Deutsche Regierungsvertreter blicken angesichts der Midterms vorsichtig optimistisch auf die transatlantischen Beziehungen. Bei der Analyse des US-Wahlergebnisses gehen hierzulande aber die Meinungen auseinander.

04.11.2026, 16.20 Uhr

Außenminister Wadephul: »Eher etwas zuversichtlich, dass es im Kongress jetzt wieder mehr Gespräche geben wird« Außenminister Wadephul: »Eher etwas zuversichtlich, dass es im Kongress jetzt wieder mehr Gespräche geben wird«

Außenminister Wadephul: »Eher etwas zuversichtlich, dass es im Kongress jetzt wieder mehr Gespräche geben wird«

Foto: Katrin Luxenburger / dpa

Die Bundesregierung will die Midtermwahlen in den USA und die deutlichen Verluste für Donald Trumps Republikaner nicht offiziell bewerten. Einzelne Kabinettsmitglieder zeigen sich allerdings hoffnungsvoll, dass aus den starken Ergebnissen für die Demokraten eine Entspannung der zuletzt äußerst strapazierten transatlantischen Beziehungen resultieren könnte.

»Wir werden unsere enge Zusammenarbeit mit den USA fortsetzen, auch wenn es jetzt zu einer anderen Konstellation in den beiden Kammern kommen sollte«, teilte ein Regierungssprecher zunächst mit.

Er sei »eher etwas zuversichtlich, dass es im Kongress jetzt wieder mehr Gespräche auch zwischen beiden Parteien geben wird, was man gemeinsam tun kann, um die Ukraine zu unterstützen«, sagte dagegen Außenminister Johann Wadephul (CDU) bei einem Pressestatement im Bundestag. Im Kongress gebe es unter Demokraten wie unter Republikanern überzeugte Unterstützer der Ukraine, die einen klaren Blick darauf hätten, dass durch den russischen Aggressionskrieg nicht nur die Sicherheit und Freiheit in Europa, sondern auch für die USA bedroht seien. »Vielleicht ist das auch eine neue Chance, an der einen oder anderen Stelle eine neue Initiative zu ergreifen«, sagte Wadephul. Für Deutschland bedeute der Wahlausgang »sowohl Kontinuität wie Wandel«.

Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil gratulierte den US-Demokraten zu den Ergebnissen der Zwischenwahlen – und forderte sie zugleich zu einer engen Zusammenarbeit auf. Den Wahlausgang verbinde er auch mit dem Wunsch, »dass jetzt Dinge anders und besser werden«, sagte der SPD-Chef. »Das stiftet schon Zuversicht«, so Klingbeil. Lange Zeit sei es nur Richtung Rechtspopulismus gegangen. Nun habe sich in den USA die bürgerliche Mitte durchgesetzt.

Pistorius sieht »historischen Sieg« für Demokraten

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sprach von einem »historischen Sieg« der Demokraten. Zugleich betonte er, Deutschland werde mit der US-Regierung, »an der sich nichts ändert, die noch zwei Jahre im Amt sein wird, weiter vertrauensvoll zusammenarbeiten«.

Laut Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gebe es nun die »Chance auf einen Neuanfang« der Beziehungen. »Statt Konfrontation wollen wir mehr Kooperation«, schrieb der CSU-Chef auf X. Deutschland und Europa seien sehr an einer »freundschaftlicheren Zusammenarbeit« mit den Vereinigten Staaten interessiert, sagte Söder und betonte: »Bayern ist und bleibt transatlantisch, pro westlich und pro USA. Wir sind alte Freunde und jederzeit bereit, unsere Partnerschaft mit mehr Leben zu füllen.«

Der Transatlantik-Koordinator ‌der Bundesregierung, Metin Hakverdi (SPD), sagte: »Im Kern bleibt es auch ​nach dem klaren Sieg der Demokraten bei den Midterms dabei: Die ‌Außenpolitik wird vom Präsidenten bestimmt.« Die Demokraten hätten nun aber »eine ganze Reihe parlamentarischer Rechte in ihrem Instrumentenkasten«, sagte Hakverdi.

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Die AfD-Chefin Alice Weidel deutete Trumps Niederlage als Folge seiner Außenpolitik. Trump habe »seinen Wählern versprochen, keine interventionistische Außenpolitik zu betreiben«. Das Ausmaß der Niederlage sei »bemerkenswert und vor allem mit den verheerenden Folgen des Irankrieges zu erklären«.

Linkenchefin Ines Schwerdtner sprach von einer »krachenden Niederlage für die globale Rechte«. Die Stärkung gerade auch des linken Flügels der US-Demokraten sei »Grundlage für die Arbeit einer linken Präsidentin, die 2028 gewählt werden könnte«.

Erfreut zeigte sich auch Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge. Das Wahlergebnis sei »eine großartige Nachricht für die amerikanische Demokratie und ein Signal der Hoffnung weit über die USA hinaus«, sagte Dröge der Nachrichtenagentur AFP.

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fek/dpa/Reuters/AFP

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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