1. Glückliche Verlierer

Schon lange sucht Deutschland nach einem Standort für giftigen Atommüll. Es ist ein Wettbewerb, den kein Bundesland gewinnen will. Heute durften Hessen, Sachsen und Berlin strahlen vor Freude: Ihr Grund und Boden scheidet bei der weiteren Suche aus. Das Saarland und Rheinland-Pfalz waren schon 2020 und 2025 aussortiert worden. (Lesen Sie hier mehr.)

Atommüll (Symbolbild)

Atommüll (Symbolbild)

Foto: Sylvio Dittrich / imageBROKER / picture alliance

Laut Analyse der zuständigen Bundesgesellschaft für Endlagerung gibt es vor allem im Nordwesten Deutschlands, aber auch im Osten sowie in Bayern kleine Gebiete, deren Geologie grundsätzlich für die Endlagerung von Atommüll infrage kommt. Gesucht wurde nach Steinsalz-, Ton- oder Kristallgestein. Solche geologischen Formationen können Strahlung verlässlich abschirmen. Gleichzeitig muss der Atommüll dort gefahrlos etwa eine Million Jahre lang gelagert werden können, und zwar in mindestens 300 Meter Tiefe.

Derzeit wird Atommüll in Deutschland in 16 Zwischenlagern verwahrt. »Auch aus Gründen der Terrorabwehr kann das keine dauerhafte Lösung sein«, findet mein SPIEGEL-Kollege Christoph Seidler. Deutschland brauche ein Endlager. »Und Bayern darf sich nicht wegducken bei der Frage, wo dies am besten sein wird.« Christoph empört sich zu Recht darüber, dass Bayerns Ministerpräsident Markus Söder lautstark für Atomkraft wirbt und neuerdings sogar ein Pilotprojekt mit Minireaktoren plant, aber ein Atommüllendlager in Bayern abwehren möchte. Das »dürfe man Söder nicht durchgehen lassen«. (Lesen Sie hier seinen Leitartikel .)

2. Schicksalswahl in Israel

Die Wahllokale in Israel sind noch bis 22 Uhr Ortszeit geöffnet. In Tel Aviv berichteten Augenzeugen von langen Schlangen. Die Parlamentswahl wird von vielen als Schicksalswahl für die innenpolitische und gesellschaftspolitische Ausrichtung des Landes gesehen. Es ist die erste Parlamentswahl seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem Gazakrieg. (Lesen Sie hier mehr.)

Stimmabgabe in Jerusalem am Dienstagmorgen: Ausgang völlig offen

Stimmabgabe in Jerusalem am Dienstagmorgen: Ausgang völlig offen

Foto:

Ohad Zwigenberg / AP

Die israelische Wahlkommission meldete um zwölf Uhr Ortszeit bereits eine Wahlbeteiligung von 31,5 Prozent, den höchsten Mittagswert seit den Siebzigerjahren. Nach Medienberichten sind zudem 70.000 Israelis aus dem Ausland angereist, um vor Ort ihre Stimme abzugeben. (Lesen Sie hier mehr.)

Laut Umfragen zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Israels Premierminister Benjamin Netanyahu setzte im Wahlkampfendspurt auf Eskalation und Panikmache, unter anderem mit KI-generierten Bildern von Atomexplosionen in Tel Aviv. Sein wichtigster Herausforderer ist der frühere Militärchef Gadi Eisenkot. Nach der Stimmabgabe sagte er: »In Israel weht ein Wind der Veränderung.«

Ob er recht behält, können Sie ab circa 18 Uhr auf SPIEGEL.de im Liveblog zur Wahl in Israel verfolgen.

3. Abgetauchte Lehrerin angeklagt

Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat Anklage gegen eine Lehrerin erhoben, die 16 Jahre lang krankgeschrieben war und trotzdem ihr Gehalt erhielt. Ihr Fall hatte vergangenes Jahr bundesweit für Empörung gesorgt. (Lesen Sie hier mehr .) Dass die krankgeschriebene Lehrerin offenbar das Fach »Gesundheitswesen« unterrichtete, war eine besondere Pointe der Geschichte. Der 62-Jährigen drohen nun mehrere Jahre Haft, sollte sich der Vorwurf des Betrugs und der Urkundenfälschung erhärten.

Berufskolleg in Wesel: Seit August 2009 nicht mehr dort unterrichtet

Berufskolleg in Wesel: Seit August 2009 nicht mehr dort unterrichtet

Foto: Mendel / Funke Foto Services / IMAGO

Die Anklage wirft der Lehrerin vor, nicht nur bei ihrer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung geschummelt zu haben. Sie soll sich auch ihre Tauchtauglichkeit von einer nicht existenten Ärztin bescheinigt haben lassen. Insgesamt könnte die mutmaßliche Abtauchspezialistin im Tatzeitraum Bezüge in Höhe von rund einer Viertelmillion Euro zu Unrecht erhalten haben.

