Ein Mann bekämpft einen Vegetationsbrand in Indonesien mit einem Eimer Wasser.

Nachbarländer spüren Auswirkungen Massive Waldbrände in Indonesien - Kritik an Regierung

Stand: 24.10.2026 • 12:26 Uhr

In Indonesien wüten die schlimmsten Feuer seit 2015. Hauptsächlich ausgelöst wurden die Feuer durch illegale Brandrodung. Die Nachbarn Singapur und Malaysia kritisieren die indonesische Regierung scharf.

Jennifer Johnston

Dicker orange-grauer Rauch zieht über Kalimantan auf der Insel Borneo. Die Menschen tragen Atemschutzmasken, die Sicht ist schlecht. Seit Juli brennen hier Wälder und Torfböden. Rund zwei Millionen Hektar sind in Indonesien bereits verbrannt - eine Fläche etwa so groß wie Rheinland-Pfalz.

Die 27-jährige Wasilah hat in den Feuern ihren Mann Aries verloren, der als Freiwilliger gegen die Flammen gekämpft hat. "Es war eigentlich nicht sein Job, aber er wollte helfen", erzählt die junge Frau einem Reporter der Nachrichtenagentur Reuters.

Seit Ausbruch der Brände hätten sie sich immer weniger gesehen, da er ständig im Einsatz war. "Normalerweise haben wir alles gemeinsam gemacht, sind überall zusammen hingegangen und haben zusammen gegessen. Ich vermisse ihn so sehr."

Ihre Tochter wischt ihr eine Träne weg. Auf dem Handy zeigt sie Videos von ihrem Mann Aries mit seiner kleinen Tochter. Bereits drei Freiwillige aus der Region sind laut der Katastrophenschutzbehörde bei Löscharbeiten in den vergangenen Wochen ums Leben gekommen.

Wütende Proteste gegen Regierung

In Indonesiens Hauptstadt Jakarta und auf den Inseln, wo die Feuer am schlimmsten wüten, gehen immer mehr Menschen auf die Straße. Sie protestieren gegen die Untätigkeit der Regierung, wie Fajar Wasis: "Wir fordern die Regierung auf, diese Krise der Wald- und Flächenbrände unverzüglich anzugehen und zu lösen."

Strafverfolgungsbehörden und zuständige Stellen hätten bislang nicht ausreichend den Willen oder die Fähigkeit gezeigt, gegen die Verursacher der Brände vorzugehen, sagt er. "Und die Feuer werden weiterhin in großem Umfang gelegt."

Auf einem Banner der Protestierenden steht: "Menschen - am Rande des Todes". Sie haben demonstrativ einen reglosen Körper in weiße Tücher eingewickelt. Die feinen Partikel von den Feuern sind gefährlich für die Lunge. Atemwegserkrankungen haben massiv zugenommen.

Luftverschmutzung gefährdet Gesundheit

Die winzigen Partikel mit einen Durchmesser von höchstens 2,5 Mikrometern können in den Blutkreislauf eindringen. Und die Werte sind schon seit langem weit über den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation. Schulen und Universitäten in der Region sind teils seit Monaten im Online-Unterricht.

"Es hat bereits Tote gegeben, und viele Menschen leiden. Die Zahl der Fälle akuter Atemwegsinfektionen ist auf mehrere Hunderttausend gestiegen", sagt Demonstrantin Naomi Artika der Nachrichtenagentur AFP. "Es gab zahlreiche Unfälle mit weitreichenden Kettenreaktionen. Aus all diesen Gründen fordern wir nachdrücklich, diese Katastrophe offiziell zum nationalen Notstand zu erklären."

Auch Nachbarländer betroffen

Dann könnten auch andere Länder helfen, meint Artika. Indonesien verzichtet jedoch vorerst auf angebotene Hilfe aus Singapur und Malaysia und erklärt, die Lage selbst bewältigen zu können.

Die Regierungen von Malaysia und Singapur haben inzwischen ungewöhnlich scharfe Worte gefunden gegenüber ihrem Nachbarn. Denn die Brände führen auch zu ungesunden Luftwerten in ihren Ländern, Hunderte Kilometer entfernt.

Singapur kündigt Konsequenzen an

Singapur will nun die Firmen zur Verantwortung ziehen, die für die Feuer verantwortlich gemacht werden. Dafür haben sie unter anderem Satellitenbilder ausgewertet. Im Fokus: Singapurer und indonesische Firmen, Palmöl- und Papierproduzenten.

"Sie glauben vielleicht, dass es schwierig ist, Beweise zu beschaffen, und dass sie der öffentlichen und behördlichen Kontrolle entgehen können", sagte diese Woche Singapurs Innenminister Kannon Shanmugam. "Doch sie sollten die Entschlossenheit der Regierung Singapurs nicht unterschätzen."

Er fügte hinzu, Singapur werde jeden Hebel nutzen, der ihm zur Verfügung steht, um Druck auf die Unternehmen auszuüben - und zwar dort, wo es sie wirklich trifft: bei ihren Geschäftsergebnissen, ihrem Zugang zu Finanzierungen und ihrem Ansehen bei Investoren. "Sie sollten nicht die Illusion haben, dass sie einfach abwarten können, bis sich der Rauch verzogen hat, um anschließend wieder weiterzumachen wie vorher."

Palmöl-Produzenten profitieren von Bränden

Indonesien ist der größte Palmöl-Produzent der Welt. Feuer sind ein einfaches und sehr kostengünstiges Mittel, um schnell und effektiv große Flächen zu roden, auf denen dann Palmöl angebaut werden kann. Plantagenbesitzer haben zudem ein Interesse daran, dass alte unproduktive Bäume verbrennen und Platz für Neue ist. Sie legen daher teils gezielt Feuer oder schauen natürlichen Feuern tatenlos zu.

Auch Torfböden werden entwässert, um sie für Plantagen nutzbar zu machen. Der trockene Torfboden brennt jedoch leicht und die Feuer können unterirdisch lange schwelen. Diese Torfbrände zu löschen ist derzeit eine der größten Herausforderung für die Einsatzkräfte. Durch das Wetterphänomen El Niño sind erhöhte Temperaturen, Dürre und eine damit einhergehende Wasserknappheit noch schlimmer als sonst.

Brandrodung ist in Indonesien illegal, aber da Verstöße nicht konsequent geahndet werden, ist es weiter gängige Praxis. Den Ehemann der 27-jährigen Wasilah hat diese Praxis das Leben gekostet - als er versucht hat, die Feuer zu löschen, die derzeit Millionen Menschen in Südostasien die Luft zum Atmen nehmen.

"An alle, die dort draußen noch gegen das Feuer kämpfen: Bitte bringt euch nicht selbst in Gefahr. Wenn die Bedingungen zu schwierig sind, um zu helfen, dann ist es besser, sich auszuruhen", appelliert sie. "Zu Hause warten eure Kinder, eure Ehepartner, eure Eltern und eure Familien auf euch. Es darf keine weiteren Opfer dieses Feuers geben."

Source: Tagesschau · Jennifer Johnston

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