1. HPE vereint Netzwerk- und Sicherheitsmanagement mit KI

Unterschiedliche Managementplattformen für Campus- und WAN-Netzwerke sowie Sicherheit erschweren den Gesamtüberblick und zwingen Administratoren immer wieder zum Wechsel zwischen den Plattformen. HPE führt nun Netzwerk- und Sicherheitsdaten aus LAN, WLAN und SASE in seinen Managementplattformen Mist und Aruba Central zusammen. Der KI-Agent Marvis soll die domänenübergreifende Sichtbarkeit nutzen, um die Fehleranalyse zu beschleunigen. Der Hersteller möchte damit den Weg zu seiner Vision eines selbststeuernden Netzwerks ebnen.

Hintergrund

Hewlett Packard Enterprise (HPE) treibt die Vereinheitlichung seiner Netzwerkmanagementplattformen weiter voran. Die SD-WAN- und SASE-Lösung HPE Networking EdgeConnect wird in HPE Mist und HPE Aruba Central integriert. Ziel ist es, den Zustand kabelgebundener und drahtloser Netze mit den Telemetriedaten der WAN-Anbindung und relevanten Sicherheitsereignissen zu kombinieren und auszuwerten. Netzwerkadministratoren sollen dadurch Fehlerursachen über mehrere Netzdomänen hinweg schneller identifizieren und sich durch Marvis unterstützen lassen. Mit der Zusammenführung von Netzwerk- und Sicherheitstelemetrie will HPE zugleich die Grundlage für einheitliche Zero-Trust-Richtlinien vom Campus bis zum Cloud-Zugang schaffen.

Integration von SASE in HPE Mist und Aruba Central

(Bild: HPE)

HPE hatte im Juni 2026 eine vereinheitlichte, KI-gestützte SASE-Plattform angekündigt. Sie führt die Verwaltung von SD-WAN und Security Service Edge (SSE) in einer gemeinsamen Managementkonsole zusammen. Die SD-WAN-Komponente kombiniert applikationsoptimierte Pfadauswahl zur Erhöhung von Verfügbarkeit und Performance der Applikationen über unterschiedliche WAN-Verbindungen mit integrierter Firewall, IDS/IPS, DDoS-Abwehr, URL-Filterung und rollenbasierter Segmentierung am WAN-Übergang.

Zusammen mit SSE lässt sich der Zugriff auf interne Applikationen, SaaS-Angebote und weitere Internet-Services nach Sicherheitsrichtlinien steuern. Durch die Einbindung in Mist und Aruba Central sollen die daraus gewonnenen Informationen mit Telemetriedaten aus LAN, WLAN und weiteren Netzwerkkomponenten korreliert werden. Damit sollen Administratoren beispielsweise untersuchen können, ob eine beeinträchtigte Anwendungsleistung auf eine WLAN-Störung, einen fehlerhaften Switch-Port, einen überlasteten WAN-Pfad oder eine Sicherheitsrichtlinie zurückzuführen ist.

Integration in Mist

In HPE Mist erweitert die Integration die bestehenden Funktionen zur Überwachung der Benutzer- und Anwendungsqualität um Telemetriedaten von EdgeConnect. HPE Mist Networking WAN Assurance soll diese Daten auswerten und die Verbindungsqualität anhand definierter Service-Level-Erwartungen (SLEs) beurteilen. Dazu zählen unter anderem der Zustand der WAN-Edge-Geräte und -Verbindungen, die Anwendungsleistung sowie die Bandbreitenauslastung.

Die Funktion WAN Insights soll Leistungskennzahlen wie Link-Auslastung, Latenz, Jitter und Paketverlust im zeitlichen Verlauf darstellen. Ergänzend soll Mist Einblick in Sicherheitsereignisse einschließlich IDS/IPS-Meldungen bieten.

WAN Edge View in Mist

(Bild: HPE)

KI darf nicht fehlen

Eine zentrale Rolle übernimmt der KI-Agent Marvis. Er soll Ereignisse und Telemetrie aus kabelgebundenen Netzen, WLAN und WAN-Verbindungen miteinander in Beziehung setzen. Statt einzelne Komponenten isoliert zu untersuchen, sollen Administratoren einen domänenübergreifenden Blick auf die Auswirkungen einer Störung auf Benutzer und Anwendungen erhalten.

Die beschriebenen Marvis-Aktionen umfassen unter anderem die Erkennung von MTU-Konflikten zwischen WAN-Edge-Ports und direkt angeschlossenen Geräten, sporadisch auftretenden Störungen auf WAN-Verbindungen, fehlerhaften Mobilfunk-Uplinks sowie ausgefallenen VPN-Pfaden. Auch Probleme bei der Auto-Negotiation, etwa ein Duplex-Mismatch, sollen erkannt und den betroffenen Schnittstellen zugeordnet werden.

HPE unterscheidet dabei zwischen einem unterstützenden Betriebsmodus, in dem Marvis Handlungsempfehlungen liefert und ein Administrator eingebunden bleibt (Human-in-the-Loop), und einem selbststeuernden Modus, in dem bestimmte Probleme automatisch behoben werden können.

Integration in Aruba Central

Die Plattform soll 2027 neben kabelgebundenen und drahtlosen Netzkomponenten auch SD-WAN-Geräte, deren Zustand, Schnittstellen, Routing-Informationen, Tunnel und Warnmeldungen abbilden. Dazu gehören unter anderem Informationen zu BGP- und OSPF-Routen sowie Kennzahlen wie Latenz, Jitter, Durchsatz und Paketverlust auf WAN-Tunneln. Auch Clients, die über EdgeConnect angebunden sind, sollen sich zusammen mit Nutzer- und Geräteinformationen aus NAC-Systemen sowie RADIUS- und DHCP-Daten betrachten lassen. Die Kombination aus NAC, Netzwerktelemetrie und SASE soll eine konsistentere Umsetzung von Zero-Trust-Prinzipien ermöglichen.

(fo)

Source: Heise · Benjamin Pfister

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