1. Schwierige Regierungsbildung

Premier Netanyahu in der Wahlnacht in Jerusalem: Jubelchöre für den »König Israels«

Premier Netanyahu in der Wahlnacht in Jerusalem: Jubelchöre für den »König Israels«

Foto: Abir Sultan / EPA

Israel hat gewählt – doch das Ergebnis ist weiter unklar. Weder das Lager von Benjamin Netanyahu noch der Block seines Hauptherausforderers Gadi Eisenkot erreichten die benötigte Mehrheit von 61 Sitzen im Parlament – aber beide wollen regieren.

Was klar ist: Die arabischen Parteien verzeichnen einen historischen Bestwert. Sie könnten einer Regierungskoalition zur Mehrheit verhelfen, allerdings hatten sowohl Netanyahu als auch Eisenkot eine Koalition mit ihnen zuvor abgelehnt. In der israelischen Politik gibt es eine Art »Brandmauer« rechter jüdischer Parteien gegenüber den arabischen Parteien.

Es sei »bemerkenswert, dass Netanyahu wieder so viele Stimmen holen konnte, obwohl viele Israelis ihm eine Verantwortung dafür zuschreiben, dass der Terror des 7. Oktober nicht verhindert wurde«, schreibt mein Kollege Thore Schröder. Israel habe sich nach dem Hamas-Massaker in eine Opfererzählung geflüchtet , die Netanyahus Gegner und weite Teile der Gesellschaft mitanfütterten. Mit ihrer Absage an eine Zusammenarbeit mit arabischen Parteien verbaue sich die Opposition nun womöglich selbst den Weg zur Mehrheit, so Thore.

Wie es jetzt weitergeht? Das offizielle Wahlergebnis wird wohl erst am 4. November bekannt gegeben. Wenn es keiner Seite gelingt, eine Koalition zu schmieden, könnte Netanyahu an der Spitze einer Übergangsregierung vorerst im Amt bleiben, bis neu gewählt wird. Israel droht dann eine politische Dauerkrise mit immer neuen Parlamentswahlen.

2. Schreckliches Unglück

Großeinsatz an der Unfallstelle

Großeinsatz an der Unfallstelle

Foto: Alejandro Martínez Vélez / Europa Press / IMAGO

Südlich von Madrid sind zwei Hochgeschwindigkeitszüge kollidiert. Mindestens 64 Menschen starben bei dem Zusammenstoß, ähnlich viele gelten bislang als schwer verletzt. Eine Sprecherin der Regionalregierung geht davon aus, dass die Zahl der Toten und Verletzten leider noch steigen wird.

Spanien hat das größte Schienennetz Europas für Züge mit einer Geschwindigkeit von mehr als 250 Kilometern pro Stunde. Bereits im Januar kam es in Andalusien zu einem schweren Zugunglück mit vielen Toten. Der Unfall damals galt als das tödlichste Bahnunglück in Spanien seit 2013 – und das erste Unglück im Schnellzugnetz. Nun hat sich offenbar eine noch größere Katastrophe ereignet. Die Ursache des heutigen Zusammenstoßes ist noch unklar. Es soll sich um eine Art Auffahrunfall handeln. Nach ersten Ermittlungen könnte menschliches Versagen die Kollision provoziert haben, berichten spanische Medien.

»Heute trauert ganz Europa mit euch«, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Neben Trauer und Entsetzen bleibt jedoch auch die Frage: Wie konnten sich in kurzer Zeit zwei so schwere Zugunglücke in Spanien ereignen?

3. Thomas heißt jetzt Christian

Daimler-Truck-Vorständinnen Eva Scherer, Karin Radström: Ausnahmefall in der Autoindustrie

Daimler-Truck-Vorständinnen Eva Scherer, Karin Radström: Ausnahmefall in der Autoindustrie

Foto: Bernd Weißbrod / dpa

Zehn Jahre lang war Thomas der häufigste Name in den Vorständen börsennotierter Unternehmen. Nun wurde er von Christian überholt. Laut der heute veröffentlichten Studie der deutsch-schwedischen Allbright-Stiftung arbeiten zum ersten Mal mehr Christians (23) als Thomase (22) und Michaels (22) in den Vorständen deutscher Dax-Unternehmen. Unter den Vorstandsvorsitzenden gibt es sogar fast doppelt so viele Christians wie Frauen.

Trotzdem tut sich etwas in Sachen Vielfalt an der Spitze der Unternehmen. Der Frauenanteil steigt. Nach zwei Jahren Stagnation liegt er in den Vorständen der 40 großen DAX-Konzerne bei knapp 30 Prozent. Wenn die Unternehmen das Tempo der letzten zwölf Monate beibehalten, könnten sie in acht Jahren Parität erreichen. Vielleicht ginge es sogar noch schneller, würde die deutsche Autoindustrie nicht bremsen. Dort wächst der Frauenanteil zurzeit kaum oder gar nicht.

