Ist das ein Bildschirm oder ein Fenster? Diese Frage könnte man sich stellen, wenn man das iPhone Duo zum ersten Mal öffnet. Klappt man den äußeren 5,5-Zoll-Bildschirm auf, wirkt er wie eine Glasscheibe, durch die man auf den darunterliegenden inneren 7,6-Zoll-Bildschirm schaut. Je weiter man das Handy öffnet, desto verschwommener sind die Symbole darauf. Der Effekt wird zum rechten Rand immer stärker, während der Innenbildschirm aufleuchtet. Das wirkt, als würde man eine Glasscheibe anheben, durch die man auf das zweite Display schaut. Ist das Handy ganz aufgeklappt, strahlen die Icons wieder in voller Schärfe.
Der Effekt ist verblüffend. Er macht das Auf- und Zuklappen, das bei anderen Falt-Smartphones nur ein Umschalten ist, zum Erlebnis. Zwar ist es eine kolossale Verschwendung von Rechenleistung für ein Gimmick, das Pragmatiker überflüssig nennen würden. Aber es ist ein schönes Gimmick, das alle lächeln ließ, denen ich es zeigte.
Der Innenbildschirm: Macht Platz für üppige Apps
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELOrganisch statt technisch
Es ist aber bei Weitem nicht das einzige Detail, für das sich die Entwickler des iPhone Duo Zeit genommen haben. Zwar läuft hier dieselbe Software wie auf anderen iPhones, also das Betriebssystem iOS, doch hier funktioniert es anders als sonst. Weil der äußere Bildschirm breiter ist als bei anderen Smartphones, wurden die Statusleiste und das Dock an den rechten Bildschirmrand verlegt. So passen genauso viele App-Symbole darauf wie bei einem iPhone 18 Pro Max.
Hochkantmodus: Wie ein XXL-iPhone (oder ein iPad mini)
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELVor allem aber sind die am häufigsten genutzten Apps so leicht mit dem Daumen erreichbar. Die Funktion der Statusleiste übernimmt ein Kombisymbol, das den Ladezustand des Akkus sowie die Stärke des WLANs und der Mobilfunknetze anzeigt. Tippt man darauf, wird das Kontrollzentrum geöffnet, das man auf anderen iPhones per Fingerwisch nach unten aufruft. Noch so ein Detail: Schließt man das Kontrollzentrum per Fingertipp, ploppt das Kombisymbol nicht einfach wieder auf. Stattdessen federn seine grafischen Bestandteile wieder zurück an ihren Platz. Das wirkt organisch, nicht technisch.
iPhone Duo: Für Linkshänder ist die neue Menüleiste schwer erreichbar
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELApple hat sich sichtlich Mühe gegeben, an viele solche Details zu denken. Steigt man von einem älteren iPhone auf das Duo um, findet man seine Apps und Symbole auf dem neuen Gerät genau dort wieder, wohin man sie auf dem alten sortiert hat. Das gilt für das innere genauso wie für das äußere Display, das zunächst wirkt wie zwei Außendisplays nebeneinander.
»Schiffe versenken« und Akkordeon spielen
Die Form des Duo ist kein Zufall. Ähnlich wie beim DIN-A4-Format findet sich das Seitenverhältnis des Außendisplays im Innendisplay wieder. Deshalb füllt ein Bild, das den einen Bildschirm füllt, den anderen ebenfalls vollkommen aus. Man kann also etwa bei Netflix nahtlos vom inneren zum äußeren Display wechseln, ohne dass sich der Bildeindruck verändert.
iPhone Duo (r.) und Google Pixel 10 Pro Fold: Der Bildschirm des Duo ist kleiner, doch das Format passt besser für Videos
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELDas gilt freilich nur, wenn die jeweilige App bereits an das Duo angepasst worden ist. Doch während meiner Testwoche kamen täglich entsprechende Updates – es scheint also nicht allzu aufwendig zu sein, die nötigen Anpassungen vorzunehmen. Auch die App des SPIEGEL bekam schon vorab die für das Duo nötigen Anpassungen.
»Battlefleet Duo«: Hightech-Version eines Spiels, für das früher kariertes Papier ausreichte
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELPraktisch: Der Bildschirm lässt sich stufenlos anwinkeln. Dieses Feature hat Apples Neuling Samsungs ähnlich großem Fold8 voraus: Der Screen des Samsung-Handys klappt immer vollkommen auf.
