1. Gewonnen – und jetzt?
Abdul El-Sayed: Leitfigur der Progressiven
Foto:Brian Snyder / REUTERS
Der »Bluenami« ist über Amerika gerollt, der blaue Tsunami. Die Demokraten haben die Zwischenwahlen gewonnen, und zwar eindrucksvoll. Sie kontrollieren künftig beide Kammern des Kongresses, das Repräsentantenhaus und den Senat. Die Republikaner haben krachend verloren, für Präsident Donald Trump beginnt das politische Endspiel. (Alle Entwicklungen lesen Sie hier .)
Zwei Jahre hat Trump noch, dann wird ein neuer Präsident gewählt, er selbst darf nicht mehr antreten. Der Wahlkampf um das Weiße Haus beginnt mit dem heutigen Tag. Die Republikaner müssen nun klären, ob sie nach dieser Niederlage mit dem Trumpismus brechen oder auch 2028 auf einen Kandidaten setzen, der den autoritären und nationalistischen Kurs fortsetzt.
Die Demokraten wiederum werden sich auf diesem Sieg nicht ausruhen können. »Sie müssen jetzt beweisen, dass sie ihre Mehrheiten für pragmatische Politik nutzen und sich nicht in Kämpfen mit dem Präsidenten verzetteln«, sagt mein Kollege Marc Pitzke. Dazu kommt: Die Partei ist weiterhin gespalten, in ein Lager der Mitte und eines, das eher links-progressiv tickt. Vertreter beider Lager haben bei den Midterms Erfolge eingefahren. So erfreulich das Gesamtergebnis aus demokratischer Perspektive also ist, es sagt nichts darüber aus, welche Ausrichtung für die Präsidentschaftswahlen besonders vielversprechend ist (mehr dazu hier ).
Über mögliche Kandidatinnen oder Kandidaten wird schon jetzt spekuliert. Es gibt junge Hoffnungsträger wie James Talarico, den neuen Senator aus Texas, oder Jon Ossoff, der seinen Senatssitz in Georgia verteidigen konnte. Oder Alexandria Ocasio-Cortez, die linke Abgeordnete aus New York. Zum erfahreneren Personal gehören Josh Shapiro, der Gouverneur von Pennsylvania, oder Gavin Newsom, scheidender Gouverneur von Kalifornien.
Wer auch immer es am Ende macht, sie oder er muss die Demokratische Partei einen. Nur dann steht der Weg ins Weiße Haus offen.
Lesen Sie mehr Hintergründe hier: Dies ist Amerikas neue Garde
2. Niederlage an der Zapfsäule
Anti-Trump-Aufkleber an Zapfsäule in North Carolina: »Es macht mir kein bisschen aus, wir machen ein verdammtes Vermögen«
Foto: Chip Somodevilla / Getty ImagesWarum haben Donald Trump und seine Republikaner die Zwischenwahlen so krachend verloren? Fragen Sie ein paar Autofahrer an einer x-beliebigen Tankstelle in den USA. Die Spritpreise sind im Zuge des Irankrieges, den Trump vom Zaun gebrochen hat, explodiert. Weit über vier Dollar müssen die Menschen im landesweiten Durchschnitt heute für Normalbenzin bezahlen – für eine Gallone wohlgemerkt, das sind rund 3,8 Liter.
Ich habe ein paar Jahre in Kalifornien gelebt, dem Staat mit den meist höchsten Benzinpreisen in den USA, da waren vier bis fünf Dollar schon lange normal. Anderswo in den Vereinigten Staaten wurde ich dafür aber stets mitleidig belächelt – heute lächelt niemand mehr. Und viele Menschen machen den Präsidenten dafür und für die insgesamt gestiegenen Lebenshaltungskosten direkt verantwortlich. Das zeigen Umfragen zu den Gründen für ihre Wahlentscheidung.
Trump wollte den Ärger bisher nicht wirklich ernst nehmen. Zwar versuchte er noch kurz vor der Wahl, die Benzinpreise künstlich zu drücken, indem er etwa Landwirten milliardenschwere Tankzuschüsse versprach oder Sanktionen gegen Russland lockerte, um von dort Diesel zu importieren. Dann aber tat er bei einem Auftritt das teure Tanken mit den Worten ab: »Es macht mir kein bisschen aus, wir machen ein verdammtes Vermögen.« Gemeint waren die US-Öl- und Gaskonzerne, die Milliarden extra verdienen – und wohl auch Trump selbst, der als ihr Aktionär profitiert.
Dem Auto fahrenden Wahlvolk machte es dagegen sehr wohl etwas aus. Das ließ es den Präsidenten bei den Zwischenwahlen spüren.
Lesen Sie die ganze Geschichte hier: Trumps teure Tankquittung
3. Figuren für die Ewigkeit
Zeichner Janosch: »Bücher sollten ein kaputtes Leben reparieren können«
Foto:Serge Cohen / Opale Photo / IMAGO
Vielleicht ziehe ich heute Abend eines dieser etwas abgegriffenen, orangefarbenen Bücher aus dem Regal und lese mit meinen Kindern mal wieder »Oh, wie schön ist Panama«. Oder: »Komm, wir finden einen Schatz«. Eigentlich sind sie zu alt dafür. Wobei, wer ist schon zu alt für Janosch-Bücher?