Bislang hat sich die Frau nicht zu den Vorwürfen geäußert. Es gilt die Unschuldsvermutung. Wegen der Verjährungsfristen könne die Beamtin nur für einen Teil ihrer mutmaßlichen Vergehen angeklagt werden, das sei etwas unbefriedigend, sagt meine Kollegin Swantje Unterberg. »Eine so lange Krankschreibung bei vollen Bezügen ist aber auch die absolute Ausnahme.«

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Finnlands Präsident und Norwegens Premier haben erstmals mit Putin telefoniert: Finnlands Präsident Stubb und Norwegens Regierungschef Støre haben mit Kremlchef Putin über dessen Krieg gegen die Ukraine gesprochen. Das Gespräch sei »direkt und sachlich« gewesen, heißt es aus Helsinki.

  • Klingbeil will Patzer zur Tabaksteuer im November ausbügeln: Die Erhöhung der Tabaksteuer tritt erst zum neuen Jahr in Kraft – das steht so aber nicht im zuletzt veröffentlichten Gesetzestext. Nun soll nachgebessert werden.

  • Niederlande boykottieren auch 2027 ESC wegen Israels Teilnahme: Die Niederlande sagen ihre Teilnahme am Eurovision Song Contest auch für 2027 ab – trotz zwischenzeitlicher Zusage. Die Begründung: aktuelle »Empfindlichkeiten« rund um das Thema Israel.

  • CO₂ in der Atmosphäre steigt auf Rekordwert: »Ein neues Jahr, ein neuer Rekord«: Treibhausgase speicherten eine noch nie da gewesene Menge an Wärme in der Atmosphäre, warnt die Weltwetterorganisation. Einen Fokus lenkt sie auf ein extrem potentes Gas.

Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

Bayern-Star Kane: »An sich selbst glauben«

Bayern-Star Kane: »An sich selbst glauben«

Foto:

Julian Baumann / DER SPIEGEL

Das größte Talent des Harry Kane: Er ist nicht der klassische Ballkünstler, der große Individualist auf dem Platz. Trotzdem ist Bayern-Stürmer Harry Kane jetzt Weltfußballer, vor Hochbegabten wie Kylian Mbappé und Lamine Yamal. Aus gutem Grund .

Was heute weniger wichtig ist

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mit der Orchidee, die nach ihm benannt wurde

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mit der Orchidee, die nach ihm benannt wurde

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Grünes für den Kanzler: In Singapur gibt es jetzt eine Orchidee, die den Namen »Vanda Friedrich Merz« trägt. Die Blume hat zahlreiche lila-braune Blüten und sattgrüne Blätter. Sie erhielt beim Antrittsbesuch des deutschen Regierungschefs in Singapur dessen Namen. Es sei »eine große Ehre« für ihn, sagte Merz bei der kurzen Taufzeremonie im Parlamentsgebäude. Die Orchidee ist die Nationalpflanze des Landes. Es hat Tradition, dass hochrangige Gäste dort geehrt werden, indem neu gezüchtete Orchideen nach ihnen benannt werden. So war es auch 2011 bei Angela Merkel (»Dendrobium Angela Merkel«) und 2022 bei Olaf Scholz (»Renanthera Olaf Scholz«).

Mini-Hohlspiegel

Aus der »Landshuter Zeitung«: »Obwohl der SV Essenbach bereits ab der dritten Minute mit einem Mann gespielt hat, ist dem SVE am neunten Spieltag der Fußball-A-Klasse Mallersdorf ein 8:0-Sieg in Neufahrn gelungen.«

Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.

Darüber diskutieren SPIEGEL-Leserinnen und -Leser heute

Und heute Abend?

Der McRib: Sandwichgewordener Beweis der Herrschaft des Menschen über die Natur

Der McRib: Sandwichgewordener Beweis der Herrschaft des Menschen über die Natur

Foto: McDonald's / AP

Sollten Sie zu den Menschen gehören, die den McRib für die Krone der Schöpfung amerikanischer Lebensmittelingenieure halten, haben Sie heute Abend wahrscheinlich zum letzten Mal die Gelegenheit, einen zu essen. McDonald’s nimmt ihn ab morgen aus dem Programm. Es sei der »deutscheste Burger, den es je gab«, schreibt mein Kollege Matern von Boeselager in seinem Nachruf. (Lesen Sie ihn hier .)

Der McRib besteht aus losem Schweinefleisch, das in Rippchenform gepresst und mit zuckriger Barbecuesoße getränkt wurde. Obendrauf noch ein paar Zwiebel- und Gurkenstücke – fertig ist Markus Söders Lieblings-Burger. Er esse bei McDonald’s am liebsten McRib oder Big Mac, teilte Bayerns Ministerpräsident vor zwei Jahren mit. Im französischen Fernsehen lachte man damals über die derben Deutschen und ihren obersten »Gastro-Populisten«.

Wer sich ebenfalls zu den Feinschmeckern zählt, möchte vielleicht dieses französisch inspirierte Burger-Rezept nachkochen: Champignon-Burger mit Rôtisseur-Crème-fraîche und geschmolzenem Comté-Käse. (Lesen Sie hier das Rezept .)


Einen schönen Abend wünscht

Ihre Anna Clauß, Autorin der Chefredaktion

Source: Der Spiegel · Anna Clauß

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