1. Die Börse bebt

Händler an der New York Stock Exchange

Händler an der New York Stock Exchange

Foto: Michael Nagle / Bloomberg / Getty Images

Als Anleger brauchen Sie gerade gute Nerven. Der Sieg der Demokraten bei den amerikanischen Zwischenwahlen löst in den USA ein mittleres Börsenbeben aus. Vor allem die Aktien von Technologiekonzernen, die auf Künstliche Intelligenz setzen, sind eingebrochen. Sage und schreibe 3,2 Billionen Dollar an Marktwert wurden binnen eines Tages vernichtet. Erleben wir also gerade den großen KI-Crash, den viele schon länger fürchten?

Einmal durchatmen. Von einem Crash kann man noch nicht sprechen, dafür sind die Kursverluste nicht dramatisch genug. Die Techbörse Nasdaq befinde sich aber in einer sogenannten Korrekturphase, wie mein Kollege Udo Trichtl erklärt .

Korrekturphase – das klingt doch viel harmloser. So, als sei notwendig, was da passiert. Und das ist es ja auch: Die KI-Investitionen sind enorm, Kredite lassen die Schuldenberge der Konzerne wachsen, während manche Quartalszahlen nicht besonders gut aussehen. Da ist es durchaus angebracht, sich dem KI-Boom nicht blind hinzugeben, sondern bei manchem Unternehmen auch mal die Substanzfrage zu stellen.

Sollten Sie Ihr Geld zum Beispiel in ETFs angelegt haben – keine Panik. Der MSCI World etwa hat zwar auch verloren, seit Jahresbeginn liegt er aber immer noch deutlich im Plus. Was man in guten Börsenzeiten gerne vergisst: Korrekturen und sogar Crashs gehören zum Aktienmarkt nun mal dazu. Zur Beruhigung: Zur Börseneröffnung in den USA haben sich Technologie-Aktien schon wieder ein wenig erholt.

2. Wer hackte die AfD?

AfD-Chefin Weidel, X-Account mit Details zum Datenleak

AfD-Chefin Weidel, X-Account mit Details zum Datenleak

[M] DER SPIEGEL; Foto: Michael Kappe / dpa / picture alliance

Seit Mitte Oktober durchforstet ein SPIEGEL-Team Hunderttausende E-Mails und Dokumente aus dem AfD-Datenleak. Fertig sind die Kolleginnen und Kollegen noch lange nicht, aber einige interessante Informationen haben sie bereits aus dem 280-Gigabyte-Datensatz ausgegraben.

So geht aus den E-Mails etwa hervor, dass AfD-Chefin Alice Weidel in der Affäre um illegale Wahlkampfspenden aus der Schweiz im Jahr 2017 wohl Öffentlichkeit und Partei getäuscht hat (mehr dazu hier ). Weidel weist das zurück. Auch zeigen die Dokumente, wie sich die Partei radikalisiert hat (mehr dazu hier ) und wie eng sie bisweilen mit rechtsextremen Aktivisten verzahnt ist (mehr dazu hier ).

Wer hinter dem Datenleck steckt, war bisher unbekannt. Nun aber konnten der SPIEGEL und das ZDF die mutmaßlichen Hacker ausfindig machen . Die Spur führt unter anderem zu einem Programmierer, der in den USA lebt und offenbar zur berüchtigten »Com«-Szene im Internet gehört. »Com« steht kurz für »Community«, es handelt sich um ein Netzwerk, in dem Gewalt und Missbrauch verherrlicht werden. Das Bundeskriminalamt warnt vor dieser Szene, weil Mitglieder mitunter Minderjährige zu Selbstverletzungen und Straftaten anstacheln.

Warum aber nahmen der Hacker und mögliche Komplizen die AfD ins Visier? Ein politisches Motiv gibt es offenbar nicht, zumindest lässt es sich bisher nicht nachvollziehen. Ein Hacker, bei dem es sich möglicherweise um den oder einen der AfD-Angreifer handelt, schrieb meinen Kollegen: Die AfD sei »zu einem verlockenden Ziel« geworden, weil ihre IT-Sicherheit »so lasch und schwach« gewesen sei.

