In den kommenden Wochen soll der Kaufvertrag unterzeichnet werden: Deutschland steigt mit 50 Prozent beim Panzerbauer KNDS ein. Der Kaufpreis gibt noch Rätsel auf.

05.11.2026, 12.34 Uhr

Militärfahrzeuge von KNDS Militärfahrzeuge von KNDS

Militärfahrzeuge von KNDS

Foto: Bloomberg / Getty Images

Komme, was wolle, Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius machte im Sommer klar, dass Deutschland sich auf jeden Fall Einfluss auf den Panzerbauer KNDS sichern werde. Nun gibt es eine Einigung: Die Bundesregierung ist sich mit den deutschen Eigentümerfamilien von KNDS über den Einstieg mit 50 Prozent bei dem deutsch-französischen ​Panzerbauer einig. Der Kaufpreis ist bislang unklar.

»Die Bundesregierung hat sich aufbauend auf der Einigung zum Kaufpreis im Juni mit Wegmann ‌auf die nun vorliegende, auf die Erwerbskonstellation angepasste, Kaufpreisformel für den Erwerb von 50 Prozent verständigt«, heißt es in einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums an den Haushaltsausschuss. Das Schreiben liegt dem SPIEGEL vor, zuerst hatte das »Handelsblatt«  berichtet. Die in der Wegmann-Holding zusammengeschlossenen Familien wollen sich bislang ​nicht zu den Berichten äußern.

KNDS baut etwa den Kampfpanzer Leopard 2 oder den Schützenpanzer Puma. Das Unternehmen gehört derzeit über die Wegmann-Holding je zur Hälfte dem französischen Staat und den Eigentümerfamilien ‌Bode und Braunbehrens. Die Familien planen seit längerer Zeit, ihre Anteile zu veräußern. Der dafür geplante Börsengang war im Frühsommer zuerst verschoben worden, im September wurde er abgesagt. Um die Sicherheitsinteressen Deutschlands zu wahren, plant die Bundesregierung seither, die vollständigen 50 Prozent von den Familien zu übernehmen.

Bund kann mit Beteiligung nicht überstimmt werden

In dem nun vorliegenden Schreiben heißt es, der Bund erreiche mit 50 Prozent »genügend, d.h. im Vergleich zu Frankreich paritätischen, Einfluss in Gremien« wie etwa der Hauptversammlung. Dadurch könne der Bund bei zentralen Fragen nicht überstimmt werden.

»Wegmann strebt die Zeichnung des Kaufvertrags (Signing) noch im November 2026 an«, heißt es nun in dem Dokument. Der Vollzug der Transaktion sei im Dezember 2026 geplant.

Der nun verhandelte Kaufpreis basiert dem Dokument zufolge »auf dem im aktuellen Bewertungsumfeld ermittelten Eigenkapitalwert für KNDS«. Wie viel Geld aus der Staatskasse genau fließt, geht nicht hervor. Es heißt aber: »In Summe führt der verhandelte Kaufpreismechanismus dazu, dass der Bund für 50 Prozent der Anteile eine deutlich niedrigere Summe bezahlen wird, als im Juni für lediglich 40 Prozent der Anteile bewilligt worden war.« Für die 40 Prozent, die der Bund ursprünglich übernehmen wollte, wenn es mit dem Börsengang geklappt hätte, waren damals 7,2 Milliarden Euro vorgesehen.

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Kölner Motorenbauer kauft Rüstungsfirma

Auch in das Geschäft mit Militärgütern beim Kölner Motorenbauer Deutz kommt Bewegung: Deutz hat die Flensburger Rüstungsfirma FFG übernommen. Die Transaktion sei vollzogen, teilt das Unternehmen in Köln mit. FFG steht für Flensburger Fahrzeugbau GmbH. Die Firma mit Sitz in Schleswig-Holstein beschäftigt gut 1100 Mitarbeiter, damit hat Deutz nun rund 7500 Mitarbeiter.

Die bereits im Juli verkündete und nun finalisierte Übernahme kostet rund 1,6 Milliarden Euro – ein Teil des Betrags wurde in bar bezahlt und der andere in Deutz-Aktien. Die vier FFG-Eigentümerfamilien halten insgesamt 29,9 Prozent der Anteile, damit sind sie der größte Deutz-Aktionär.

Das Flensburger Unternehmen wartet und modernisiert Panzer und andere Militärfahrzeuge. Zu den Kunden gehören die Bundeswehr, Dänemark und andere Nato-Staaten sowie die Ukraine. Deutz hat bereits eine kleine Rüstungssparte, in der etwa Motoren für Truppentransporter hergestellt werden. Diese Sparte ist aber noch klein, durch die FFG-Übernahme wird das Portfolio deutlich erweitert. Bislang geht es bei Deutz vor allem um Motoren für Hebebühnen, Traktoren, Erntemaschinen und anderes schweres Gerät sowie Generatoren. Nun kommen Panzer hinzu.

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Das Tochterunternehmen soll im kommenden Jahr eine Milliarde Euro Mehrumsatz im sogenannten Defense-Bereich einbringen. »Die FFG wird künftig den Kern des Deutz-Defense-Geschäfts bilden«, teilt das Unternehmen mit. Auch wenn Defense das Geschäft maßgeblich prägen soll, wolle Deutz nicht zum klassischen Verteidigungsunternehmen werden, sagte Konzernchef Sebastian Schulte.

ptz/gt/dpa

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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