Hand auf dem Herzen: Abenteurer Karl Bushby spricht in Hull mit Unterstützern
Foto:Adam Vaughan / EPA
Die Begrüßung auf dem Queen Victoria Square fiel euphorisch aus: Am Vormittag präsentierte sich der Weltreisende Karl Bushby in seiner Heimatstadt Hull, knapp 250 Kilometer nördlich von London, Hunderten wartenden Fans – und war überwältigt. »Das ist der absolute Wahnsinn«, sagte der 57-Jährige, der sich zuvor eher zurückhaltend über das große Finale seiner 28 Jahre währenden Reise geäußert hatte. (Lesen Sie hier die SPIEGEL-Reportage zu den Abenteuern des Karl Bushby.)
In kurzer Hose und mit grau gewordenem Bart wurde Bushby empfangen wie ein Held. »So etwas hätte ich mir niemals vorstellen können«, sagte er sichtlich ergriffen dem Sender Sky News. Es sei »überwältigend«, wie viele Menschen gekommen seien, um ihn wieder zu Hause willkommen zu heißen. »Es war fantastisch, wieder im Vereinigten Königreich zu sein, und es dann so abzuschließen, das war einfach phänomenal.«
Dem Weltreisenden zu Ehren wurde auf dem Queen Victoria Square sogar eine kleine Bühne aufgebaut. Die BBC schaltete einen Liveticker zur Rückkehr des Reisenden in seine Heimat. Nach dem phänomenalen Empfang machte sich Bushby – natürlich zu Fuß und mit dem "Beast" an der Hand – auf zum fünf Kilometer entfernten Haus seiner Mutter Angela.
Am 1. November 1998 war Bushby in Punta Arenas im Süden Chiles zu seinem außergewöhnlichen Abenteuer aufgebrochen. Ab diesem Zeitpunkt galten für den ehemaligen Soldaten nur zwei Regeln: Er durfte keine Transportmittel nutzen, um auf seiner Route voranzukommen, und erst nach Abschluss der Expedition nach Hause zurückkehren.
-
12 Min
-
6 Min
Auf den Weg machte er sich mit nur ein paar hundert US-Dollar und seinem zweirädrigen Gepäckwagen, dem er den Namen »The Beast« gab. Bushby lief durch Süd- und Mittelamerika und dann über die Vereinigten Staaten und Kanada bis nach Alaska. Danach ging es nach Sibirien, durch Asien und nach Europa.
In der gesamten Zeit legte der Reisende laut seinem Presseteam etwa 50.000 Kilometer zurück und bereiste 29 Länder. Dabei bewältigte er nicht nur Gebirge, Wüsten und Dschungel, sondern auch extreme Kälte und gefährliche Gewässer.
Lebensgefährliche Momente
Um von Kasachstan nach Aserbaidschan zu gelangen, schwamm Bushby durch das Kaspische Meer. Anfang Oktober durchquerte er schwimmend den Ärmelkanal von Frankreich nach England.
Bushby mit »The Beast« auf der letzten Etappe der Reise in Hull
Foto: Adam Vaughan / EPAUnterwegs wurde es für den Abenteurer mitunter lebensgefährlich. 2006 wurde er im Zuge der riskanten Überquerung der Beringstraße – einer vereisten Meerenge zwischen Asien und Amerika – nicht nur von einem Eisbären bedroht, sondern auch von russischen Grenzbeamten festgenommen.
Auch der Verlust von Investoren im Zuge der Weltwirtschaftskrise 2008 oder die Corona-Pandemie setzten ihm zu. Seine auf einer Webseite veröffentlichten Tagebucheinträge dokumentieren die Probleme, mit denen er zu kämpfen hatte.
Den eigenen Regeln verpflichtet
Ursprünglich wollte der Brite nur etwa zwölf Jahre unterwegs sein. Aber auch Visa-Probleme, finanzielle Schwierigkeiten und politische Hindernisse verzögerten sein Vorankommen. Zeitweise lebte Bushby in Mexiko oder in den USA.
In manchen Situationen musste er auf Flugzeuge zurückgreifen. Um seine Regeln nicht zu brechen, kehrte er nach den unfreiwilligen Pausen immer wieder an den Punkt zurück, an dem er seine offizielle Wanderroute unterbrochen hatte.
Um seinen Plan zu verwirklichen, nahm Bushby in Kauf, seinen kleinen Sohn in England zurückzulassen. Inzwischen hat er nach eigenen Angaben eine Enkelin, die er bisher nicht kennengelernt hat. Das Verhältnis zu seinem Sohn Adam sei jedoch, auch wegen vieler offener Gespräche, gut.
ala/AFP
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
At a glance
- Topic
- World
- Country
- 🇩🇪 DE
- Publisher language
- DE
- Added to Allnira