Experten warnen trotzdem vor überzogenen Erwartungen: Die Industrieproduktion ist im September überraschend stark gewachsen.
06.11.2026, 09.09 Uhr
Stahlproduktion in Sachsen: In Details erfreuliche Überraschungen
Foto: Sylvio Dittrich / IMAGODie deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im September überraschend gesteigert. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 0,7 Prozent mehr her als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einer Stagnation gerechnet, nach einem Zuwachs von 1,0 Prozent im August.
Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich war die Produktion im dritten Quartal um 0,4 Prozent niedriger als im Vorquartal.
Die positive Entwicklung im September ist maßgeblich auf den Zuwachs in der Automobilindustrie zurückzuführen: Hier wurde die Fertigung um 17,1 Prozent zum Vormonat hochgefahren. Der hohe Wert täuscht allerdings etwas: »In diesem Bereich hatte die Produktion in den beiden Monaten zuvor unter anderem aufgrund von Produktionsumstellungen und Werksferien auf einem niedrigen Niveau gelegen«, erläuterte der Destatis-Sprecher.
Experten bleiben vorsichtig
Auch der Anstieg in der Pharmaindustrie, wo die Produktion nach zwei schwächeren Monaten um 8,0 Prozent stieg, beeinflusste das Gesamtergebnis positiv. Negativ wirkte sich hingegen der Rückgang in der Bauproduktion (-2,6 Prozent) aus. Auch im Maschinenbau (-6,5 Prozent) ging es nach unten.
Die Industrieproduktion (Produzierendes Gewerbe ohne Energie und Baugewerbe) stieg im September gegenüber dem Vormonat um 1,7 Prozent. Dabei legte die Produktion von Investitionsgütern um 3,0 Prozent zu, die Fertigung von Konsumgütern wurde um 0,8 Prozent hochgefahren und die Herstellung von Vorleistungsgütern um 0,1 Prozent. Außerhalb der Industrie sank die Energieerzeugung um 1,2 Prozent.
»Der heute veröffentlichte Anstieg der Industrieproduktion zeigt: Die Erholung der deutschen Industrie und damit der deutschen Wirtschaft ist intakt«, analysiert Sebastian Dullien vom IMK die Zahlen. Zwar müsse das Plus gemeinsam mit einer Abwärtsrevision der Daten aus dem Vormonat interpretiert werden, in den Details gibt es aber erfreuliche Überraschungen.
-
1 Min
-
2 Min
-
2 Min
Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW hält großen Optimismus jedoch für verfrüht: »Die Produktionszahlen sind sehr volatil – das macht es schwierig, den zugrundeliegenden Trend in Echtzeit zu identifizieren.« Die Septemberzahlen deuteten auf eine Stabilisierung der Produktion in der Industrie hin und die Zahlen zum Auftragseingang und die Stimmungsindikatoren legten nahe, dass sich das Momentum in den nächsten Monaten verbessern werde. »Selbstverständlich gibt es weiterhin eine lange Liste an Risikofaktoren, die den Aufschwung in der Industrie beenden könnten, bevor er überhaupt richtig ins Rollen gekommen ist.«
Nach Einschätzung von Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank bewegt sich die Industrieproduktion weiter auf niedrigem Niveau seitwärts. Der Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas deutet darauf hin, dass die Produktion in den kommenden Monaten etwas zulegen könnte. »Aber eine solche Erholung dürfte wegen des China-Schocks, Trumps Zöllen und des Reformstillstands moderat ausfallen.«
mik/Reuters
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
At a glance
- Topic
- World
- Country
- 🇩🇪 DE
- Publisher language
- DE
- Added to Allnira