3. Emde droht Ausschluss

Gregor Gysi

Gregor Gysi

Foto:

Daniel Löb / dpa

Findet die Hängepartie um Vanessa Emde bald ein Ende? Zumindest scheint sich die Spitze der Berliner Linken nun endlich dazu durchzuringen, offiziell auf Distanz zu der umstrittenen Abgeordneten zu gehen. Der Landesvorstand könnte Emde heute Abend per Beschluss dazu auffordern, ihr Mandat für das Abgeordnetenhaus zurückzugeben. Über diesen Plan berichtet der »Tagesspiegel.«

Emde belastet die rot-grün-roten Koalitionsverhandlungen in der Hauptstadt mit ihrer radikalen Israelkritik. Wiederholt hat sie das Existenzrecht Israels in Frage gestellt und sich mit dem propalästinensischen Terrorsympathisanten Ibrahim Ibrahim solidarisiert. Eine Regierungsbeteiligung der Linken lehnt Emde ab. Beim Parteitag, der mit großer Mehrheit dafür stimmte, mit SPD und Grünen über eine Koalition zu verhandeln, demonstrierte sie lieber vor der Tür.

Ihre Provokationen lassen eher nicht vermuten, dass sich Emde nun dem Druck der Parteispitze beugt – zumal sie in Neukölln direkt gewählt wurde. Was dann? In der kommenden Woche könnte der Linken-Fraktionsvorstand den Ausschluss Emdes aus der Fraktion beantragen. Laut »Tagesspiegel« gibt es eine entsprechende Absprache, so vorzugehen. Entscheiden müssten darüber alle Linken-Abgeordneten, und zwar mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit. Inzwischen gilt diese als wahrscheinlich, große Teile der Fraktion sind genervt von der Dauerbeschäftigung mit Emde.

Dennoch: Ob mit einem Ausschluss Ruhe in den Koalitionsgesprächen einkehren wird, ist fraglich. Gegen einen Rauswurf Emdes dürfte das regierungskritische Lager in der Partei lautstark protestieren.

Was heute sonst noch wichtig ist

Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

Finanzminister Klingbeil

Finanzminister Klingbeil

Foto: Hanna Wiedemann / DER SPIEGEL

Was heute weniger wichtig ist

Foto: Vivien Killilea / ABA / Getty Images

Der ideale Schwiegersohn: Herzlichen Glückwunsch, Ethan Hawke. Der Schauspieler wird heute 56. Ihn wurmt allerdings, dass sein Schwiegersohn, der Musiker Christian Lee Hutson, 36, bereits gestern feiern durfte. »Dieser Typ hat die Frechheit, seinen Geburtstag am Tag vor meinem zu haben«, klagte Hawke in der »Tonight Show« von Jimmy Fallon. Hutson stehle ihm mit seiner eigenen Tochter die Show. Die Schauspielerin Maya Hawke, 28, bekannt unter anderem aus »Stranger Things«, ist seit Februar mit Hutson verheiratet. Wirklich ernst meint Daddy die Sticheleien nicht. Hawke stellte klar: Sein Schwiegersohn sei ein »toller Kerl«.

Mini-Hohlspiegel

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Darüber diskutieren SPIEGEL-Leserinnen und -Leser heute

Und am Wochenende?

Szene aus »Friesenjunkies«

Foto:

ARD

Könnten Sie mit der neuen Serie »Die Friesenjunkies« starten, die von heute an in der ARD-Mediathek abrufbar ist. Die Impro-Dramedy, wie die ARD es nennt, erzählt Geschichten und Schicksale aus eine Luxus-Entzugsklinik auf Sylt. Echt jetzt, fragen Sie sich vielleicht, das soll ich mir antun?

Mein Kollege Christian Buß hat es bereits getan. Sein Urteil: Man sollte sich nichts vormachen, der Zuschauer wird einer ziemlich brachialen humoristischen Druckbetankung ausgesetzt. »Aber das Tolle ist eben auch«, meint Christian, »dass hier trotz des drogeninduzierten Boah!-Effekts glaubhafte Figuren um Zuneigung und Gesehenwerden buhlen«. So erreiche der Achtteiler zwischen Komasaufen und Liebeskummer zuweilen eine unerwartete Schönheit und Tiefe. (Hier geht es zur ganzen Rezension .)

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Philipp Wittrock, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro

Source: Der Spiegel · Philipp Wittrock

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