Der russische Auslandsgeheimdienst hat den früheren DDR-Spionagechef Markus Wolf in Moskau geehrt. Die Enthüllung eines Bronze-Reliefs mit Granittafel erfolgte bereits im September, findet aber erst jetzt, aus Anlass seines 20. Todestages am 9. November, größere Beachtung in Deutschland.

Die Tafel wurde an der Fassade des Hauses in der Nischni-Kislowski-Gasse 8 im Zentrum der russischen Hauptstadt angebracht, wie die Stadt im September mitteilte. Erinnert werde an Wolf unter anderem als Teilnehmer der antifaschistischen Bewegung und als Schriftsteller. Wolf verbrachte in dem Haus von 1934 bis 1945 Kindheit und Jugend, er starb 2006 mit 83 Jahren in Berlin.

Fast 30 Jahre war Wolf Chef der sogenannten Stasi-Hauptverwaltung Aufklärung. Der Ex-General und Stellvertreter von Stasi-Chef Erich Mielke führte rund 4.000 Spione. Im Westen galt er lange Zeit als »Mann ohne Gesicht«, ehe er 1979 enttarnt wurde. Als spektakulärster Erfolg Wolfs gilt die Rekrutierung des Kanzlerspions Günter Guillaume. Als Guillaume 1974 aufflog, trat der damalige Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) zurück.

Witwe soll sich bei »russischen Freunden« bedankt haben

Der russische Auslandsgeheimdienstchef Sergej Naryschkin lobte zur Enthüllung der Tafel »die einzigartige Vielseitigkeit der Persönlichkeit von Markus Wolf«. Er sei ein »Mensch von außergewöhnlichen Talenten, (...) ein Patriot Deutschlands und treuer Freund unseres Landes, ein herausragender Geheimdienstprofi, ein tiefsinniger Analytiker und begabter Schriftsteller« gewesen, so Naryschkin. Wolf habe damals den Geheimdienst in der DDR zu einem der stärksten der Welt gemacht.

Laut einer Mitteilung des Geheimdienstes dankte Wolfs Witwe Andrea Wolf in einem Brief »allen russischen Freunden«, die die Erinnerung wachhielten. Die Stadt Moskau teilte mit, Wolf habe Spuren in der Geschichte des Kalten Krieges hinterlassen. Auf einer älteren Tafel an der Adresse wird auch an Wolfs Vater Friedrich Wolf, einen Schriftsteller, und an seinen Bruder, den Regisseur Konrad Wolf, erinnert. Die Brüder hatten während ihre Zeit in Moskau die deutschsprachige Karl-Liebknecht-Schule besucht.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands stand Wolf mehrmals vor bundesdeutschen Gerichten, er wurde 1993 vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu sechs Jahren Haft wegen Landesverrats verurteilt. Das Urteil wurde allerdings 1995 vom Bundesgerichtshof aufgehoben. 1997 wurde er schließlich wegen Freiheitsberaubung in vier Fällen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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