Autoreparaturen in Werkstätten werden immer teurer: Im Jahr 2025 haben sich die Stundensätze in den Kfz-Werkstätten um durchschnittlich 7,5 Prozent erhöht – und damit mehr als dreimal so stark wie die allgemeinen Verbraucherpreise, wie der Gesamtverband der Versicherer (GDV) mitteilt. Die Auswertung lag dem SPIEGEL vorab exklusiv vor.

Noch eindrücklicher ist die Entwicklung über einen längeren Zeitraum hinweg: Zwischen 2017 und 2025 sind die Werkstattstundenpreise laut GDV um 62 Prozent teurer geworden, während die allgemeinen Verbraucherpreise um 26 Prozent stiegen.

Die Versicherer begründen damit ihre Beitragserhöhungen der vergangenen Jahre. »Ein durchschnittlicher Pkw-Sachschaden kostet die Versicherer inzwischen rund 4600 Euro – etwa 70 Prozent mehr als 2017. Die stark gestiegenen Werkstatt- und Ersatzteilpreise treiben die Schadenaufwendungen weiter nach oben, deutlich schneller als die Beitragseinnahmen wachsen«, sagte Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV.

Es gibt wieder günstigere Versicherungstarife

Seit 2022 allerdings schossen auch die Versicherungstarife hoch – in den vergangenen drei Jahren hielten sie mit dem Tempo der Werkstatt- und Ersatzteilpreise Schritt.

Doch anders als bei den Werkstattkosten sei die Zeit »massiver und flächendeckender Preiserhöhungen« bei den Versicherungen vorüber, teilte  das Vergleichsportal Verivox am Dienstag mit. Der »Preiskampf« zwischen günstigeren und teureren Anbietern sei zurück. In diesem Jahr seien die Tarife der Kfz-Versicherer im Mittel zwei Prozent teurer als im Vorjahr. Am stärksten verteuern sich demnach Kfz-Haftpflichtversicherungen mit im Mittel drei Prozent gegenüber dem Vorjahr; Vollkasko-Policen liegen um zwei Prozent über dem Vorjahresniveau; Teilkasko-Angebote stagnieren.

Grund für den gedämpften Preisanstieg sei, dass das vergangene Jahr durch wenig Unwetter und Naturkatastrophen ein schadensarmes Jahr gewesen sei. »Von einer dauerhaften Preiswende kann aber noch keine Rede sein. Ersatzteile und Reparaturen verteuern sich weiter und bleiben Kostentreiber«, sagte Verivox-Geschäftsführer Aljoscha Ziller.

Herbst ist Wechselzeit

Viele Autobesitzer wechseln im Herbst ihre Kfz-Versicherung, um auf günstigere Angebote umzusteigen. Verträge, die zum Jahresende auslaufen, haben üblicherweise eine Kündigungsfrist von einem Monat, womit der Stichtag auf den 30. November fällt. Doch bei insgesamt immer teureren Tarifen ließen sich in den vergangenen Jahren durch einen Vertragswechsel steigende Versicherungskosten durch Wechsel eher abdämpfen als vermeiden.

Neben höheren Stundensätzen in den Werkstätten sind höhere Ersatzteilpreise entscheidende Kostentreiber. Im vergangenen Jahr stiegen sie im Schnitt um 5,6 Prozent – seit 2016 um mehr als 80 Prozent, wie der GDV bereits kürzlich mitteilte . »Die Preise einzelner Ersatzteile wie hintere Seitenwände, Vordertüren oder Kofferraumklappen haben sich im gleichen Zeitraum nahezu verdoppelt«, sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Asmussen.

Für die starken Preissteigerungen machen die Versicherungen den sogenannten »Designschutz« der Autohersteller verantwortlich: Wer ein entsprechendes Ersatzteil benötigt, müsse dieses dadurch häufig direkt vom Hersteller kaufen, was Wettbewerb weitgehend ausschließe. Eine Reform des Designrechts, die eine EU-Richtlinie in nationales Recht umsetzen soll, sei geplant.

Kosten sparen, indem man einfach selbst repariert? In vielen Städten eröffnen sogenannte Selbsthilfewerkstätte, in denen Autobesitzer selbst Hand anlegen. Lesen Sie hier  mehr dazu.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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