Diese Flexibilität wird von App-Entwicklern bereits genutzt. Eine speziell für das Duo entwickelte App ist das Spiel »Battlefleet Duo«, eine Adaption des Klassikers »Schiffe versenken«. Es nutz die beiden Hälften des großen Display, um auf einer die Positionen der eigenen Schiffe anzuzeigen und auf der anderen, wo man die des Gegners vermutet. Wenn man das Scharnier dazu auf 90 Grad stellt, kommen Erinnerungen an Kindertage auf.
Eine weitere bemerkenswerte App heißt »Foldissimo« und simuliert unter anderem ein Akkordeon. Der Clou dabei: Um da einen Ton herauszubekommen, muss man das Duo wie ein Akkordeon auf- und zubiegen. Man kann das auch als Belastungstest für das Scharnier werten. Angaben dazu, für wie viele Klappvorgänge das Scharnier des Duo ausgelegt ist, macht Apple nicht. Samsung gibt für seine Scharniere eine Haltbarkeit von Hunderttausenden Klappvorgängen an.
Akkordeansimulator »Foldissimo«: Unterhaltsame Prüfung für das Scharnier
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELMan kann damit arbeiten – wenn man muss
Apple hat für das Duo seine Produktivitäts-Apps Pages, Numbers und Keynote aktualisiert. Wer mag, kann das Duo mit solchen Apps wie ein Mini-Notebook nutzen, Texte schreiben, Tabellen füllen oder Präsentationen erstellen. Doch mehr als eine Notlösung für eine schnelle Anpassung unterwegs ist das nicht, dafür ist der Bildschirm dann doch zu klein, zumal wenn die Hälfte des Screens als Tatstatur genutzt wird.
iPhone Duo als Mini-Notebook: Kann man machen, aber nicht auf Dauer
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELMultitasking, also die gleichzeitige Nutzung mehrerer Apps, wird immer wieder als Vorteil von Foldables genannt. Bei Apple ist man dabei derzeit auf zwei nebeneinander liegende Fenster beschränkt. Angesichts der Größe des Bildschirms eine aus meiner Sicht sinnvolle Einschränkung. Dafür ist es simpel, eine App einer Bildschirmhälfte zuzuweisen: Man wischt mit dem Finger nach oben und zieht das App-Fenster zu einer Seite. Oder man tippt beim Start etwas länger auf das App-Symbol und wählt aus dem Aufklappmenü »In Split View öffnen«.
Apps im Doppelpack: Multitasking ist eigentlich nur Duotasking
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELNutzt man ein App-Paar immer parallel, lässt es sich durch einen Tipp auf die Trennlinie in der Mitte dauerhaft verbinden, sodass beide Apps immer nebeneinander geöffnet werden. Gelöst wird die Verbindung, indem man entweder erneut auf die Mittellinie tippt oder sie zur einen oder anderen Seite verschiebt, bis eine der Apps verschwindet.
Wo ist der Knick?
Überhaupt, der Bildschirm: Ja, man kann die Falte sehen. Dafür muss man den Bildschirm allerdings abschalten oder ein dunkles Bild anzeigen lassen. Und man muss möglichst schräg darauf schauen. Dann, und nur dann, ist erkennbar, wo er zusammengeklappt wird.
Sobald das Display etwas anzeigt, und sei es nur ein Hintergrundbild, ist es um die Falte geschehen – was mich nicht wundert. Offenbar kauft Apple die Bildschirme für das iPhone Duo bei Samsung ein. Bisher beherrscht offenbar nur der koreanische Konzern die Kunst, biegsame Bildschirme mit einer flexiblen Titanfolie zu stabilisieren und auch Apple spricht von Titan im Display. Ein solches Display hatte Samsung gerade erst mit dem Galaxy Z Fold8 (hier unser Testbericht) eingeführt. Die Stelle, an der der Bildschirm gefaltet wird, ist dort kaum wahrnehmbar.
Finden Sie die Falte? Links ist der Bildschirm abgeschaltet, rechts ist er aktiv
Apples Variante geht einen Schritt weiter, weil die oberste Schicht mit einer sogenannten Nanotextur versehen ist. Die sorgt dafür, dass der Bildschirm kaum reflektiert, er sieht fast aus wie Papier und fühlt sich auch so an. Künftig soll man darauf auch mit einem Apple-Pencil, dem Digitalstift für iPads, schreiben und zeichnen können. Allerdings nur mit dessen USB-C-Variante. Möglich, dass das Spaß macht. Die Option wirft aber die Frage auf, wo man den Stift unterbringen soll.
