1. KI-Update kompakt: Mistral ML4, Cohere, KI-Empfehlungen, KI klont Indie-Spiele

Mistral veröffentlicht Gewichte seines größten Modells ML4

Das französische KI-Labor Mistral hat am Donnerstag die Gewichte seines neuen Modells Mistral Large 4 (ML4) freigegeben. Mit ihnen können Unternehmen das Modell selbst betreiben und anpassen. ML4, getauft „Le Chonk“, umfasst eine Billion Parameter, nutzt pro Wort aber nur 49 Milliarden davon. Es ist das bislang größte und fortschrittlichste Modell aus Europa und soll den Abstand zu offenen Spitzenmodellen wie Qwen3.8 von Alibaba, Gemma 4 von Google oder Kimi K3 von Moonshot AI verkürzen. Mixture-of-Experts-Modelle wie ML4 verteilen jedes Wort an spezialisierte Teilnetze, sogenannte Experten. Laut Pierre Stock, Forschungschef bei Mistral, ist das Training heikel. Leitet das Modell die Wörter schlecht weiter, lernen manche Experten nichts, während andere überlastet sind. Dafür läuft das fertige Modell sparsam und liefert bessere Ergebnisse als ein vergleichbares dichtes Modell mit 50 Milliarden Parametern.

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In stark komprimierter Form läuft ML4 auf vier GPUs, zum Beispiel vom Typ GB300. Das können sich Hochschulen und Forschungslabore leisten. Laut Stock ist es dreimal kleiner als Kimi K3 und dabei besser beim Programmieren und in der Cybersicherheit. Mistral trainierte ML4 in eigenen Rechenzentren in Frankreich. Weil Forscher und Technikteam in einem Raum saßen, lief das erste Training nach nur einer Nacht. Bei einem Cloud-Anbieter hätte das laut Stock Wochen gedauert. Vor der Freigabe prüften Forscher, Partnerfirmen und Behörden das Modell. Eine häufige Rückmeldung lautete, ML4 sei zu wortreich. Mistral trainierte nach. Die finale Version braucht nun halb so viele Tokens wie die Vorschau von vor drei Wochen. Im Coding Index von Artificial Analysis liegt sie unter den offenen Modellen vorn.

Schwarz-Gruppe steckt Milliarden in Cohere

Das kanadisch-deutsche KI-Unternehmen Cohere hat so viel Geld eingesammelt wie nie zuvor. Die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, führt die Runde an. Die kanadische Regierung und Nvidia steigen ebenfalls ein. Cohere hatte in diesem Jahr das Heidelberger KI-Unternehmen Aleph Alpha gekauft.

Cohere verkauft KI, die Firmen und Regierungen ohne die großen US-Anbieter nutzen können. Die Modelle laufen in privaten Clouds oder in abgeschotteten Umgebungen. Für stark regulierte Branchen ist das ein gewichtiges Argument. Die Schwarz-Gruppe will die Modelle in ihre eigene Cloud einbauen. Cohere will mit dem Geld Modelle, Infrastruktur und Expansion vorantreiben. Beobachter sehen darin auch einen Schritt Richtung Börsengang.

Google gibt Gemini Carbon nur eingeschränkt frei

Nur vier Wochen nach Gemini Argon bringt Google mit Carbon schon das nächste Spitzenmodell. Doch nicht jeder darf es nutzen. Auf Wunsch des Weißen Hauses erhalten zunächst nur US-Geheimdienste und ausgewählte Partner Zugang. Der Grund liegt in Carbons Stärke: Angriffe auf Software zu entwickeln und Sicherheitslücken zu schließen.

In mehreren Tests schlägt Carbon seinen Vorgänger und die Konkurrenz. Es soll seltener Dinge erfinden und bei Unklarheiten öfter nachfragen. Als KI-Agent könne es tagelang an schwierigen Programmieraufgaben arbeiten. Versuche, das Modell mit eingeschleusten Befehlen zu manipulieren, seien bisher gescheitert. Wann Carbon für alle verfügbar wird, sagt Google nicht.

Fachleute übernehmen die Meinung ihres KI-Agenten und halten sie für ihre eigene

KI-Agenten lenken das Urteil von Experten stärker, als diese merken. Das legt ein Experiment von Anthropic nahe. 50 Statistiker werteten mit einem KI-Agenten Daten eines fiktiven Verbunds von Bauernhöfen aus. Sie sollten klären, ob ein Beratungsprogramm die Höfe produktiver macht. Unterwegs mussten sie mehrere Fragen ohne eindeutig richtige Antwort entscheiden, etwa wie man Produktivität misst. Für jede Frage gab es zwei vertretbare Wege. Welchen der Agent empfahl, legten die Forscher per Zufall fest. In 86 Prozent der Fälle folgten die Fachleute ihm, auch wenn sie sich vorher anders festgelegt hatten. Erfahrung, Fachwissen oder Vertrauen in KI änderten daran wenig, wobei die Stichprobe klein ist.

