wir von ihnen lernen können .

Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins Wochenende.

Ihr Mathieu von Rohr, Leiter des SPIEGEL-Auslandsressorts

Source: Der Spiegel · Mathieu von Rohr

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