Einsatzkräfte am Tatort in Krakau Einsatzkräfte am Tatort in Krakau

Einsatzkräfte am Tatort in Krakau

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Beata Zawrzel / AP / dpa

Es ist der schlimmste Schusswaffenvorfall in Polen seit Jahrzehnten: Ein Schütze hat in der historischen Altstadt von Krakau sechs Menschen getötet und mindestens 15 weitere Personen verletzt. Ministerpräsident Donald Tusk sprach von einem Akt des »Terrorismus« (mehr hier). Staatspräsident Karol Nawrocki kündigte für Sonntag und Montag eine landesweite Staatstrauer an. Was bisher zu den tödlichen Schüssen von Krakau bekannt ist – und was nicht:

Was ist passiert

Um kurz vor 15 Uhr eröffnete ein Schütze aus einem fahrenden Auto heraus das Feuer auf dem Großen Ring, dem Hauptmarktplatz von Krakau. Er habe »wahllos auf Passanten« geschossen, erklärte die Polizei. Er habe eine halbautomatische Langwaffe benutzt, ähnlich einem Sturmgewehr vom amerikanischen Typ AR-15. In seinem Auto seien viele weitere Waffen und Munition gefunden worden, sagte eine Polizeisprecherin.

Auf der Flucht vom Tatort stieß der Wagen des Schützen Medienberichten zufolge an einer Kreuzung mit einem anderen Auto zusammen. Daraufhin sei der Angreifer aus seinem Fahrzeug gesprungen und habe auf die Einsatzkräfte geschossen. Diese hätten das Feuer erwidert und den Täter getroffen. Er konnte überwältigt werden und wurde verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Die »blitzschnelle Reaktion« der Polizei habe ein noch größeres Massaker verhindert, sagte Innenminister Marcin Kierwinski. Die Beamten hätten innerhalb von drei Minuten nach dem ersten Alarm schon Schüsse auf den Angreifer abgegeben.

Durch Kugeln zerstörte Schaufensterscheibe am Großen Ring, dem Hauptplatz von Krakau

Durch Kugeln zerstörte Schaufensterscheibe am Großen Ring, dem Hauptplatz von Krakau

Foto: Marek Bednarz / Eastnews / IMAGO

Später am Abend wurde bekannt: Im Haus des Schützen, etwa zwei Stunden Autofahrt von Krakau entfernt, wurden drei weitere Leichen entdeckt. Es handle sich um zwei Frauen und einen Mann, wahrscheinlich engste Familienangehörige des Mannes, wie Tusk mitteilte.

Die Spurensicherung am Tatort sollte bis mindestens Sonntag dauern, sagte Justizminister Waldemar Zurek. Zeugen wurden gebeten, sich bei der nächsten Polizeidienststelle zu melden.

Was ist über die Opfer bekannt

Sechs Menschen wurden bei dem Vorfall auf dem Marktplatz getötet. Laut Polizei handelt es sich um vier Frauen und zwei Männer. Eines der Todesopfer habe eine ausländische Staatsangehörigkeit, sagte Innenminister Kierwinski. Polizeichef Marek Boron sprach von einem Briten und drei Polen; zwei Menschen müssten noch identifiziert werden.

Zudem wurden mindestens 15 weitere Personen verletzt. Zwölf von ihnen sind nach Angaben des Chefs der Woiwodschaft Kleinpolen, Krzysztof Kleczar, in einem kritischen oder lebensgefährlichen Zustand.

Unter den Verletzten sind zwei Polizisten und fünf Ausländer, darunter auch eine Person aus Deutschland, wie ein Sprecher des polnischen Innenministeriums mitteilte. Zudem kämen Verletzte aus Österreich, Portugal, Russland und Großbritannien.

Was ist über den Schützen bekannt

Der Schütze ist offiziellen Angaben zufolge ein 24-jähriger Pole aus der Woiwodschaft Heiligkreuz im Südosten des Landes. Die Ermittler gehen von einem Einzeltäter aus und dementierten Berichte über eine Fahndung nach einem möglichen Komplizen. Der Mann soll nach ersten Erkenntnissen »sehr radikale Ansichten« vertreten haben, wie Polens Innenminister Kierwinski sagte. Es gebe Anzeichen dafür, dass er von rechtsextremistischen Ideologien fasziniert gewesen sei, auch wenn dies noch näher überprüft werden müsse (mehr hier).

Nach seinem Schusswechsel mit der Polizei wurde der Angreifer mit lebensgefährlichen Verletzungen in einem Krakauer Krankenhaus behandelt und mehrfach operiert.

Was wir noch nicht wissen

Weshalb der Schütze das Feuer eröffnete und welche Vorgeschichte seine Tat hatte, ist noch Teil der Ermittlungen. Unklar ist auch, wer die Toten in seinem Haus sind.

Tusk betonte, dass Polizei, Sicherheitsbehörden und Staatsanwaltschaft alles unternehmen würden, um so schnell wie möglich Informationen zu den Motiven des Schützen zu liefern.

So reagiert die Politik

Ministerpräsident Tusk sprach von einem »grauenvollen Attentat auf das Leben der Menschen hier in Krakau«. Auf X  richtete er einen »eindringlichen Appell an Politikerinnen und Politiker aller Lager«, diese Tragödie nicht »zu einem Instrument politischer Spielchen« zu machen.

Tusks Gegenspieler, der konservativ-nationalistische Präsident Karol Nawrocki, erklärte auf X , er sei »extrem beunruhigt« und stehe »in Kontakt mit den zuständigen Behörden«. Er warte auf eine »vollständige Erklärung der Umstände dieser dramatischen Ereignisse«. Die Sicherheit der Polen habe »oberste Priorität«.

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Zahlreiche Staats- und Regierungschefs kondolierten. Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich auf X  »tief betroffen«. Er fügte hinzu: »Deutschland steht als Freund und Partner in diesen schweren Zeiten an der Seite Polens.« Auch Außenminister Johann Wadephul schrieb dort , Deutschland stehe »in Solidarität mit Polen«.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach auf X  von einer »Tragödie«. »In diesem Moment der Trauer ist Polen nicht allein«, versicherte sie. Die »Auswirkungen« dieses Ereignisses werden »weit über die Grenzen Polens hinaus zu spüren sein«.

aar/dpa/AFP

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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