Gut die Hälfte hielt die abschließende Empfehlung für ihre eigene. Viele begründeten sie mit den Argumenten des Agenten, teils fast wörtlich, ohne die KI zu erwähnen. Zugleich arbeiteten die Teilnehmer schneller und machten weniger schwere Fehler. Die Forscher sorgen sich vor allem um die Wissenschaft. Nutzen viele Teams dasselbe Modell, könnten sie sich nur scheinbar einig sein. Das gilt auch für Sicherheitstests neuer KI-Modelle, bei denen Forscher selbst immer öfter Agenten einsetzen. Anthropic schlägt vor, dass Agenten beide Optionen gleichwertig darstellen oder zuerst nach der Einschätzung der Fachleute fragen.

GitHub gibt Firmenkunden Copilot ohne Aufpreis

Die Microsoft-Tochter GitHub vereinfacht ihre Lizenzen für Unternehmen. Unter dem Namen Copilot Access bekommen Kunden mit einer Enterprise-Cloud-Lizenz den KI-Assistenten künftig ohne Zusatzgebühr. Bestehende Kunden können ihren Tarif behalten oder freiwillig wechseln. Neu ist zudem Copilot Fusion. Das Werkzeug wählt für jede Anfrage das passende KI-Modell aus, auch lokal installierte. So soll ein Großteil der Token-Kosten eingespart werden.

Oracle lässt ChatGPT an die Geschäftsdaten

Der Datenbankkonzern Oracle hat auf seiner Konferenz Oracle AI World in Las Vegas die Deep Trust AI Architecture vorgestellt. Sie bündelt Funktionen mehrerer Oracle-Datenbanken und eines Werkzeugs, das Anwendungen per KI erzeugt. Sicherheits- und Geschäftsregeln sollen so immer greifen, egal welche Anwendung oder welcher KI-Agent auf die Firmendaten zugreift. Administratoren legen Zugriffsrechte direkt in der Datenbank fest. Ein weiterer Dienst betreibt Anwendungen, die Mitarbeiter etwa mit OpenAIs Programmierwerkzeug Codex bauen. Der Dienst AI Security Mesh schickt KI-Agenten auf die Suche nach Schwachstellen. Ihre Korrekturvorschläge gehen zur Prüfung an Menschen und werden erneut getestet.

Zudem arbeitet Oracle enger mit OpenAI zusammen. Im neuen AI Workspace beschreiben Mitarbeiter in ChatGPT ein Geschäftsziel. Die KI sammelt dann Daten aus den angeschlossenen Systemen und steuert die nötigen Schritte.

Valve rät Indie-Studios zu treuer Community gegen KI-Klone

Kleine Spielestudios sollen sich mit einer treuen Community und regelmäßigen Updates gegen KI-Kopien ihrer Spiele wehren. Das empfahl das Steam-Team des Spielekonzerns Valve auf einer Veranstaltung für koreanische Entwickler. Indie-Spiele leben oft von der Idee, nicht von aufwendiger Produktion. Eine Idee lässt sich mit KI schnell nachbauen. Manche Entwickler trauen sich deshalb nicht mehr, Demos zu veröffentlichen. Es soll sogar Erpressungen gegeben haben, bei denen Täter Geld forderten und sonst drohten, das Spiel mit KI zu klonen.

Valve wirkte überrascht und hatte keine Lösung parat. Die Mitarbeiter sagten, sie hörten zum ersten Mal von solchen Fällen. Valve sehe sich nicht als Wächter über KI, Erpressungsversuche müsse man den Behörden melden. Kopien guter Spielideen habe es immer gegeben, nur gehe es jetzt viel schneller. Die Spielebranche steht damit vor demselben Problem wie andere Softwarebranchen, und Valve allein wird es nicht lösen.

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Malaysia beschlagnahmt geschmuggelte KI-Chips

Der malaysische Zoll hat am Flughafen von Kuala Lumpur Server mit starken KI-Chips sichergestellt. Die Fracht war als gewöhnliche Elektronik angemeldet. Woher sie kam und wohin sie sollte, sagen die Behörden nicht. Sie vermuten ein organisiertes Netzwerk, das Malaysia als Durchgangsland nutzt, um Exportbeschränkungen zu umgehen. Die Ermittler rechnen der Gruppe bereits fünf Fälle zu, Festnahmen gab es jedoch noch keine. Malaysia hat seine Kontrollen auf Druck der USA verschärft, denn Washington will verhindern, dass China an Chips für KI und Militär kommt.

Amazons neue Echo-Geräte sehen und hören mehr

Amazon hat fünf neue Geräte mit seinem KI-Assistenten Alexa vorgestellt. Der Lautsprecher Echo Studio 3 hat eine Kamera. Er erkennt, wer spricht, und spielt etwa dazu passende Musik. Alexa soll außerdem Gegenstände erkennen und Fragen dazu beantworten. Der Wecker Echo Time misst per Ultraschall die Atmung und weckt Schläfer in einer leichten Schlafphase. Der Echo Dot 6 bekommt einen stärkeren KI-Chip und versteht mehr Funkstandards für das vernetzte Zuhause.

Diese drei Geräte gibt es auch in Deutschland. Nur in den USA starten vorerst ein digitaler Bilderrahmen, der Fotos auf Zuruf auswählt, und das Display Echo Show 16. Dessen neue Oberfläche bündelt Themen automatisch und ordnet Inhalte per KI an.

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(igr)

Source: Heise · Isabel Grünewald, The Decoder

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