1. Wann wusste Weidel von den illegalen Spenden?
AfD-Spitzenfunktionärin Weidel 2018
Foto: Kay Nietfeld / dpaSeit Tagen arbeitet sich ein Team aus SPIEGEL-Kolleginnen und -Kollegen mithilfe eines Recherchenetzwerks durch das Material, das Hacker aus Mailpostfächern der AfD abgegriffen und online zur Verfügung gestellt haben. Das dauert, insgesamt ist der Datensatz rund 284 Gigabyte groß, es geht um mehr als 420.000 E-Mails und über 48.000 Dokumente. Deren Echtheit muss geprüft werden, Inhalte müssen recherchiert, Betroffene konfrontiert werden (mehr dazu hier ).
Nun gibt es erste, spannende Ergebnisse zu einer Spendenaffäre, die schon ein paar Jahre zurückliegt und für die heutige AfD-Chefin Alice Weidel zum Problem wurde. Und nun womöglich wieder zum Problem wird.
Im Jahr 2017 erhielt Weidels AfD-Kreisverband aus der Schweiz eine illegale Großspende von 132.000 Euro, gestückelt in mehrere Tranchen. Mit dem Geld sollte der Bundestagswahlkampf der damaligen Spitzenkandidatin Weidel finanziert werden. Nach einem Gerichtsurteil musste die AfD später 400.000 Euro Strafe zahlen. Weidel beteuerte stets, nichts falsch gemacht zu haben. Sie überstand die Affäre – und stieg zur Parteichefin auf.
Nun legen Mails und Dokumente zu dem Fall, die der SPIEGEL, das ZDF und der österreichische »Standard« gemeinsam ausgewertet haben, nahe, dass Weidel die Öffentlichkeit und die eigene Partei augenscheinlich getäuscht hat. Demnach wusste die AfD-Politikerin wohl früher von den Zahlungen, als bisher behauptet. Offenbar rechnete sie mit dem Eingang der Spenden, auch der Ursprung des Geldes war in ihrem Umfeld offenbar früh bekannt.
Weidel will davon nichts wissen. Konfrontiert mit den Erkenntnissen aus dem Datenleak erklärt ihr Sprecher, die AfD-Chefin revidiere »keine ihrer Aussagen in der Causa«. Ob das reicht, um die Sache kleinzuhalten, bleibt abzuwarten.
Wir dürfen jedenfalls gespannt sein, was das Datenleak sonst noch ans Licht befördert.
Lesen Sie die ganze Geschichte hier: Datenleck bei der AfD – E-Mails belasten Weidel
2. Der Star heißt nicht Söder
CSU-Chef Söder: Pathos statt Pointen
Foto: Chris Emil Janßen / picture allianceDie CSU ist heute in ihren Parteitag gestartet. Noch bis morgen sitzen in München mehr als 1000 Delegierte und Gäste zusammen. Zum Auftakt spricht, na klar, der Chef. Nach dem 83-Prozent-Dämpfer bei der Wiederwahl im vergangenen Jahr kann Markus Söder die Sache diesmal entspannt angehen. Wahlen stehen nicht an.
Und überhaupt: Nachdem vor ein paar Monaten noch die Söder-Dämmerung angebrochen zu sein schien, hat sich der bayerische Ministerpräsident wieder gefangen. Döner war gestern, der neue Söder gibt sich seriös, als Stabilitätsanker der Koalition und stille Kanzlerreserve.
Der Star des Parteitags, damit muss Söder klarkommen, dürfte ohnehin jemand anderes sein – obwohl die Tagesordnung gar keinen großen Auftritt für sie vorsieht. Es geht um Ilse Aigner, Topanwärterin für das Amt der Bundespräsidentin. Der CSU-Chef selbst hat die bayerische Landtagspräsidentin zur Idealbesetzung für die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier ausgerufen – und damit eine gefährliche Konkurrentin im Freistaat weggelobt. Seither finden sich über alle Parteigrenzen hinweg immer mehr Unterstützer für Aigner. Nur der Kanzler und seine CDU zieren sich. Weil man gern jemanden aus den eigenen Reihen vorschlagen würde.
Friedrich Merz kommt als CDU-Vorsitzender natürlich auch zum Parteitag der Schwesterpartei. Seine Rede ist für den Abschluss des Treffens am Samstagmittag vorgesehen. Bis dahin werden Söder und die CSU so eifrig für Ilse Aigner trommeln, dass der Kanzler sich irgendwie zu ihr verhalten muss.
Lesen Sie dazu den SPIEGEL-Leitartikel: Söder is back
3. Frankreich im Alarmzustand
Demonstranten mit Palästinaflagge in Paris: Was hat Gaza mit den maroden französischen Schulen zu tun?
Foto: Camilla Baronetto / JNA / ZUMAPRESS / picture allianceFrankreich kommt nicht zur Ruhe. Aus einem Auto heraus hat ein Mann heute in mehreren Orten nahe Paris offenbar wahllos mit einer Schusswaffe auf Passanten gefeuert. Er tötete dabei einen Menschen, verletzte mehrere weitere. Die Polizei konnte einen Verdächtigen festnehmen. Die Ermittlungsbehörden prüfen, ob die Tat einen terroristischen Hintergrund hat (mehr dazu hier).