Das Scharnier des iPhone Duo: Apple macht keine Angaben zur Haltbarkeit
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELHosentaschenkompatibel
Um Ihnen auch diese Sorge zu nehmen: Zusammengeklappt rutscht das iPhone Duo mühelos in Hosen- und Jackentaschen. Die werden dann natürlich etwas ausgebeult, denn mit 11,3 Millimetern ist das Duo das derzeit dickste Apple-Handy. Dafür ist das Duo mit nur knapp zwölf Zentimetern zusammengeklappt auch das aktuell kürzeste Apple-Handy. Für Nostalgiker: das Ur-iPhone von 2007 hatte ähnliche Abmessungen, war mit seinem 3,5-Zoll-Display aber viel schmaler als das Duo.
iPhone Duo (links) und iPhone Air: Zusammengeklappt ist das Duo gegen das Air ein dicker Brummer.
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELDie ungewohnte Form hat Folgen. Beispielsweise passen Apples Wallets, in denen man etwa Personalausweis und Kreditkarte unterbringen kann, nicht an die magnetische Rückseite des Duo. Dasselbe gilt für viele Powerbanks, die sich mittels Apple Magsafe-Technik magnetisch an den Rücken von iPhones heften. Auch in viele Handyhalterungen für Fahrräder und Autos passt es nicht oder nur zusammengeklappt. Zubehörhersteller wird das freuen, für sie entsteht ein neuer Markt.
Am besten Hüllenlos
Ein ganz anderes Problem werfen Apples Schutzhüllen auf. Das iPhone Duo Folio etwa ist auf Reisen praktisch, weil es einen eingebauten Standfuß hat. Damit kann man das aufgeklappte Duo als Mobil-TV im Flugzeug oder der Bahn nutzen. Doch es macht das klobige Ding noch ein paar Millimeter dicker.
iPhone Duo mit Folio-Hülle: Lädt man gleichzeitig per Kabel, wie das Kabel geknickt
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELDas schlankere iPhone Duo Case hingegen wird mit feinen Klebestreifen am Rahmen arretiert. Bei anderen Foldables wird es genauso gemacht. Doch solche Hüllen wieder abzubekommen, kann zur Kraftanstrengung ausarten. Zudem sollte man sie bis zum nächsten Gebrauch geschützt lagern, Staub und Schmutz könnten die Funktion der Klebestreifen beeinträchtigen.
Ab an den Strand!
Zudem sind beide keine Schnäppchen: Das Duo Case kostet 89 Euro, das Duo Folio gar 149 Euro. Da kann man sich freuen, dass der robuste Titanrahmen viele Stöße aushalten wird und Apple die Beschichtung des Frontdisplays als »härter als jedes Smartphone-Glas«, bezeichnet. Wäre auch blöd, wenn da etwas schiefgehen würde. Für eine Reparatur des Außenbildschirms stellt Apple 489 Euro in Rechnung, geht das Innendisplay kaputt, werden für den Austausch 1149 Euro fällig. Dafür könnte man auch ein nagelneues iPhone 17 kaufen, samt Case.
Dafür bietet das iPhone Duo einen Schutz, den etwa Samsungs Galaxy Z Fold8 vermissen lässt: Es ist nach IP68 gegen das Eindringen von Wasser und Schmutz geschützt, kann also im Regen und am Strand benutzt werden. Im Test knirschte mein Fold8 nach einem Strandtag dagegen schon verdächtig.
Das Kameraduo im Duo
Was viele Enthusiasten enttäuscht: Das Duo hat keine Telekamera. Bei einem High-end-Handy erwartet man so etwas heutzutage. Doch Telekameras benötigen Platz, den es im Duo nicht gibt. Deshalb muss man sich hier mit einem »Dual Fusion Kamera-System«, wie Apple es nennt, begnügen. Das besteht, wie beim iPhone 17, aus zwei 48-Megapixel-Kameras, eine davon mit Weitwinkel, die andere mit Ultraweitwinkel.
Eine andere Art zu fotografieren: Eigentlich ist die Variante dafür gedacht, Selfies und Gruppenfotos, auf denen auch der Fotograf zu sehen ist, aufzunehmen.
