30.10.2026, 18.03 Uhr
1. Teure Attacke
Nordkoreanischer Diktator Kim Jong Un
Foto:KCNA / AFP
Der Handel mit Kryptowährung kann einen sehr schnell sehr reich machen. Oder aber noch schneller sehr arm. Bei der internationalen Kryptobörse Binance sind in der Nacht zum Freitag digitale Vermögenswerte im Milliardenwert verschwunden. »Es ist eine Hackerattacke von historischem Ausmaß«, schreibt ein Autorenteam des SPIEGEL, das alle Fragen und Antworten zu dem Fall zusammengetragen hat.
Offenbar war ein gehackter Laptop eines Binance-Angestellten der Einstiegspunkt der Onlinekriminellen. Die gute Nachricht für Kryptoanleger, die nicht unmittelbar von dem Diebstahl betroffen sind: Gemessen am Ausmaß des Diebstahls bleiben die Folgen für Bitcoin und andere digitale Anlageklassen bislang einigermaßen überschaubar.
Was mich als Krypto-Ahnungslose an dem Fall so interessiert, ist die Spur der Täter. Die führt offenbar nach Nordkorea. Wie meine Kollegen berichten, könnte Kim Jong Un der Auftraggeber für die Attacke sein. Es ist auch nicht das erste Mal, dass nordkoreanische Hacker für Kryptoraubzüge verantwortlich gemacht werden. Wegen der umfassenden Sanktionen gegen das Regime dort versuchen die Machthaber offenbar schon länger, über Kryptohacks an Geld für Atomraketen und anderes Schurkenstaat-Arsenal zu kommen. Sehr beängstigend.
2. Goldesel im Keller
Familienministerin Prien
Foto: Michael Kappeler / dpaFamilienministerin Karin Prien hat offenbar einen Goldesel im Keller des Ministeriums entdeckt. Heute kündigte die CDU-Ministerin an, dass beim Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende nachverhandelt werde. Womöglich kommen die geplanten Kürzungen also doch nicht. Bereits am Mittwoch hatte Priens Familienministerium überraschend mitgeteilt, dass das Elterngeld erhöht werde. Dabei sind für den Bildungs- und Familienetat im kommenden Jahr eine Milliarde Euro weniger vorgesehen als in diesem Jahr.
Wie erklären sich die vielen freudigen Nachrichten aus dem BMBFSFJ, also dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend? Zeigen womöglich die für morgen angekündigten bundesweiten Schülerproteste bereits Wirkung? Das Bündnis »Gen Z regelt« will unter anderem für ein bezahlbares Leben und bessere Bildung auf die Straße gehen. Meine Kollegin Paula Haase meint, die Politik sollte »die Sorgen der Jungen ernst nehmen«. Häufig begegne besonders die Union »den Jugendlichen mit Misstrauen«. Manche drohen schon jetzt mit der Härte des Rechtsstaats, sollten die Schülerdemos so eskalieren wie etwa in Frankreich.
CDU-Frau Prien hingegen scheint offene Ohren für die Belange der Jungen und Jüngsten in der Gesellschaft zu haben. Vielleicht hat ihre Großherzigkeit allerdings mit einer anderen Debatte zu tun als mit der um mehr Generationengerechtigkeit? Zum Beispiel mit der Debatte über eine Nachfolgerin für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: Die CDU ist nach wie vor auf der Suche nach einer Kandidatin, die der CSU-Frau Ilse Aigner das Wasser reichen kann. Mir scheint, dass Karin Prien gerade viel dafür tut, gerufen zu werden.
Lesen Sie hier mehr zum Thema: Diesen Moment sollte man den Jungen lassen
3. Das veröffentlichte Versehen
Linkenpolitikerin Eralp
Foto:Axel Schmidt / REUTERS
Auch am Tag nach dem Erscheinen beschäftigt die aktuelle SPIEGEL-Titelstory über Elif Eralp viele Leserinnen und Leser. In einem internen Vermerk hatte Eralp offenbart, dass sie sich vor Terrorsympathisanten mit Kontakten zur Hamas fürchtet. Das Dokument gelangte versehentlich zum SPIEGEL, der darüber berichtete. Die Titelstory warf in Bezug auf Eralp die Frage auf: Kann so jemand für die Sicherheit in der Hauptstadt verantwortlich sein?
Unser Bericht stieß auf ein großes Echo, und dabei ging es teils auch um die Frage, ob es in Ordnung war, dass die Redaktion Informationen veröffentlicht hat, die augenscheinlich nicht für sie bestimmt waren. Lesen Sie hier die Begründung des SPIEGEL-Chefredakteurs Dirk Kurbjuweit, warum wir uns für die Veröffentlichung entschieden haben.
