Am 3. November stehen in den USA die wichtigen Midtermwahlen an. In einigen Bundesstaaten kann aber schon jetzt gewählt werden, darunter in Texas. Der Bundesstaat ist traditionell eine Hochburg der Republikaner. Seit Jahrzehnten hat es kein Kandidat der Demokraten geschafft, Senator zu werden. Das könnte sich in diesem Jahr ändern: Der Demokrat James Talarico liegt in Umfragen derzeit vor seinem republikanischen Kontrahenten, dem Trump-Loyalisten Ken Paxton.
Und Talarico kann sich nun eines weiteren, sehr prominenten Fürsprechers rühmen: Neil Bush, Sohn von George H.W. Bush (41. US-Präsident) und Bruder von George Bush (43. US-Präsident). In einer Facebook-Nachricht erklärte Neil Bush, 71, seine Stimme bereits abgegeben und für Talarico gestimmt zu haben. Er sei den größten Teil seines Lebens Republikaner gewesen, schrieb Bush. Und er glaube noch immer fest an viele republikanische Grundsätze. »Aber Charakter zählt mehr als Parteizugehörigkeit.«
Er sei »zutiefst beunruhigt« über Paxtons Verhalten als Generalstaatsanwalt von Texas, so Bush, »insbesondere über seine Entscheidung, die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen 2020 in anderen Bundesstaaten anzufechten, um Donald Trump dabei zu helfen, an der Macht zu bleiben«.
Paxton ist seit Jahren in politische und private Skandale verwickelt. Das Repräsentantenhaus in Texas hatte sich 2023 für seine Amtsenthebung wegen Machtmissbrauchs und Korruption ausgesprochen, erst der texanische Senat bewahrte ihn davor. Paxtons Noch-Ehefrau, eine Landessenatorin, wirft ihm Affären vor und lässt sich gerade von ihm scheiden (mehr hier ).
Bush teilt gegen Trump aus
Der US-Präsident habe der republikanischen Partei »enormen Schaden« zugefügt, so Bush. Er schrieb von einer »politischen Kultur, in der die Loyalität gegenüber einer Einzelperson Vorrang vor der Loyalität gegenüber Grundsätzen hat und in der diejenigen, die an der Macht sind, allmählich glauben, sie müssten niemandem mehr Rechenschaft ablegen«.
Das Land brauche Führungskräfte, die »unsere Institutionen respektieren, die Wahrheit sagen, Verantwortung übernehmen und danach streben, zu vereinen statt zu spalten«, erklärte Bush. Als Beispiel nannte er: den demokratischen Kandidaten. Er beschrieb Talarico als einen »prinzipientreuen, pragmatischen Führer«, der bereit sei, »denen zuzuhören, mit denen er nicht einer Meinung ist«.
Bei den Kongresswahlen am 3. November wählen die USA das Repräsentantenhaus und einen Teil des Senats neu. Für Trump steht die republikanische Mehrheit in den beiden Kongresskammern auf dem Spiel.
Die Beliebtheitswerte des US-Präsidenten sanken zuletzt auf einen Tiefstwert. Viele Bürgerinnen und Bürger machen ihn für die hohen Lebenshaltungskosten verantwortlich. In der Kritik steht er auch wegen seines Irankriegs. Trump hatte Paxton offiziell unterstützt und ihn als Kandidaten für Texas empfohlen (mehr dazu hier ).
Es dürfte der teuerste Kongresswahlkampf der US-Geschichte sein: In seiner Wahlheimat Texas versucht Elon Musk, die verkorkste Kampagne des Trump-Kandidaten zu retten. Mit 158 Millionen Dollar. Mehr dazu erfahren Sie hier .
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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