Was der Grund dafür sein könnte? Vermutlich liegt es an der Industriekrise, also der Kombination aus geopolitischer Unsicherheit, Transformation zur E-Mobilität und Konkurrenz aus China. Mangelnde Diversität im Unternehmen erscheint da schnell als weniger wichtig. Dabei kann Erneuerung auch durch mehr Vielfalt an der Spitze vorangetrieben werden.

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Bolsonaro in Miami gelandet: Nach seiner Wahlniederlage hat sich der brasilianische Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro ins Ausland abgesetzt – und ist nun in den USA angekommen.

  • Merz wirbt in Japan für neue Allianz für geregelten Welthandel: In Singapur hat der Kanzler ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem pazifischen Raum vorgeschlagen. In Tokio legt er mit einer weiteren Kooperationsidee für freien Welthandel nach.

  • Elterngeld soll erstmals steigen: Die Bundesregierung will das Elterngeld erhöhen. Der Höchstsatz soll laut Familienministerium um 100 Euro steigen. Zudem ist die geplante Kürzung der Bezugsdauer vom Tisch.

Meine Lieblingsgeschichte heute: Präsidentschaftspoker

CSU-Politikerin Aigner: Bundesweit bekannt und vernetzt

CSU-Politikerin Aigner: Bundesweit bekannt und vernetzt

Foto: Michael Bihlmayer / action press

Bundeskanzler Friedrich Merz hat am Rande seiner Asienreise den Anspruch seiner Partei bekräftigt, die künftige Bundespräsidentin selbst vorschlagen zu wollen. Damit droht die wichtigste Personalie des Landes zum machtpolitischen Pokerspiel zu werden. Merz’ Worte wirken wie eine Absage an die CSU-Kandidatin Ilse Aigner. Dabei schreibt mein Kollege Roland Nelles zu Recht: »Sie ist die Richtige für Bellevue« .

Was heute weniger wichtig ist

Stause und G Flip bei einer Kinopremiere im Juni 2026 in Los Angeles

Stause und G Flip bei einer Kinopremiere im Juni 2026 in Los Angeles

Foto: Gilbert Flores / Variety / Getty Images

Getrennte Wege: »Selling Sunset«-Star Chrishell Stause, 45, und Georgia Claire Flipo, 33, bekannt unter dem Künstlernamen G Flip, haben sich getrennt. Das gaben die Schauspielerin und der Musikstar unabhängig voneinander auf ihren Instagram-Kanälen bekannt. Dass Stars eine Beziehung beenden, ist an sich nichts Ungewöhnliches. Die Verbindung der beiden war deshalb besonders, weil sie Millionen Menschen die nicht-binäre Geschlechtsidentität näherbrachte. G Flip bezeichnet sich selbst als non-binär, also als jemand, der sich weder ausschließlich als Mann noch ausschließlich als Frau identifiziert.

Darüber diskutieren SPIEGEL-Leserinnen und -Leser heute

Würden Sie noch in Ihrem Job arbeiten, wenn Sie genug Geld hätten?

Und heute Abend?

Herumdaddeln auf dem Smartphone? In 15 sardinischen Restaurants wird das ab nächster Woche nicht mehr gern gesehen

Herumdaddeln auf dem Smartphone? In 15 sardinischen Restaurants wird das ab nächster Woche nicht mehr gern gesehen

Foto:

Sebastian Kahnert / dpa

Plappern ist besser als Daddeln. Jedenfalls dann, wenn man gemeinsam mit der Familie isst. Auf Sardinien startet dieser Tage ein Experiment: In zunächst 15 Restaurants sollen digitale Geräte von den Tischen verbannt werden. Ziel der Aktion ist, Gäste mehr miteinander sprechen zu lassen und die Bildschirmzeit von Kindern und Jugendlichen zu reduzieren. (Mehr zur italienischen Initiative hier.)

Als Mutter eines elfjährigen Daddelspezialisten kenne ich das Problem. Ich weiß aber auch, dass Verbote meist wenig bringen. Was also tun? Statt mit Kindern essen zu gehen und auf tiefsinnige Tischkonversationen beim Verschlingen von Pasta und Pizza zu hoffen, kochen mein Mann und ich lieber selbst mit dem Sohn.

Als Fan der Kolumne »Kochen ohne Kohle« meines SPIEGEL-Kollegen Sebastian Maas, empfehle ich sein Rezept für vietnamesisches Bananeneis ohne Maschine – für unter 1 Euro. (Hier der Link zum Nachkochen. )


Einen schönen Abend wünscht

Ihre Anna Clauß, Autorin der Chefredaktion

Source: Der Spiegel · Anna Clauß

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