Und wie bewerten Sie die Entscheidung, den Report über Elif Eralps Angst zu veröffentlichen? Auf SPIEGEL-Debatte können Sie hier mitdiskutieren.
Was heute sonst noch wichtig ist
»Nowaja Gaseta« stellt den Betrieb ein – »Man hat uns getötet«: Russlands kritische Presse verliert eine ihrer hartnäckigsten Vertreterinnen. Die »Nowaja Gaseta«, die dem Kreml lange die Stirn bot, schließt dauerhaft. Die Entscheidung fiel nach jahrelangen Repressionen.
Rodungen machen den Amazonas-Regenwald zur CO₂-Schleuder: Der Regenwald im Amazonasgebiet hat in den vergangenen 15 Jahren mehr CO₂ abgegeben als aufgenommen. Eine Studie zeigt: Dafür sorgen vor allem »direkte menschliche Aktivitäten«.
Hilfsaktion in der besetzten Frontstadt Oleschky gestartet: Im ukrainischen Oleschky hat eine einmalige Aktion begonnen. Menschen, die die Stadt verlassen wollen, können entscheiden, ob sie in russisch besetzte oder von der Ukraine kontrollierte Gebiete wollen.
Gletscherschmelze gibt Leichnam von verunglücktem Österreicher nach fast 40 Jahren frei: Nachforschungen eines Studenten machten die Familie des Toten ausfindig: Der Leichnam eines vor mehr als 40 Jahren verunglückten Bergsteigers wurde in Pakistan neu bestattet. Seine Brüder erlebten eine »überwältigende« Trauerfeier.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
Abgeordnete Omar
Foto:Daniel Heuer / Bloomberg / Getty Images
Was wirklich hinter Trumps Kampagne gegen Ilhan Omar steckt: Die Agenten kamen im Morgengrauen: Mit einer Hausdurchsuchung eskalieren die Attacken auf die Demokratin Ilhan Omar, Trump will die somalische Einwanderin abschieben. Ein Vorgeschmack darauf, was anderen Kritikern drohen könnte .
Was heute weniger wichtig ist
KI-Figur Odysseus
Foto:Elon Musk / X
Flache Helden: Elon Musk, 55, hat einen Kandidaten für die schlechteste Homer-Verfilmung aller Zeiten ins Rennen geschickt. Gerade ist seine vor Monaten angekündigte KI-Version des griechischen Mythos »Odyssee« veröffentlicht worden – zumindest die ersten sieben Minuten einer ersten Episode. SPIEGEL-Kollegin Eva Thöne widersetzt sich der Versuchung, sich über Musks Werk lustig zu machen. Der Ausschnitt wirke zwar »wie ein langer Trailer für einen sehr unattraktiven Film«. Aber sie fragt auch: Ist die neue »Odyssee« wirklich so viel banaler als Christopher Nolans Version? Eva findet, bei beiden »bleiben die Motive und Innenwelten der Handelnden am Ende flach« .
Mini-Hohlspiegel
Darüber diskutieren SPIEGEL-Leserinnen und -Leser heute
Und am Wochenende?
Darstellerin Redgrave
Foto:Clockwork / Warner Bros.
Morgen heißt es: Süßes oder Saures! Falls Sie mit dem Import amerikanischer Bräuche noch etwas fremdeln, können Sie sich ganz behutsam in Halloween-Stimmung bringen. Zum Beispiel…
...mit einem der wildesten Filme der Geschichte: »Die Teufel« von Ken Russell aus dem Jahr 1971 ist wieder in den Kinos zu sehen. Ein fanatisches Werk über Fanatismus samt einer Szene, die als »Vergewaltigung Christi« berühmt wurde. (Lesen Sie hier die Rezension .)
…mit einem Rezept für Kürbis-Crumble mit Schokoladenstreuseln. Wer sich nicht zwischen Süßem und Saurem entscheiden kann, wählt am besten etwas Süßsaures. (Hier entlang zum Rezept .)
…mit einer Geschichte über den »Peinstull« von Rothenburg ob der Tauber. Der Direktor des dortigen Kriminalmuseums hat zu dem mittelalterlichen Folterinstrument recherchiert und Gruseliges entdeckt. (Lesen Sie hier den ganzen Artikel .)
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihre
Anna Clauß, Autorin der Chefredaktion
Source: Der Spiegel · Anna Clauß
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