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELApple spricht zudem von einem zweifach-Zoom in »optischer Qualität«. Mit einem Teleobjektiv hat das allerdings nichts zu tun. Vielmehr nutzt Apple hier nur den mittleren Bereich des Fotosensors. Weil dabei keine Pixel neu berechnet werden, kann man von »optischer Qualität« sprechen. Die Detailtiefe ist dennoch geringer als bei einer Aufnahme, die die vollen 48 Megapixel nutzt.
Meine Testfotos waren dennoch durchgängig von guter bis sehr guter Qualität. Wer ein iPhone der Pro-Reihe hat, muss sich aber auf Einschränkungen einstellen, das Fehlen einer Telekamera schränkt die Möglichkeiten spürbar ein. Wer mit seinem iPhone vor allem fotografiert, ist mit einem iPhone 18 Pro besser bedient.
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL
Das gilt auch für die 12-Megapixel-Frontkamera, die für Selfies gut ist, aber eben nicht für mehr. Für die unter dem Display verbaute FaceTime-Kamera gibt Apple gar keine Auflösung an. Für etwas anderes als Videocalls sollte man sie nicht verwenden, dafür liefert sie zu verwaschene Bilder.
Total verplant oder ein voller Erfolg?
Schon bevor es überhaupt auf Markt kommt, zeigt sich, dass das erste faltbare iPhone entweder ein gewaltiger Erfolg oder ein Logistik-Desaster ist. Als Apple am 16. Oktober die ersten Vorbestellungen für das iPhone Duo entgegennahm, dauerte es nicht lange, bis die Liefertermine ins nächste Jahr rutschten. Wer Anfang dieser Woche bestellt hat, muss sogar bis Ende Januar warten. Dabei ist es ganz egal, ob man sich für das Basismodell mit 256 Gigabyte (GB) Speicher – Listenpreis 2299 Euro – oder die Topversion mit 2 Terabyte (TB) für 3799 Euro interessiert.
iPhone Duo aufgeklappt: Die Vorbestellungen überschreiten Apples Lieferfähigkeiten
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELFür diese ungewöhnlich langen Lieferzeiten gibt es zwei Erklärungsmöglichkeiten: Möglicherweise hat Apples Lieferkette versagt und der Konzern kann mangels Material einfach nicht genug Duos herstellen lassen. Oder – das wird Apples Sichtweise sein – iPhone-Fans sind begeistert von der Idee eines Smartphones mit zwei Bildschirmen und bestellen das Gerät millionenfach.
Der offizielle Verkaufsstart am 23. Oktober könnte jedenfalls für alle jene zur Enttäuschung werden, die einfach in einen Apple Store schlendern und sich ein Duo besorgen wollen, aber keines bekommen.
Fazit
Wenn die langen Lieferzeiten ein Hinweis auf die Popularität des iPhone Duo sind, wird es ein voller Erfolg. Allerdings in einer winzigen Nische. Laut Counterpoint sind bisher nur rund zwei Prozent der weltweit verkauften Smartphones faltbar . Für Apple könnte es leicht sein, sich ein großes Stück von diesem kleinen Kuchen zu sichern.
Dass Apple mit dem Duo mal wieder spät zu einer Party kommt, auf der andere schon seit Jahren tanzen, macht sich im Reifegrad des teuren Gadgets bemerkbar. Selbst Kleinigkeiten, wie die Animation des Kombisymbols auf dem Homescreen wirken durchdacht. Der große matte Innenbildschirm ist ein Fest für die Augen, macht das Duo sowohl als Gelegenheits-Arbeitsgerät tauglich als auch als Entertainment-Maschine. Die Kameras sind für den Alltagsgebrauch mehr als in Ordnung und an der Ausdauer gab es während meines Tests nichts zu meckern. Trotz wirklich intensiver Nutzung kam ich mit einer Akkuladung immer über den Tag.
Der Knackpunkt bleibt der Preis, den man relativieren kann. Mein Testgerät mit 512 GB Speicher würde bei Apple 2549 Euro kosten, ein Luxusprodukt. Aber eines, dass mit seinen feinen Details und der generellen Anmutung, nach Jahren eine echte Neuerung zu sein, viele Fans finden könnte.
Source: Der Spiegel · Matthias Kremp
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