In leichtem Ton schrieb er satirische Romane und entrüstete Glossen: Joseph von Westphalen war besonders in den Neunzigerjahren als Kolumnist und Buchautor beliebt. Nun ist der Münchner im Alter von 81 Jahren gestorben.
02.11.2026, 15.14 Uhr
Joseph von Westphalen in den Neunzigerjahren
Foto:Anita Schiffer-Fuchs / SZ Photo / picture alliance
Der Schriftsteller Joseph von Westphalen interessierte sich immer wieder für die Umstände des Schreibens. Seine Promotion trug den Arbeitstitel »Die Figur des scheiternden Dichters«. Eines seiner späteren Bücher war »Aus dem Leben eines Lohnschreibers« betitelt.
Der 1945 als Nachkomme eines alten ostwestfälischen Adelsgeschlechts geborene Joseph von Westphalen war nach dem Germanistikstudium Redakteur bei der Kulturzeitschrift »Westermanns Monatshefte«. Es sei ihm »nie gelungen, rechtzeitig Texte einzutreiben«, weswegen er selbst zahlreiche Glossen schrieb. Darauf wurde die Redaktion des von Hans Magnus Enzensberger gegründeten Magazins »Transatlantik« auf Westphalen aufmerksam.
In »Transatlantik« erfand er die Figur Harry von Duckwitz, der auch der Held von mehreren Romanen wurde – als Bonvivant und Diplomat. Westphalens literarische Werke waren leichtfüßig geschriebene Gesellschaftssatiren. Andere Buchveröffentlichungen sammelten »Entrüstungen« unter provokanten Titeln wie »Warum ich Monarchist geworden bin« oder »Warum ich Terrorist geworden bin«.
Einen kleinen Skandal löste Joseph von Westphalen 1987 aus, als er in einem deutsch-deutschen Briefwechsel mit der DDR-Autorin Monika Maron den Satz »Lieber eine Plastiktüte mit Abfällen am Waldrand als ein Soldat« schrieb. Die Veröffentlichung im »Zeit«-Magazin habe seinen »Marktwert geschaffen«, sagte Joseph von Westphalen einmal.
Jedenfalls war der Autor in den folgenden Jahren ein gesuchter Kolumnist und Autor in einer Vielzahl von Medien, in der »Woche«, »Theater heute«, dem SPIEGEL SPECIAL oder, in über 300 Folgen, der »Abendzeitung« in München, der Stadt, in der der in Schwandorf geborene Westphalen schon lange heimisch war.
Joseph von Westphalen (1945-2026)
Foto: Erwin Elsner / dpa / picture alliance1997 hatte er im Südwestfernsehen sogar eine eigene Fernsehshow, »Dichtung und Wahnsinn«. Die »taz« urteilte allerdings, Westphalens »sich überschlagender Schnellsprech« sei »privat vielleicht ganz kurios – mit dem Fernsehen aber absolut inkompatibel«.
Am Ende der Neunzigerjahre durfte der Jazz-Liebhaber für den Verlag Kein & Aber eine Vier-CD-Box mit Begleitbuch zusammenstellen. Titel: »Wie man mit Jazz die Herzen der Frauen gewinnt«. Zehn Jahre später veröffentlichte der »Schwerenöter-Darsteller«, wie ihn die »Süddeutsche Zeitung« in diesem Zusammenhang nannte, eine Sammlung von Kolumnen, die er ursprünglich für den »Playboy« geschrieben hatte.
Auf eine Kuriosität in Joseph von Westphalens Karriere machte 2008 der SPIEGEL aufmerksam: 1989 hatte er ein angeblich von einem David Elphinstone stammendes Langgedicht veröffentlicht. Das Buch war ein Ladenhüter, die aufwendig gestalteten unverkauften Exemplare wurden durch einen Unglücksfall zerstört. Im Auftrag eines Kunstmäzens wurden sie nachgedruckt und als Installation in einem Gutshaus ausgestellt.
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Am Donnerstag ist Joseph von Westphalen in München gestorben. Die Nachricht, über die zunächst die »Süddeutsche Zeitung« berichtete, wurde dem SPIEGEL aus dem Umfeld der Familie bestätigt. Der Autor wurde 81 Jahre alt.
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Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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