In dem Bundesstaat wartet nun niemand mehr auf seine Hinrichtung: Gouverneur Gavin Newsom kippt alle 548 bestehenden Todesurteile in Kalifornien. In einem Brief an die Bürger findet er zudem deutliche Worte über die Todesstrafe.

05.11.2026, 21.58 Uhr

Kaliforniens scheidender Gouverneur Gavin Newsom Kaliforniens scheidender Gouverneur Gavin Newsom

Kaliforniens scheidender Gouverneur Gavin Newsom

Foto: Jill Connelly / AP

Kaliforniens scheidender Gouverneur Gavin Newsom hat erklärt, sämtliche Todesurteile im Bundesstaat in lebenslange Haftstrafen ohne die Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung umzuwandeln. Newsom fällte die Entscheidung wenige Wochen vor seinem Ausscheiden aus dem Amt nach acht Jahren.

»Ich ergreife diese Maßnahme, weil ich der festen Überzeugung bin, dass staatlich sanktioniertes Töten mit den Werten Kaliforniens unvereinbar ist, die Grundlagen unseres Rechtssystems untergräbt und jeden von uns schwächt«, schrieb Newsom in einem online veröffentlichten Brief  an die Bürgerinnen und Bürger Kaliforniens. »Wir können in unserem unvollkommenen Rechtssystem nicht Menschen hinrichten und zugleich unsere zentralen Werte bewahren, allen voran Gerechtigkeit und menschlicher Anstand.«

2019 hatte Newsom bereits ein Moratorium für Hinrichtungen im Bundesstaat verhängt, doch Hunderte Menschen blieben weiter im Todestrakt. Derzeit sind dies in Kalifornien 548 Personen. Nach Angaben von Newsoms Büro handelt es sich dabei um 529 Männer und 19 Frauen.

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Newsom schrieb nun, die Entscheidung gehöre zu den schwierigsten seiner Karriere, da sie bei den Familien der Verbrechensopfer schmerzhafte Erinnerungen hervorrufen werde. »Als Gouverneur trage ich allein die Verantwortung für diese Entscheidung und ihre Auswirkungen, so wie ich allein die Verantwortung für jede einzelne Hinrichtung tragen würde«, schrieb er.

Die Bürgerrechtsorganisation ACLU begrüßte Newsoms Ankündigung. »Diese Umwandlungen spiegeln wider, was die Gerechtigkeit fordert: ein Ende einer rassistischen, fehleranfälligen und unmenschlichen Bestrafung, die Kalifornien viel zu lange belastet hat«, teilte ihr Geschäftsführer Anthony Romero mit.

In den USA hatte der Fall um Christa Pike zuletzt für Aufsehen gesorgt. Die verurteilte Mörderin hatte Ende September im US-Bundesstaat Tennessee zwei Injektionen mit einer Giftspritze überlebt. Pike meldete sich vor wenigen Tagen zu Wort und gab zu Protokoll: »Mein Körper schmerzt.« Der Schmerz sei nicht nur körperlich: »Er sitzt auch in meinem Kopf und in meiner Seele.«

sol/AP

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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