Janosch ist gestorben, nach 95 freigeistigen Lebensjahren – und wem ist bei dieser Nachricht heute nicht ein kleiner Seufzer entfahren? So ziemlich jeder kennt ihn und seine Kinderbücher, und so ziemlich jeder mag sie auch, behaupte ich. Der kleine Bär und der kleine Tiger, die Tigerente, der Reiseesel Mallorca oder Günter Kastenfrosch – Janosch, der eigentlich Horst Eckert hieß, hat Figuren für die Ewigkeit geschaffen.
»Anderen Kinderbüchern merkt man manchmal an, was für eine ernste Sache das Leben und vor allem das Lebenlernen ist«, findet mein Kollege Tobias Becker. Bei Janosch sei das nicht so. »In seinen Kinderbüchern herrscht eine heitere Gelassenheit selbst in den tragischsten Momenten.«
Erinnern Sie sich, wie der Bär in »Post für den Tiger« zwei Fische fängt – einen zum Essen und einen, um ihm das Leben zu schenken? »Damit er sich darüber freut«, sagt der Bär. »Denn Freude ist für jeden schön.«
Lesen Sie den Nachruf auf Janosch hier: Er ließ sich von nichts fesseln. Auch nicht von der Wirklichkeit
Was heute sonst noch wichtig ist
Inflation im Euroraum steigt auf vier Prozent: Weil Energie infolge des Irankriegs teurer ist, steigt in der Eurozone auch die Inflation. Im Oktober hat sie den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren erreicht.
Wo die Menschen in Deutschland am ältesten werden: Neue Berechnungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigen: Die Lebenserwartung steigt. Doch es gibt Unterschiede zwischen den Bundesländern und den Geschlechtern.
Montenegro könnte das nächste EU-Mitglied werden: Die EU-Kommission legt eine Analyse zu den Beitrittschancen mehrerer Länder vor. Als Nächstes könnte sich demnach Montenegro der Union anschließen. Von der Ukraine verlangt Brüssel schnelle Reformen.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
Dieses Spiel ist ein nostalgischer Fiebertraum: Als er die ersten Szenen des Remakes des »Zelda«-Klassikers »Ocarina of Time« sah, dachte unser Autor: »Das kann nicht funktionieren.« 30 Spielstunden später sagt er: Dieses Spiel hat etwas mit mir gemacht.
Was heute weniger wichtig ist
Zu Späti: In der Nähe des Berliner Ostkreuzes betreibt der Rapper Sido, 45, gemeinsam mit zwei Geschäftspartnern seit mehr als fünf Jahren einen Spätkauf, kurz Späti. Aber nicht mehr lange. Nächsten Monat soll der Laden dichtmachen, wie Sido im Podcast »Take me Späti« angekündigt hat. Als Grund gab er die gestiegene Miete für das Ladenlokal an. Die habe früher bei 4000 Euro im Monat gelegen, jetzt seien es 6000. Der Mann, der mit seiner Musik Millionen verdient hat, sagt: »Wir können uns das nicht mehr leisten.«
Mini-Hohlspiegel
Der »Reutlinger General-Anzeiger« über eine Regierungserklärung von Bundeskanzler Merz im Bundestag: »Er verwies auf die angestrebten Reformen bei Rente, Pflege, Arbeitsmarkt, Steuern, Staatsmodernisierung und Demokratierückbau.«
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Darüber diskutieren SPIEGEL-Leserinnen und -Leser heute
Sollte Gastgeber Deutschland die Eishockey-WM zurückzugeben, falls Russland wirklich mitmachen darf?
Und heute Abend?
»Stroganoff« mit Pilzen: Schmeckt auch ohne Fleisch
Foto: GMVozd / E+ / Getty ImagesKönnten Sie sich ein herbstliches Pilzgericht auf den Tisch zaubern – ohne großen Aufwand und für kleines Geld. Mein Kollege Sebastian Maas ist Autor der Kolumne »Kochen ohne Kohle« und des ersten SPIEGEL-Kochbuchs »Gar es ohne Bares«.
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Gar es ohne Bares!
Sebastian Maas
Ein SPIEGEL-Buch: Das kreative Kochbuch für alle mit kleinem Geldbeutel und wenig Zeit
Verlag: Penguin
Seitenzahl: 240
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04.11.2026 17.06 Uhr
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Heute möchte ich Ihnen sein Rezept für ein vegetarisches »Stroganoff« ans Herz legen. Hier erklärt Sebastian Ihnen, wie Sie auch mit günstigen Discounter-Champignons eine luxuriös schmeckende Pilzpfanne hinbekommen. Guten Appetit!
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Philipp Wittrock, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro
Source: Der Spiegel · Philipp Wittrock
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