In zahlreichen Großstädten hat es nach den insgesamt friedlichen Demonstrationen von jungen Menschen Ausschreitungen gegeben. Dabei kam es zu Plünderungen, Molotowcocktails flogen auf Polizisten, Schaufensterscheiben wurden eingeschlagen. Zwei Städte standen besonders im Fokus: Frankfurt am Main und Köln.

In beiden Metropolen spitzte sich nach den bundesweiten »Gen Z regelt«-Protesten die Lage am späten Abend zu. In der Frankfurter Innenstadt drangen mehrere Personen in Geschäfte ein und stahlen Turnschuhe und andere Gegenstände. Auch ein Waffenfachgeschäft wurde attackiert.

Die Polizei sprach ebenfalls davon, dass an mehreren Läden Scheiben eingeschlagen wurden. «Es werden zudem Molotowcocktails auf Einsatzkräfte geworfen.« Mehr als 30 Personen wurden bis zum späten Abend in Frankfurt vorläufig festgenommen. Beamte seien schnell vor Ort gewesen und hätten zwei Waffen sichergestellt, sagte ein Polizeisprecher.

Die Frankfurter Polizei sperrte die Einkaufsstraße Zeil ab, sogar Spezialeinsatzkräfte der Polizei waren in der Innenstadt im Einsatz. Der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) kündigte mit Blick auf die Krawalle ein hartes Vorgehen gegen die Randalierer an. »Ich bin schockiert über die Gewaltexzesse in Frankfurt. Wir haben Bilder gesehen, die wir nicht sehen wollten«, erklärte Poseck. Die Polizei blieb in der gesamten Nacht zu Sonntag in der Innenstadt stark präsent.

Polizeieinsatz in Köln

Polizeieinsatz in Köln

Foto: Christoph Reichwein / dpa

In Köln kam es auf der Domplatte nahe dem Hauptbahnhof zu Angriffen auf Polizisten. Flaschen wurden geworfen, Fahrräder flogen, ein Mensch erlitt Verletzungen. Randalierer wurden festgesetzt. Es gab nach Polizeiangaben fünf Ingewahrsamnahmen. In einer Nebenstraße ging demnach eine Fensterscheibe durch einen geworfenen E-Scooter zu Bruch.

Der Kölner Polizeipräsident Johannes Hermanns verteidigte die kurzfristige Untersagung des Aufzugs durch die Stadt. »Wir haben Molotowcocktails und Nothämmer bei Vermummten sichergestellt. Wofür die mitgeführt wurden, braucht wohl keine Erläuterung!«, sagte Hermanns. Er sei sich sicher, »dass wir heute am späten Nachmittag verhindert haben, dass aus Köln Bilder live gesendet werden, die an Paris und Mailand erinnern«.

Vor den abendlichen Ereignissen hatte die Initiative »Gen Z regelt« ein positives Fazit der Jugendproteste am Nachmittag gezogen. »Was nach dem Ende der Kundgebungen passiert ist, darauf hatten wir keinen Einfluss«, sagte ein Sprecher vom Presseteam, der öffentlich nur unter seinem Vornamen Amadeo auftreten will. »Heute haben hunderttausend Menschen gezeigt, wofür sie auf die Straße gehen«, sagte Amadeo.

Zugleich betonte er, dass seine Initiative in drei Wochen wieder viele junge Menschen für Aktionen mobilisieren wolle. »Für uns ist das nur der erste Schritt. Wir wollen uns an den europaweiten Protesten am 20. November beteiligen.«

Die Initiative »Gen Z regelt« hatte zu friedlichen Demonstrationen in mehr als 30 deutschen Städten aufgerufen. Sie fordert mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten, für soziale Gerechtigkeit und mehr Klimaschutz.

Kurz vor 20 Uhr nannte der Sprecher vom Presseteam der Initiative »Gen Z regelt« eine Teilnehmerzahl von mehr als 100.000, die Zahlen von sechs bis acht Städten würden noch fehlen. Bundesweite Zahlen der Polizei lagen zunächst nicht vor.

Vorfälle auch in Berlin, Hamburg und Stuttgart

In Berlin stand der Protestzug im Kontext mit den bundesweiten Jugendprotesten, war aber nicht Teil der bundesweiten Demos der Initiative »Gen Z regelt«. Bei deren Veranstaltung am Brandenburger Tor hatten am Nachmittag Tausende Menschen friedlich demonstriert. Rund 700 Menschen versammelten sich dann am frühen Abend und starteten einen Protestzug, der von der Polizei vorzeitig beendet wurde. Danach kam es laut Polizei über Stunden zu einer »Art Katz-und-Maus-Spiel». Die Bilanz: 27 Beamte seien leicht verletzt sowie bis zu 56 Teilnehmer vorübergehend festgenommen worden, so die Polizei in einem Video auf X vom späten Abend.

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In Hamburg geriet die Lage nach einem weitgehend störungsfreien Verlauf gegen Abend in der Nähe des Hauptbahnhofes teils aus dem Ruder. So zündeten gegen Ende der Demonstration schwarz gekleidete und teils vermummte Menschen mehrfach Pyrotechnik, rissen Baustellenabsperrungen aus ihren Verankerungen und steckten diese in Brand.

Szene aus Hamburg vom Samstagabend

Szene aus Hamburg vom Samstagabend

Foto: Jonas Walzberg / REUTERS

In Stuttgart gab es erhebliche Verstöße gegen die versammlungsrechtlichen Auflagen: Dazu zählten insbesondere Verstöße gegen das Vermummungsverbot, das Abweichen von der festgelegten Demo-Route sowie das Zünden von Böllern.

Am späten Abend teilte die Polizei mit, dass fünf Polizisten leicht verletzt worden seien. Insgesamt wurden rund 50 Straftaten verzeichnet, mehrere Tatverdächtige seien vorläufig festgenommen worden. Nach dem Ende der Versammlung sei es vereinzelt weiter zu Auseinandersetzungen und Angriffen auf Beamte gekommen. »Die erheblichen Verstöße gegen die Auflagen und das Verhalten gegenüber der Polizei können wir (...) nicht einfach hinnehmen«, sagte Ordnungsbürgermeister Clemens Maier nach Angaben der Stadt. »Das wird ordnungsrechtliche Konsequenzen haben.«

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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