Zentrale der Schaeffler AG in Herzogenaurach.

Autozulieferer schließt Werke Schaeffler streicht knapp 3.500 Stellen

Stand: 03.11.2026 • 10:02 Uhr

Die Krise der deutschen Autoindustrie lässt Schaeffler zu drastischen Maßnahmen greifen. Tausende Stellen werden gestrichen. In Deutschland stehen vier Werke vor dem Aus.

Der Herzogenauracher ‌Auto- und Industriezulieferer Schaeffler schließt ​vier Standorte in Deutschland und streicht weltweit 3.460 Arbeitsplätze. Allein in Deutschland fielen 2.660 Stellen weg, teilte das Unternehmen heute mit. Insgesamt verspreche sich Schaeffler davon Einsparungen in Höhe von 300 Millionen Euro jährlich ab dem Jahr 2030.

Das Unternehmen reagiere mit dem Stellenabbau auf das "anhaltend herausfordernde Marktumfeld im Automobilgeschäft". Dazu kämen die überdurchschnittlich hohen Personalkosten pro Kopf in Deutschland und die hohe Komplexität der Organisation mit zu vielen ​Führungsebenen und zu geringen Führungsspannen, hieß ‌es zur Begründung. Die Kosten für das Sparprogramm bezifferte Schaeffler auf 480 Millionen Euro.

Konzern fordert Gehaltsverzicht

Von dem Stellenabbau seien 16 Standorte in Europa betroffen, allein in Deutschland sollen vier Werke ganz geschlossen werden, teilte das Unternehmen weiter mit. Dabei geht es um die Werke in Dortmund und in Morbach, in denen Teile für Verbrennermotoren gefertigt werden. Auch die Niederlassungen in Berlin und Schwalbach sollen aufgegeben werden. Andere Standorte sollen schrumpfen.

Zusätzlich fordert Schaeffler einen Gehaltsverzicht von den Mitarbeitern, der jedoch noch ​mit der Gewerkschaft ausgehandelt werden muss. Auch der Vorstand beteilige sich daran. "Ohne den Solidaritätsbeitrag wäre der Stellenabbau ‌nochmals größer ausgefallen", hieß es. Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld sagte, dieser Gehaltsverzicht sei das wichtigste Element des Programms.

IG Metall wirft Schaeffler Planlosigkeit vor

Bei den Arbeitnehmern stießen die Pläne auf scharfe Kritik. "Bei Schaeffler ​folgt inzwischen ein Abbauprogramm auf das nächste, noch bevor die Folgen des vorherigen bewältigt sind", erklärte Thomas Höhn, Unternehmensbeauftragter der IG Metall für Schaeffler. "Das ist kein Zukunftskonzept für den Industriestandort Deutschland."

Konzernbetriebsratschef Uli Schoepplein kritisierte, dass vor allem die deutschen Standorte betroffen seien. Schaeffler betone regelmäßig sein Bekenntnis zum Standort Deutschland. Dieses Bekenntnis müsse sich in konkreten ​Entscheidungen zeigen", sagte er. "Das vorgelegte Programm lässt genau die Kreativität vermissen, die wir angesichts der Krise brauchen."

Schoepplein forderte ein Zukunftskonzept, in dem die Fragen geklärt seien, welche Produkte künftig in Deutschland gefertigt werden und wo investiert werden solle. Erst wenn das vorliege, könne über Sparmaßnahmen gesprochen werden, erklärten Höhn und Schöpplein gemeinsam. "Die Beschäftigten können nicht dafür bezahlen, dass ihnen anschließend trotzdem der Arbeitsplatz und eine Standortperspektive fehlen."

Gewinne schrumpfen deutlich

Schaeffler bekommt derzeit die Flaute auf dem Automarkt zu spüren. Im abgelaufenen Quartal lag der Umsatz mit 5,8 Milliarden Euro knapp unter dem Vorjahresniveau. Der Betriebsgewinn sank um 7,2 Prozent auf 245 Millionen Euro. Vor allem das Geschäft mit Autoherstellern laufe schwächer. Die Sparte Powertrain & Chassis, in der unter anderem das Geschäft mit Teilen für Verbrennerfahrzeuge gebündelt ist, verzeichnete einen Gewinnrückgang um 15 Prozent. Besser läuft dagegen das lukrative Geschäft mit Ersatzteilen.

Source: Tagesschau · tagesschau.de

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