Quelle: dpa Niedersachsen 27. Oktober 2026, 15:10 Uhr
Die SPD im niedersächsischen Landtag hat einen neuen Mann an der Spitze: Wiard Siebels, 48 Jahre, Ostfriese. Mit 86 Prozent hat die Regierungsfraktion ihn zum neuen Vorsitzenden gewählt, als Nachfolger des wegen Ermittlungen zurückgetretenen Stefan Politze.
Ein neues Gesicht ist Siebels in der Landespolitik allerdings keineswegs. Schon seit 2008 sitzt er im Landtag, 29 Jahre alt war er damals – und anfangs noch Juso-Landeschef. Neun Jahre später, 2017, rückte er zum parlamentarischen Geschäftsführer auf, eine Art Fraktionsmanager, bevor er nun, weitere neun Jahre später, ganz vorn angekommen ist.
SPD-Eintritt mit 15 Jahren – dann Lehre als Bankkaufmann
Von der Opposition wird Siebels im Vergleich zum ruhiger und diplomatischer auftretenden Politze eher der Abteilung Attacke der SPD zugerechnet. Ein Eindruck, den er nicht zurückweist: Er sehe sich auch selbst als jemanden, der den Schlagabtausch im Landtag durchaus sucht. «Allerdings immer hart in der Sache, pointiert vielleicht, aber weich zu den Menschen.» Mit den anderen demokratischen Fraktionen pflege er einen fairen und verlässlichen Umgang.
Der neue Ton dürfte der SPD weniger als ein Jahr vor der nächsten Wahl nicht ungelegen kommen. Immerhin hatte auch Landeschef und Ministerpräsident Olaf Lies im NDR zuletzt hervorgehoben, Siebels sei bekannt dafür, mit klaren Worten im Parlament deutlich zu machen, wofür die Sozialdemokratie stehe. Lies hatte Siebels vor gut zwei Wochen für die Wahl zum Fraktionsvorsitzenden vorgeschlagen.
Schon Siebels' Eintritt in die SPD war derweil eine Besonderheit: Als er 1993 Mitglied wurde, bedurfte es eines Sonderbeschlusses. Denn mit 15 Jahren war er nach den damaligen Regeln eigentlich noch zu jung dafür, Genosse zu werden – und hätte doch schon früher eintreten wollen, wie er sagt.
«Das liegt an meinem Großvater», erzählt Siebels. «Der war als Sozialdemokrat immer mein großes Vorbild.» Vor dem Zweiten Weltkrieg gehörte der Großvater seinen Worten zufolge der Arbeiterturnbewegung an, nach dem Krieg einer örtlichen Entnazifizierungskommission und dem Gemeinderat.
Siebels selbst kandidierte 1996 erstmals bei den Kommunalwahlen, machte nach der Schule in Aurich eine Lehre zum Bankkaufmann und arbeitete in mehreren Sparkassenfilialen. Ein Jurastudium in Osnabrück brach er ohne Abschluss ab – der politischen Karriere tat das keinen Abbruch.
Regionalproporz ade: Weser-Ems viermal an der Spitze
In der niedersächsischen SPD halten die vier wichtigsten landespolitischen Posten mit Siebels' Wahl jetzt allesamt Politiker aus dem Bezirk Weser-Ems: der Friesländer Olaf Lies in der Doppelfunktion als Ministerpräsident und Landesvorsitzender, die Oldenburgerin Hanna Naber als Landtagspräsidentin – und der Auricher Siebels als Fraktionschef.
Der sonst oft beschworene Regionalproporz ist damit hinfällig. «Ein kleines Ungleichgewicht» sei das, räumt Siebels ein und verweist darauf, dass sich das in der kommenden Legislaturperiode auch wieder ändern könne. «Das ändert aber gleichzeitig nichts daran, dass wir ansonsten in der Gesamtschau, in der Summe regional gut verteilt aufgestellt sind.»
Seinen Ansatz für die neue Aufgabe drückte Siebels bereits vor einigen Tagen im Interview der «Nordwest-Zeitung» so aus: «Die SPD hat traditionell die Neigung, vieles zu diskutieren. Jetzt ist es wichtig, klar zu kommunizieren, wofür wir stehen.» Die SPD nimmt damit Kurs auf die Landtagswahl: In weniger als einem Jahr, am 26. September 2027, wird der Landtag neu gewählt.
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Source: Die Zeit · dpa
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