In den vergangenen fünf Jahren hat die Mehrzahl der deutschen Unternehmen Homeoffice in ihrem Betrieb zurückgefahren, wie aus einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom hervorgeht. Demnach haben 39 Prozent die Möglichkeiten zur Heimarbeit reduziert und 17 Prozent haben sie ganz abgeschafft. Demgegenüber stehen 29 Prozent mit unveränderten Regelungen sowie 14 Prozent, die Homeoffice sogar ausgeweitet oder seitdem neu eingeführt haben.

Aktuell ermöglicht etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen (54 Prozent) ihren Beschäftigten mobiles Arbeiten und Homeoffice. Mehr wäre prinzipiell wohl möglich: 77 Prozent der Unternehmen gaben an, Menschen zu beschäftigen, deren Tätigkeiten sich grundsätzlich aus dem Homeoffice oder mobil erledigen lassen. Eine Ausweitung planen aber nur 3 Prozent, 55 Prozent wollen ihre bestehenden Regelungen in den kommenden zwei Jahren unverändert fortführen. Über ein Drittel (35 Prozent) möchte die Homeoffice-Möglichkeiten jedoch reduzieren, 3 Prozent möchten sie ganz abschaffen. Befragt wurden laut Bitkom mehr als 600 Unternehmen aus Deutschland, die Ergebnisse sind laut dem Verband repräsentativ.

Familienfreundlicher und gut fürs Recruiting

Dabei ist vielen Unternehmen aber klar, dass Homeoffice ein wichtiger Faktor für die Personalgewinnung ist. Fast zwei Drittel (63 Prozent) meinten, ohne Homeoffice sei es schwieriger, gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. 71 Prozent sagten auch, dass Beschäftigte dadurch Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren können. 39 Prozent gaben sogar an, dass im Homeoffice in der Regel produktiver gearbeitet werde als im Büro. Allerdings gibt es auch Vorbehalte: 65 Prozent sagen, durch Homeoffice gehe der Zusammenhalt im Unternehmen verloren, 60 Prozent der Unternehmen sind der Auffassung, dass Homeoffice die Integration neuer Beschäftigter erschwert.

„Da während der Corona-Pandemie Homeoffice in vielen Unternehmen Pflicht war, überrascht der Rückgang kaum“, ordnet Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder die Ergebnisse ein. „Entscheidend ist heute nicht Homeoffice um jeden Preis, entscheidend ist ein Modell, das reibungslos funktioniert, die Leistungsfähigkeit des Unternehmens verbessert und zugleich Beschäftigten die gewünschte Flexibilität bietet.“

Prominentes Beispiel für weniger Homeoffice ist etwa die Deutsche Bahn. Anfang Oktober wurde bekannt, dass das Unternehmen bis Ende 2027 alle Mitarbeiter, für die Homeoffice möglich ist, auf drei Präsenztage pro Woche als Mindeststandard verpflichten will. Betroffen ist davon laut einem Sprecher ein Drittel der Belegschaft, also rund 75.000 Beschäftigte.

(axk)

Source: Heise · Axel Kannenberg

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