Die Attacke trifft Frankreich in einer ohnehin angespannten Lage. Nach den Gewaltexzessen in vielen Städten am vergangenen Wochenende rüstet sich das Land für neue, landesweite Proteste am morgigen Samstag. Offiziell geht es dabei unter anderem um Lehrermangel, hohe Lebenshaltungskosten und stagnierende Löhne. Die Sorge vor erneuten Krawallen und Plünderungen ist aber groß.
Innenminister Laurent Nuñez hat deswegen heute angekündigt, dass die Polizei diesmal hart durchgreifen werde. 70.000 Einsatzkräfte seien mobilisiert, darunter Spezial- und Eliteeinheiten, auch gepanzerte Fahrzeuge und Wasserwerfer stehen bereit. Ausgangsbeschränkungen und Demonstrationsverbote an sensiblen Orten, also etwa in direkten Innenstadtbereichen, sollen dabei helfen, die Lage unter Kontrolle zu halten.
Hoffen wir, dass es gelingt. Hoffen wir, dass die Vernunft siegt. Auf allen Seiten.
Lesen Sie dazu den Kommentar: Wer Probleme relativiert, stärkt die politischen Ränder
Was heute sonst noch wichtig ist
Abstand zwischen AfD und Union wird in Umfrage kleiner: Nach dem Umfragetief der vergangenen Monate sieht die Forschungsgruppe Wahlen CDU und CSU wieder leicht im Aufwind. Die AfD verliert demgegenüber, wie auch Grüne und Linke. Verbessert zeigt sich die SPD.
Fake-Umfragen veröffentlicht – angebliches US-Meinungsforschungsinstitut fliegt auf: Sogar die »New York Times« griff auf Umfragen von Wedgewood Polling zurück – aber die Zahlen waren frei erfunden. Warum sie trotzdem in Umlauf kamen, dafür haben die angeblichen Meinungsforscher eine erstaunliche Erklärung.
Israel bereitet nach Angriff »vollständige Abriegelung« des Westjordanlands vor: Israels Militär hat nach einer Schusswaffenattacke im Westjordanland zwei mutmaßliche Angreifer getötet. Die Armee bereitet sich auf die Abschottung des Gebiets vor. Laut Premier Netanyahu ist ein »großer Anschlag« verhindert worden.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
Elisabeth Kutter: »Sieg für die Demokratie«
Foto:Privat
Bielefeld und seine Frau gegen Blau: Elisabeth Kutter sprach sich gegen die AfD aus und gegen Sympathisanten als Kunden in ihrer Apotheke. Es folgten: Beleidigungen, Morddrohungen – und ein Infostand der Partei. Doch die hat die Rechnung ohne Bielefeld gemacht .
Was heute weniger wichtig ist
Popstar Charli xcx: Verstärkt Verbindung zur Filmbranche
Foto: Hollie Adams / REUTERSStar-Statist: Die britische Sängerin Charli xcx, 34, bekommt ein Cameo im neuen Film von Martin Scorsese, 83. Wie der Branchendienst »Variety« berichtet, wird der Popstar in »What Happens at Night« einen Kurzauftritt haben. Welchen Part sie genau spielen wird, ist noch geheim. Die Hauptrollen in dem Gothic-Psychodrama nach der Romanvorlage von Peter Cameron spielen Jennifer Lawrence, 36, und Leonardo DiCaprio, 51.
Scorsese und Charli xcx arbeiten nicht zum ersten Mal zusammen. Zuletzt war der Oscarpreisträger neben Designer Marc Jacobs und Musiker John Cale auf dem Cover ihres Albums »Music, Fashion, Film« zu sehen.
Mini-Hohlspiegel
In einem Leipziger Restaurant
Darüber diskutieren SPIEGEL-Leserinnen und -Leser heute
Und heute Abend?
Ehemaliger Rennfahrer Vettel, 2025 in São Paulo: Die Welt ein Stück besser machen
Foto:Mark Sutton - Formula 1 / Formula 1 / Getty Images
Könnten Sie sich die Dokumentation »Being Sebastian Vettel« anschauen, die seit gestern in der ARD-Mediathek abrufbar ist (mehr dazu hier ). Der Vierteiler begleitet den erfolgreichsten deutschen Formel-1-Fahrer nach Michael Schumacher von den Anfängen im Kart über den Aufstieg in die Motorsport-Königsklasse, seine vier WM-Titel mit dem Red-Bull-Rennstall, das Karriereende im Aston Martin im Jahr 2022 bis hin zum Sebastian Vettel, der nach neuen Aufgaben jenseits der Rennstrecke sucht.
Vor allem wegen des letzten Teils ist die Doku auch für jene interessant, die für Autorennen nicht so viel übrighaben. Denn Vettel, heute 39 Jahre alt, ist inzwischen Umweltaktivist. Wie geht das zusammen? Wie passt das alte Leben auf dem Gaspedal zum neuen als Botschafter der Mobilitätswende? Auf der Suche nach einer Antwort auf diese Frage kommt sogar der frühere grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck zu Wort.
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Philipp Wittrock, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro
Source: Der Spiegel · Philipp Wittrock
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