Demokraten-Siege bei Midterms Wo die Ergebnisse historisch sind
Stand: 04.11.2026 • 12:23 Uhr
Die erste schwarze Gouverneurin, eine indigene Senatorin und demokratische Siege in republikanischen Hochburgen wie Kansas oder Texas: Den Demokraten gelang bei den Midterms vielerorts Historisches - eine Auswahl.
Mit dem Begriff "historisch" sollte man zu recht zurückhaltend umgehen, doch mit Blick auf den Ausgang der Midterms in den USA passt er ausnahmsweise ziemlich gut. Den Demokraten gelang gleich in mehreren Bundesstaaten Historisches, und die Niederlage der Republikaner von Präsident Donald Trump nimmt mancherorts beispiellose Dimensionen an.
Kansas: Die längste Serie ist beendet
Dass in Kansas echter Wahlkampf geführt wird, kam für viele bereits überraschend. Der landwirtschaftlich geprägte Bundesstaat im Mittleren Westen ist eine republikanische Hochburg, seit 94 Jahren gab es hier keinen demokratischen Senatoren mehr. Dies war die längste Serie dieser Art in den gesamten USA - und die ist nun vorbei.
Der Demokrat Adam Hamilton schaffte das "Wunder von Kansas". Der Gründer und Pastor der methodistischen Church of the Resurrection setzte sich gegen den von US-Präsident Donald Trump unterstützten Kandidaten Roger Marshall durch. "Ich kandidiere, weil ich der Meinung bin, dass unsere Verfassung derzeit unter Beschuss steht", hatte Hamilton, der politischer Neuling ist, seine Ambitionen begründet.
Adam Hamilton gewann in Kansas- der erste Demokraten-Sieg seit fast 100 Jahren.
Texas: Der Jüngste und die erste Latina
Auch Texas galt seit Jahrzehnten als sichere Bank für die Republikaner. Hier gewann seit 1988 kein Demokrat mehr einen Senatssitz. Nun setzte sich hier der Demokrat James Talarico durch. Der frühere Lehrer wird mit seinen 37 Jahren damit zugleich der jüngste Senator der USA. Er gewann gegen den von Präsident Trump unterstützten republikanischen Kandidaten Ken Paxton.
Techmilliardär Elon Musk hatte Paxtons Wahlkampf mit mehr als 150 Millionen Dollar unterstützt. Talarico bekam dagegen die Unterstützung aus der Familie der früheren US-Präsidenten George W. Bush und George H.W. Bush - eine der Dynastien der Republikaner in Texas.
Bei der Gouverneurswahl gab es in Texas ebenfalls ein historisches Ergebnis: Die 52-jährige Gina Hinojosa setzte sich gegen den republikanischen Amtsinhaber Greg Abbott durch - sie wird damit die erste Latina an der Spitze des südlichen Bundesstaats. Menschen mit Wurzeln in Lateinamerika machen knapp 41 Prozent der Bevölkerung in Texas aus. Hinojosa ist zugleich die erste Demokratin seit Ann Richards im Jahr 1990, die dort eine Gouverneurswahl gewinnt.
Michigan: Der erste Muslim
Landesweit galt das Senatsrennen in dem nördlichen Bundesstaat als eines der spannendsten. Nicht nur, weil Michigan ein klassischer Swing State ist, sondern auch wegen der Kandidaten und eines internen Streits bei den Demokraten, in dessen Verlauf eine prominente Demokratin plötzlich den republikanischen Kandidaten unterstützte.
Der demokratische Kandidat Abdul El-Sayed setzte sich dennoch bei den Senatswahlen gegen den Republikaner Mike Rogers durch. El-Sayed ist Sohn ägyptischer Einwanderer und wird der erste muslimische Senator der Vereinigten Staaten. Der Mediziner steht für einen Linkskurs und erhielt im Wahlkampf Unterstützung von prominenten Vertretern des linken Flügels der Demokraten, darunter die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez.
Wahlsieg in Michigan: Abdul El-Sayed (hier mit seiner Frau) steht für einen Linkskurs der Demokraten.
Georgia: Die erste Schwarze
Im südöstlichen Bundesstaat Georgia wird mit Keisha Lance Bottoms erstmals in der Geschichte der Vereinigten Staaten eine schwarze Frau Gouverneurin. Die Demokratin wird zugleich die erste Frau überhaupt an der Spitze des Bundesstaates sein. Die 56-jährige ehemalige Bürgermeisterin von Atlanta setzte sich bei der Wahl in Georgia gegen den republikanischen Geschäftsmann Rick Jackson durch, obwohl die Republikaner deutlich mehr Geld für den Wahlkampf ausgegeben hatten. Milliardär Jackson hatte mehr als 200 Millionen Dollar aus seinem Privatvermögen in den Wahlkampf investiert.
Bottoms ist die erste Demokratin seit 1998, die eine Gouverneurswahl in Georgia für sich entscheiden konnte.
Neben einer schwarzen Frau als Gouverneurin wählten die Bürger des Bundesstaats auch den ersten jüdischen Senator, den Demokraten Jon Ossoff, wieder. Er amtiert gemeinsam mit Raphael Warnock, dem ersten schwarzen Senator des Bundesstaats.
New Mexiko und Minnesota: Die ersten Indigenen
Unter US-Präsident Joe Biden war Deb Haaland Innenministerin - und bekleidete damit als erste indigene Frau einen Ministerposten in den USA. Jetzt hat sie erneut Historisches geschafft: Sie wird die erste indigene Gouverneurin der US-Geschichte. Haaland setzte sich im Bundesstaat New Mexico gegen den Republikaner Gregg Hull durch.
In Minnesota wurde mit Peggy Flanagan erstmals eine indigene Frau in den US-Senat gewählt.
Deb Haaland wird die erste indigene Gouverneurin der US-Geschichte.
New Hampshire
Im Ostküstenstaat New Hampshire verteidigte der Demokrat Chris Pappas das Senatsmandat für seine Partei gegen den Republikaner John Sununu. Der 46-jährige Pappas ist der erste offen schwule Politiker, der in den Senat in Washington einzieht.
Washington: So viele Frauen wie noch nie
Auch im Repräsentantenhaus zeichnet sich ein neuer Rekord ab. Nach Angaben der New York Times sind die Demokraten auf dem Weg, erstmals mehr als 100 Frauen in ihre Fraktion zu entsenden. Das wäre ein Zuwachs von mehr als 60 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts. Die endgültige Zahl steht angesichts noch ausstehender Wahlergebnisse allerdings noch nicht fest.
Mit dem demokratischen Machtwechsel in der Kammer könnte zudem ein weiterer historischer Moment bevorstehen: Sollte der bisherige Minderheitsführer Hakeem Jeffries im Januar zum Vorsitzenden des Repräsentantenhauses gewählt werden, wäre er der erste Schwarze in diesem mächtigen Amt.
Und noch eine historische Marke: Erstmals seit rund 15 Jahren stellen die Demokraten Hochrechnungen zufolge wieder die Mehrheit der Gouverneure in den USA. Mindestens 28 der insgesamt 50 Gouverneursposten des Landes werden künftig von Demokraten besetzt, mindestens 20 von Republikanern. Die restlichen Rennen sind noch nicht entschieden. Vor den Midterms hatten 26 Bundesstaaten einen republikanischen Gouverneur oder eine Gouverneurin, in 24 Bundesstaaten waren es Demokraten.
Source: Tagesschau · tagesschau.de
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