Laut »Haaretz« hatten sich zuvor bereits drei französische und ein schweizerisches Unternehmen aus dem Projekt zurückgezogen. Sie verwiesen teilweise auf die heiklen politischen Umstände. Die Seilbahn gilt als äußerst umstritten.
Nach den Plänen soll die Seilbahn von einer Station im Westen Jerusalems 1,4 Kilometer in die Altstadt führen. Die Endstation soll nahe der Klagemauer im Osten der Stadt liegen. Die israelische Regierung hatte das Projekt 2019 genehmigt, 2022 bestätigte das Oberste Gericht die Genehmigung. Die Seilbahn würde zudem Westjerusalem mit einem geplanten Touristenkomplex von 16.000 Quadratmetern verbinden. Dieser wird von der Siedlerorganisation Elad gefördert, die die israelische Kontrolle über palästinensische Gebiete im besetzten Ostjerusalem festigen will.
Infrastrukturprojekte der israelischen Behörden in Ostjerusalem stoßen regelmäßig auf scharfe Kritik der Palästinenser und der internationalen Gemeinschaft. Der Bau der Seilbahn wird seit Jahren diskutiert. Die Umsetzung der Pläne geriet jedoch ins Stocken. Laut der israelischen Nichtregierungsorganisation Emek Shaveh hat die Jerusalemer Entwicklungsbehörde die Pläne zuletzt wieder vorangetrieben. Die Organisation warnt, das Projekt bedrohe die palästinensischen Gemeinschaften und die historische Landschaft der Jerusalemer Altstadt. Ihrer Ansicht nach dient das Vorhaben hauptsächlich dazu, den Einfluss der Siedler zu festigen und Palästinenser aus dem historischen Becken zu verdrängen.
Dutzende Häuser von Enteignung bedroht
Wie der britische »Guardian« unter Berufung auf Menschenrechtsorganisationen berichtet, sind 54 palästinensische Häuser entlang der Strecke direkt von Enteignung bedroht. Zudem stößt das Projekt auf Kritik von Kulturerbe- und Umweltgruppen. Der Archäologe Alon Arad, Geschäftsführer von Emek Shaveh, sagte dem »Guardian«, die Seilbahn widerspreche dem historischen Grundsatz, dass rund um die Altstadt keine großen Gebäude oder Infrastruktur errichtet werden sollten. Die Jerusalemer Entwicklungsbehörde teilte gegenüber »Haaretz« mit, das Projekt verlaufe planmäßig. In den kommenden Monaten werde voraussichtlich eine Ausschreibung erfolgen.
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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